Jurij Pimenow in der Tretjakowka: „Kunst der Freude und Schönheit“

Das Pathos der Arbeit, die Schönheit des Alltags im Sowjetstaat, das waren die großen Themen von Jurij Pimenow. Die Neue Tretjakow-Galerie zeigt momentan eine Auswahl der Werke des Künstlers. Das berühmte Gemälde „Neues Moskau“ ist natürlich auch dabei.

Jurij Pimenow: Neues Moskau
„Neues Moskau“ ist das berühmteste Werk von Jurij Pimenow. (Alexander Awilow/ AGN Moskwa)

Eine junge Frau fährt im Cabrio durch das frühlingshafte, sonnige Moskau, die Straßen sind voll von Autos, Bussen und Straßenbahnen. Die Betrachter sehen nur den Rücken der Protagonistin, sie schaut nach vorne, wie in eine verheißungsvolle Zukunft. Das Bild „Neues Moskau“ entstand 1937 und gilt als eines der besten Werke des sozialistischen Realismus. Ohne Zweifel ist es das berühmteste Gemälde von Jurij Pimenow, dessen Werke gerade in der Neuen Tretjakow-Galerie zu sehen sind.

Jurij Pimenow wurde 1903 in Moskau geboren. Sein Vater war Anwalt, malte selbst gerne und hatte nichts dagegen, als sein Sohn beschloss, sein Leben der Kunst zu widmen. Die Pimenows wohnten nicht weit von der Tretjakow-Galerie entfernt, und als Kind besuchte Jurij sie oft. Anfang der 1920er Jahre studierte Pimenow an der WChUTEMAS, einer der führenden Kunstinstitutionen des Landes.

Vom französischen Impressionismus beeinflusst

Zusammen mit anderen Absolventen gründete er die Vereinigung der Stankowisten. Die Künstler romantisierten den Alltag der gerade entstandenen Sowjetunion und suchten nach ausdrucksstarken Mitteln, die neue Realität in ihren Werken widerzuspiegeln. Das Pathos der Arbeit, Sport, aber auch die Schrecken des Kriegs waren zentrale Themen der Stankowisten, die dabei vom deutschen Expressionismus beeinflusst waren.

Ab den frühen 1930er Jahren nahm Pimenows Kunst eine Wendung und er näherte sich dem leichteren französischen Impressionismus an. Er sah seine Aufgabe darin, die moderne Alltagswelt einzufangen, „eine Kunst der Freude und Schönheit des Lebens zu schaffen“. Er war der Meinung, dass die wichtigste Quelle und das wichtigste Material der Kunst „der gewöhnliche Lauf des Lebens“ sei. Die Leichtigkeit und „Unmittelbarkeit“ seiner Werke sind das Ergebnis ständiger akribischer Beobachtungen, zufälligen Begegnungen, Geschichten über das Schicksal von Menschen, einfachen Gesprächen und Reisen in verschiedene Länder. Das Gemälde „Neues Moskau“ wird zu einer Visitenkarte der Kunst der 1930er Jahre. Die Stadt spiegelt die rasanten Veränderungen wider und strahlt Hoffnung auf eine glänzende Zukunft aus.

Wiederaufbau nach dem Krieg als zentrales Motiv

Während des Krieges schildert Pimenow das Heldentum der einfachen Leute, die Verteidigung von Moskau und Leningrad. Trotz der harten und verheerenden Folgen des Krieges zeigt der Künstler Leichtigkeit und Schönheit, auch wenn die Menschen jahrelang auf den Wiederaufbau warten mussten. Dieser Wiederaufbau inspirierte den Künstler ungemein. „Viele Dinge sind noch nicht geregelt, aber alles ist interessant – morgen wird alles bequemer und besser sein“, sagte er. Die neuen Bezirke und Stadtteile Moskaus spiegeln für ihn eine besondere Atmosphäre wider. Baustellen werden zum zentralen Motiv seiner Arbeit.

Jurij Pimenow: Lyrischer Einzug
Endlich in den eigenen vier Wänden: „Lyrischer Einzug“ von 1965 (Bild: Neue Tretjakow-Galerie)

Den Abschluss dieses Prozesses zeigt das 1965 entstandene Bild „Lyrischer Einzug“: Ein junges Paar küsst sich in seiner frisch bezogenen eigenen Wohnung, vorbei ist die Zeit der Gemeinschaftswohnungen, jetzt ist wirklich alles besser.

Noch bis zum 9. Januar 2021 ist die Ausstellung mit dem schlichten Titel „Jurij Pimenow“ in der Neuen Tretjakow-Galerie zu sehen.

Kamila Minichairowa

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