
In Russland beziehen Millionen Menschen weiterhin Einkommen außerhalb des offiziellen wirtschaftlichen und steuerlichen Systems und bilden damit einen erheblichen Sektor der sogenannten Schattenbeschäftigung. Laut einer Untersuchung der Agentur für Transformation und Entwicklung der Wirtschaft (ATRE) könnte dieser informelle Arbeitsmarkt zwischen 5,5 und 24,9 Millionen Menschen umfassen, abhängig von der jeweiligen methodischen Abgrenzung.
Ein Teil dieser Spanne betrifft vollständig nicht registrierte Beschäftigte, während ein anderer Teil Personen umfasst, die offiziell gemeldet sind, aber zusätzliche Einkünfte außerhalb der Besteuerung erzielen. Besonders bedeutsam ist die Einschätzung, dass bereits die teilweise Überführung dieser Tätigkeiten in die Legalität nahezu 900 Milliarden Rubel an zusätzlichen Staatseinnahmen generieren könnte.
Bei der Schattenbeschäftigung handelt es sich nicht um ein Randphänomen, sondern um einen strukturell verankerten Bestandteil des Arbeitsmarktes. Die Studie zeigt, dass informelle Einkommensformen in großem Umfang parallel zu offiziellen Beschäftigungsverhältnissen existieren.
Besonders verbreitet sind dabei hybride Modelle, in denen Teile des Gehalts offiziell ausgezahlt werden, während zusätzliche Zahlungen „inoffiziell“ erfolgen. Dadurch entsteht ein Arbeitsmarkt, der sich nur teilweise statistisch erfassen lässt und dessen wirtschaftliche Bedeutung deutlich unterschätzt werden kann.
Besonders betroffene Branchen
Die stärkste Konzentration informeller Beschäftigung findet sich in der Bauwirtschaft, im Handel und in der Logistik. In der Bauindustrie spielen Subunternehmerketten, kurzfristige Projekte und der Einsatz von Tagelöhnern eine zentrale Rolle, was die Kontrolle über Beschäftigungsverhältnisse erschwert. Im Einzelhandel, insbesondere im kleineren und nicht stationären Segment, werden Umsätze und Beschäftigung häufig nicht vollständig dokumentiert.
In der Logistik wiederum tragen Kurierdienste und private Transportleistungen dazu bei, dass flexible, oft projektbasierte Arbeitsformen entstehen, die sich leicht außerhalb formaler Strukturen organisieren lassen. Auch Dienstleistungen im Haushaltsbereich, Teile der Landwirtschaft und der Reparatursektor weisen eine überdurchschnittlich hohe Informalisierung auf.
Entwicklung der Schattenwirtschaft im Zeitverlauf
Die Frage nach einer möglichen Zunahme der Schattenbeschäftigung wird differenziert bewertet. Langfristige Analysen deuten darauf hin, dass der Anteil vollständig informeller Arbeit im Vergleich zu den 2010er-Jahren eher rückläufig ist.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine klare Verschiebung hin zu komplexeren und weniger eindeutig erfassbaren Beschäftigungsformen. Insbesondere die sogenannte hybride Beschäftigung nimmt zu, bei der Einkommen teilweise offiziell und teilweise nicht deklariert erzielt werden. Dadurch entsteht der Eindruck einer stabil hohen oder sogar wachsenden Schattenwirtschaft, obwohl sich vor allem deren Struktur verändert hat.
Viktoria Nedaschkowskaja


