
Die Idee zum Museum kam dem Gründer Wadim Awilow in Hamburg, wo er die weltweit größte Modellbahnanlage „Miniatur Wunderland“ besichtigte. Nachdem er vom Petersburger „Grand Maket“ von Sergej Morosow erfahren hatte, schlug Awilow vor, das Projekt in die Hauptstadt zu holen – erhielt jedoch eine Absage. Also beschloss er, sein eigenes Modell zu bauen. Die feierliche Eröffnung des ersten Saals fand im Frühjahr 2021 statt. Die Bezeichnung „Zarет-Modell“ knüpft an die russische Tradition an, besonders gewaltige oder monumentale Objekte mit dem Zusatz ‚Zar-‘ zu benennen – bekannteste Beispiele hierfür sind die Zarenglocke und die Zarenkanone im Moskauer Kreml.
Sehenswürdigkeiten sowie Sammelbilder von Städten und Dörfern
„Rossija natschinajetsja sdes“: „Russland beginnt hier“. Man sieht es gleich zu Beginn des Rundgangs durch das Museum „Zaren-Maket“. Dies ist eine verkleinerte Kopie der Inschrift, die sich tatsächlich an den Wänden des alten Kremls in Pskow befindet. Die Inschrift „Russland“ – dieselbe, die jahrzehntelang auf dem Gebäude des Hotels „Rossija“ in der Nähe des Roten Platzes in Moskau stand – wurde hier für ein Pskower Festival im Jahr 2015 angebracht. Ein Jahr später hat man sie ergänzt: „Russland beginnt hier“. Es gab sogar einen Prozess über die Rechtmäßigkeit einer solchen Aussage. Aber das Gericht hat bestätigt, dass die Inschrift hier bleiben darf.


Das Zarenmodell zeigt die bekanntesten und berühmtesten Objekte, Städte und Ecken Russlands. Gleichzeitig werden aber auch kollektive Bilder russischer Städte und Dörfer gezeigt, in denen jeder Einwohner seine Heimat wiedererkennen kann. Jeder Stand hat Knöpfe, die man drücken kann, und dann setzt sich alles in Bewegung. Die Schokoladenfabrik beginnt mit der Produktion echter Schokoladentafeln. Feuerwehrleute kommen an, um ein brennendes Gebäude zu löschen. Überall rauschen Autos und Züge herum.

Außerdem leben hier über 100 000 menschliche Figuren. Und jede von ihnen ist mit irgendetwas beschäftigt. Einige stehen an in einer Schlange für Döner, andere gehen ins Bett, einige klopfen Teppiche im Hinterhof aus, andere pflücken Äpfel von den Bäumen. Hinter jeder alltäglichen Szene – und es gibt Hunderte davon – steckt eine Geschichte. Es gibt auch historische Figuren, Zeichentrick- und Filmhelden. Man muss sie nur in der Menge sehen.

Von Kaliningrad bis Wladiwostok
Ursprünglich umfasste das Museum den europäischen Teil – von Pskow bis Wolgograd (Kaliningrad liegt, wie es sich gehört, etwas weiter weg). Im März 2026 wurde der zweite Saal eröffnet, der Ostsibirien und den Fernen Osten widmet.
Ganz am Anfang des zweiten Saals befindet sich Wladiwostok mit der malerischen Bucht des Goldenen Horns. In den Miniaturhafen mit echtem Wasser laufen Ozeanriesen ein, in deren Kabinen man Passagiere erkennen kann. Besonders beeindruckend sind die „deutschen“ Gebäude an der Swetlanskaja-Straße: die Kaufmannshäuser von Gustav Kunst und Gustav Albers, 1907 vom Architekten Georg Junghändel im romantischen Jugendstil errichtet. Die Baumaterialien dafür wurden aus Hamburg geliefert. Nach der Revolution wurden sie verstaatlicht, behielten aber ihre Handelsfunktion – heute beherbergen sie das Wladiwostoker GUM. Daneben erheben sich das rot-weiße Verwaltungsgebäude von „Kunst & Albers“ und das Handelshaus des deutschen Unternehmers Johann Langelite im neoklassizistischen Stil.

„Nur die Größe“
Naturwunder sind ebenso groß in Szene gesetzt: das Tal der Geysire und ein aktiver Vulkan auf Kamtschatka (mit sichtbaren Lavaströmen), die Lenafelsen, der Baikalsee, die Charsky-Sande – die nördlichste Wüste der Welt in der Region Transbaikalien, wo Lkw-Rennen stattfinden – sowie das Kosmodrom Wostotschny mit simuliertem Raketenstart.
Ein Teil des neuen Saals wird noch fertiggestellt: Ural, weite Teile Westsibiriens und weitere Regionen Ostsibiriens warten noch auf ihre Enthüllung. Die Handwerker arbeiten dabei direkt hinter einem Absperrband vor den Augen des Publikums.
Auf die Frage der „MDZ“, was den Moskauer Projekt vom Hamburger Vorbild unterscheide, antwortete Wadim Awilow lakonisch: „Nur die Größe.“
Zaren-Maket: Ul. Konstantinowa, 11A, Metro: WDNCh(495) 109 20 96 (u.a. Führungen auf Deutsch)
www.tsar-maket.ru
Text und Fotos: Olga Silantjewa




