
Auf der Agenda des am 3. Juni in St. Petersburg eröffneten Internationalen Wirtschaftsforums steht eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Russland – Deutschland“. Die Moderation übernimmt Matthias Schepp, der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Früher äußerte er sich äußerst entschlossen zu den Plänen der deutschen Unternehmen in Russland: „Wir wollen den Markt hier nicht den chinesischen und anderen asiatischen Wettbewerbern überlassen.“ Ein Statement, das ein Großteil der Mitglieder seiner Organisation teilt.
Zumindest geht dies aus dem Bericht „Geschäftsklima-Umfrage 2026/1“ hervor. Das Dokument umfasst 32 Fragen, die 265 Mitglieder der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer beantwortet haben. Dabei handelt es sich um Firmen mit deutschem Kapital, wenngleich nicht ausschließlich. An der Befragung beteiligten sich sowohl Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro, als auch mittelständische Unternehmen sowie kleine Firmen und Einzelunternehmer.
Das Hauptergebnis: Die Mehrheit der Befragten erwartet in den kommenden sechs Monaten keine Verbesserung der Wirtschaftslage in Russland – optimistisch sind diesbezüglich nur 14 Prozent. Dennoch planen lediglich zwei Prozent (vier Unternehmen), sich vom Markt zurückzuziehen. Aber für die Mehrheit der in Russland arbeitenden deutschen Unternehmen verliert dieser Markt nicht an Bedeutung. 22 Prozent der deutschen Firmen gehen davon aus, dass der russische Markt für sie noch wichtiger werden kann. Für weitere 57 Prozent bleibt alles beim Alten.
Vielleicht ist das überraschendste Ergebnis der Umfrage die Antwort auf die Frage, wem die Sanktionen mehr schaden. Nur acht Prozent der Befragten glauben, dass die Sanktionen Russland stärker treffen als Deutschland. Die gegenteilige Meinung vertreten 36 Prozent der Unternehmer, während 56 Prozent überzeugt sind, dass die Sanktionen alle gleichermaßen treffen. Und das, obwohl 67 Prozent der Mitglieder der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer der Ansicht sind, dass die Sanktionen der russischen Wirtschaft „stark“ oder „sehr stark“ geschadet haben.
Als die drei größten Störfaktoren für ihr Geschäft in Russland nannten die Unternehmen: „EU-Sanktionen gegen Russland“ (14 Prozent), „militärischer Konflikt zwischen Russland und der Ukraine“ (zwölf Prozent) und „Schwierigkeiten bei Banküberweisungen“ (neun Prozent).
Der „militärische Konflikt“ hat sich sogar in eine weitere Antwort eingeschlichen. Die Frage „Sollte Deutschland wieder Gas und Öl aus Russland beziehen?“ beantworteten 65 Prozent der Unternehmen mit „ja, je eher, desto besser“, wobei 31 Prozent der Firmen dies nur unter einer Bedingung begrüßen würden: „ja, aber erst, nachdem die Waffen in der Ukraine schweigen“.
Sascha Paraponow


