FSB gegen den „Agenten des Kremls“

Das Verhältnis zwischen dem Telegram-Gründer Pavel Durov und den Geheimdiensten verschiedener Länder ist denkbar kompliziert. Nun folgt die nächste Episode: Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wirft dem Unternehmer die Unterstützung terroristischer Aktivitäten vor. Wie wird das in Russland gesehen?

FSB gegen Durov
Pariser Vernehmung 2025: Durovs gute Laune ist ungetrübt. (Foto: Dmitri Orlow/TASS)

Am Montag, dem 27. Juli, antwortete Kreml-Sprecher Dmitri Peskow auf die Frage eines Journalisten nach einer möglichen Aufhebung der Telegram-Sperren, dass Kontakte zu Vertretern des Messengers bestehen. Man arbeite daran. Doch offenbar blieb der Kreml mit dem Ergebnis dieser Gespräche unzufrieden. Nur zwei Tage später schrieb der russische Inlandsgeheimdienst FSB Pavel Durov zur internationalen Fahndung aus.

Die Begründung: Der Geheimdienst wirft dem Unternehmer vor, terroristische Aktivitäten zu unterstützen, da die Administration des Messengers Kanäle und Bots nicht lösche, die zur Koordination von Terroranschlägen und Sabotageakten in der Russischen Föderation genutzt würden.

Pavel Durov stand bei den Behörden schon immer auf einer besonderen Beobachtungsliste. Die Organisatoren von Sabotageakten dürften sich bei der Rekrutierung von Tätern kaum ausschließlich auf Telegram beschränken. Es ist anzunehmen, dass sie alle verfügbaren Kanäle nutzen. Doch im Gegensatz zu anderen Messengern und Plattformen ist Telegram stark personifiziert: Für viele ist Telegram keine anonyme Firma, sondern Durov selbst (vielleicht sogar noch mehr, als das soziale Netzwerk X mit Elon Musk gleichgesetzt wird).

Es gibt also eine konkrete Ansprechperson, der man Fragen stellen und seine Unzufriedenheit mit der Unternehmenspolitik mitteilen kann. Und wenn sich die Gelegenheit bietet, kann man eben auch versuchen, genau auf diesen Durov Druck auszuüben.

Durov wurde bereits wiederholt „unter Druck gesetzt“. Man erinnere sich nur daran, dass er bereits 2012 sein erstes „Kind“, das soziale Netzwerk VKontakte (heute VK), verkaufen musste. 2018 blockierten die russischen Behörden Telegram zum ersten Mal. Seit 2025 wurden gegen Telegram viel schärfere Maßnahmen eingeführt.

Doch als Frankreich Durov 2024 mit zahlreichen Vorwürfen konfrontierte, nannten das einige russische Amtsträger eine ungerechtfertigte Verfolgung des Unternehmers.

Einige russische oppositionelle Medien warfen Durov wiederum Verbindungen zum FSB und eine Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst vor – was Telegram und Durov stets bestritten hätten. Doch hier muss man einschränken, dass bei praktisch allen nicht systemtreuen, oppositionellen und unabhängigen öffentlichen Personen in Russland regelmäßig der Verdacht aufkommt, sie würden „für den Kreml arbeiten“, sie seien ein „Projekt des Kremls“ oder „Agenten des Kremls“. Einige Kommentatoren betonen heute, dass, wenn es überhaupt etwas Gutes an der Verfolgung Durovs gebe, dies ein Beweis für seine Unabhängigkeit sei.

Doch der Hauptgedanke der meisten Kommentatoren – unabhängig von ihren politischen Präferenzen – lautet, dass es nun für alle schlechter werden wird. Und am lautesten empört über das Geschehene sind wohl die russischen Militärblogger. Einige Zitate: „So schlecht Durov auch sein mag, fragt erst einmal, was unsere Armee nutzt, die seit fünf Jahren im Krieg kämpft. Welche Telefonverbindung ist die geheimste und schnellste, und vertrauen die Soldaten anderen sozialen Netzwerken?“ Oder: „Wir können gut Samisdat und Dissidenten erzeugen.“ Oder die Blogger warnen davor, dass Telegram durch solche Aktionen in fremde Hände fallen könnte: „Es ist sehr seltsam, dass wir, indem wir Durov angreifen, den Franzosen und einem Teil des fanatischen Europas helfen, die versuchen, Telegram zu verschlingen.“ Und: Wo können Millionen von Nutzer hin, wenn Telegram blockiert wird? Die Antwort lautet: eigentlich nirgendwohin. WhatsApp gehört einer Organisation, die in Russland als extremistisch eingestuft ist. Es arbeitet derzeit instabil. Der nationale Messenger MAX wiederum lässt sich nicht in allen Ländern installieren, was die Reichweite der Zielgruppe erheblich einschränkt. Doch diese Überlegungen spielten wohl kaum eine Rolle, als Durov zur Fahndung ausgeschrieben wurde.

Igor Beresin

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