Bis zu zehn Jahre Haft für russische Charity-Chefin Lida Moniava

Strafverfahren in Russland: Der Charity-Chefin Lida Moniava drohen bis zu 10 Jahre Haft wegen angeblicher „Diskreditierung der Armee“. Sie legt ihr Amt nieder.

Lida Moniava vor dem Gerichtsgebäude     (Foto: Dmitri Belizki/AGN Moskwa)

Am Morgen des 2. September 2026 durchsuchten Ermittler die Wohnung von Lida Moniava, der Gründerin und Direktorin der gemeinnützigen Stiftung „Dom s Majakom“ („Haus mit Leuchtturm“). Anschließend wurde die in Russland bekannte Vertreterin des Wohltätigkeitssektors zum Ermittlungskomitee gebracht, verhört und für 48 Stunden vorläufig festgenommen.

Bereits im Februar 2026 hatte das Moskauer Ismailowo-Bezirksgericht gegen Moniava eine Geldstrafe von 45.000 Rubel wegen „Diskreditierung der russischen Streitkräfte“ verhängt. Damals handelte es sich um ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Das nun eingeleitete Strafverfahren kann deutlich schwerwiegendere Folgen haben: Der ihr zur Last gelegte Tatbestand sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren vor. Ihr wird die öffentliche Verbreitung angeblich falscher Informationen über die russischen Streitkräfte „aus Motiven politischen, ideologischen, rassistischen, nationalen oder religiösen Hasses oder der Feindschaft“ vorgeworfen. Moniava bestreitet die Vorwürfe.

Am 3. September entschied das Simonowski-Bezirksgericht in Moskau über die Haftfrage. Rund 200 Menschen versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude, um Moniava zu unterstützen – darunter Vertreter des Wohltätigkeitssektors, Freunde sowie Hospizpatienten und deren Eltern. Das Gericht ordnete keine Untersuchungshaft an. Stattdessen wurden ihr bis zum 30. Oktober bestimmte Auflagen erteilt: Moniava darf ihre Wohnung zwischen 20 und 8 Uhr nicht verlassen, das Internet nicht nutzen und keinen Kontakt zu Zeugen des Strafverfahrens aufnehmen. Die Ermittlungen dauern an. Am 6. September ließ Moniava über Freunde mitteilen, dass sie ihr Amt als Direktorin der Stiftung „Haus mit Leuchtturm“ niederlegen und aus dem Stiftungsvorstand ausscheiden werde. Damit wolle sie verhindern, dass das Strafverfahren die Arbeit der Organisation beeinträchtigt. Nach ihren Angaben betreut die Stiftung derzeit mehr als 1000 Patienten und beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Lida Moniava hat betont, dass sie Russland nicht verlassen wolle.  

Anna Braschnikowa

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