Der Helferstab von Krasnogorsk

Wie die Stadt wurde auch die Region Moskau unter Quarantäne gestellt. Es gelten die gleichen Regeln wie in der Metropole: Man darf das Haus nur verlassen, um Lebensmittel zu kaufen oder in die Apotheke zu gehen. Ältere Menschen über 65 Jahre müssen ganz zu Hause bleiben. Freiwillige unterstützen diese jetzt beim Einkauf. Ein Bericht aus Krasnogorsk vor den Toren Moskaus.

Freiwillige helfen in der Coronakrise
Hilfe in schweren Zeiten: Freiwillige in Krasnogorsk (Foto: Stadtverwaltung Krasnogorsk)

Wir haben die zweite Woche Ausgangssperre. Seither wurde meine Großmutter einmal vom Elektrizitätswerk angerufen. Sie wollten wissen, ob noch genug Guthaben vorhanden sei, dass sie bis zum Ende der Ausgangssperre Strom habe. Zum Aufladen müssen wir nämlich zur Bank. Zweimal wurde sie vom Sozialversicherungsamt angerufen. Dort wollte man wissen, ob sie Hilfe beim Kauf von Medikamenten und Lebensmitteln brauche. Sie braucht keine Hilfe, denn sie hat mich und meine Mutter. Aber nicht alle Großeltern in Krasnogorsk haben so eine Ljubawa im Haus. Für sie gibt es nun Freiwillige, die beim Einkauf von Lebensmitteln während der Coronakrise helfen.

Die Idee, ein Team von Freiwilligen zur Unterstützung älterer Menschen in der Coronakrise zu organisieren, geht nicht auf Krasnogorsk zurück. Sie entstand bei der Regierung der Region Moskau und wird vor Ort umgesetzt. In Krasnogorsk leben besonders viele Pensionäre. Krasnogorsk ist berühmt für sein Werk, das optische Linsen für die Raumfahrt herstellt. Zu Sowjetzeiten prägte es das Bild der Stadt. Tausende von ehemaligen Arbeitern leben weiterhin hier und beziehen Renten. Und jetzt sind sie in ihren vier Wänden eingesperrt. Wie sie sich die Zeit in der erzwungenen Isolation vertreiben, ist ihre Sache. Aber Lebensmittel müssen sie nicht selbst besorgen. Die bringen Freiwillige.

Einsatzstelle im Jugendzentrum

Dabei gehen die Freiwilligen nicht hausieren oder rufen alle alten Menschen in der Stadt an. Sie helfen nur denjenigen Rentnern, die sich beim Sozialamt der Stadt gemeldet haben. Das Büro kontaktiert die Freiwilligen und gibt ihnen die Kontaktdaten der hilfsbedürftigen Personen. Ein solches System ist notwendig, um Betrug zu vermeiden. Sozialarbeiter raten, anderen Menschen nicht die Tür zu öffnen.

Derzeit gibt es 220 Freiwillige in Krasnogorsk, die mehr als 600 Rentnern geholfen haben. Wer hilft? Angestellte der lokalen Verwaltung, Studenten, Fußballfans und sogar Mitglieder des Motorradclubs Nachtwölfe. Die Einsatzstelle der Freiwilligen befindet sich im örtlichen Jugendzentrum. Mitmachen ist ganz einfach: Man ruft die Einsatzstelle an und teilt seine Bereitschaft zur Mithilfe mit. Ein Auto ist natürlich von Vorteil. Mit mehreren Einkaufstüten für verschiedene Haushalte kann es im Bus doch etwas schwierig werden.

Neue Helfer werden online gefunden

Die Freiwilligen erhalten Einwegmasken und -handschuhe als Schutzausrüstung. Die Lieferungen werden kontaktlos übergeben, um die Ansteckungsgefahr für die Senioren so gering wie möglich zu halten. Es wird geklingelt und die Ware abgestellt. „Jeder Freiwillige hat ein spezielles Zertifikat, das bestätigt, dass er wirklich von uns kommt und nicht irgendjemand von der Straße ist“, sagt Ljubow Kusjakina, Leiterin des Krasnogorsker Freiwilligenstabs.

Das Jugendzentrum beherbergt derzeit nicht nur den Hauptsitz der Freiwilligen, sondern auch ein Lebensmittellager. Hier werden Waren gesammelt, die hilfsbedürftige ältere Menschen und kinderreiche Familien dann kostenlos erhalten. Das von der Regionalverwaltung bereitgestellte Standardpaket umfasst Getreide, Sonnenblumenöl, Fischkonserven, Zucker, Kondensmilch und Desinfektionsmittel. Die Pakete werden ebenfalls von Freiwilligen verteilt.

Manche sagen, dass wir das alles nur machen, um in den sozialen Netzwerken eine tolle Show abzuziehen. Aber wir helfen den Menschen wirklich. Die Leute erfahren von uns über die sozialen Netzwerke. Die Internetaktivitäten helfen uns außerdem dabei, neue Freiwillige zu gewinnen“, erklärt Michail Iwanow, einer der Helfer von Krasnogorsk.

Ljubawa Winokurowa

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