
In Russlands höchster Spielklasse wird gutes Geld gezahlt und dabei kräftig über die eigenen Verhältnisse gelebt. Mit Eintrittsgeldern ist noch nicht mal ein Bruchteil der immensen Ausgaben zu refinanzieren. Würden hinter den Klubs nicht riesige staatliche oder staatsnahe Konzerne wie Gazprom (Zenit), Lukoil (Spartak) oder die Russische Bahn (Lokomotive) stehen und in letzter Zeit – wie anderswo auch – Wettanbieter beträchtliche Summen sponsern, wäre der Spaß schnell vorbei.
Friedhof der Fußballklubs
Was passiert, wenn Steuergelder die Haupteinnahmequelle sind und sich die betreffenden Regionen das nicht mehr leisten können oder wollen, zeigt die lange Liste der Namen, die über die Jahre von der Bildfläche verschwunden sind, von Amkar Perm bis Kuban Krasnodar und von Mordowija Saransk über den FC Moskwa bis zum FC Chimki. Alternativ dazu existieren in Russland auch sogenannte private Klubs, die von ihren reichen Besitzern ausgehalten werden.
Das Vorzeigebeispiel dafür ist der FC Krasnodar, mit dem der Milliardär Sergej Galizki seit der Klubgründung 2008 eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Eingefleischte Fußballfans würden aber wohl den steilen Aufstieg und jähen Fall von Anschi Machatschkala für viel bezeichnender halten. Nachdem der Unternehmer Suleiman Kerimow 2011 den Klub aus Dagestan am Kaspischen Meer übernahm, schien Geld keine Rolle mehr zu spielen. Mit Stars aus dem In- und Ausland hochgerüstet, wurde der bisherige Abstiegskandidat Anschi erst Fünfter, dann sogar Dritter und schlug im Herbst 2012 den FC Liverpool in der Europa League wie selbstverständlich mit 1:0. Doch schon im darauffolgenden Sommer zog sich Kerimow plötzlich zurück und Anschi verabschiedete sich nach und nach in die Niederungen des Amateurfußballs.
Rodina hat es nicht leicht
Seit dieser Saison kickt Rodina Moskau erstmals in der Russischen Premier-Liga (RPL). Überfordert wirkt der letztjährige Zweitliga-Meister unter seinem spanischen Trainer Juan Diaz auch im Oberhaus bisher nicht, sorgte mit einem 2:1 bei Dauer-Champion Zenit St. Petersburg am dritten Spieltag auch gleich für einen Paukenschlag. Ansonsten reichte es jedoch nur noch für ein Pünktchen: Beim 3:3 gegen Liga-Außenseiter Akron Togliatti (3:3) kam trotz der vielen Toren irgendwie nie der Eindruck auf, dass es hier um etwas geht.
In Moskau, wo sich die Sympathien der Fußballfans mit Spartak, ZSKA, Dynamo und Lokomotive ohnehin schon auf vier Klubs verteilen, kann Rodina kaum auf großen Zuspruch hoffen. In der Arena Chimki, wo die Mannschaft mangels eigenem Stadion ihre Heimspiele austrägt, lag der Zuschauerschnitt bisher bei 3700. Die auffallend vielen Kinder auf den Rängen dürften als Nachwuchsspieler dabei wohl gar keine zahlenden Besucher gewesen sein. Im Internet sind die Kommentare wenig schmeichelhaft: Rodina wird meist über kurz oder lang der Weg in die Versenkung prophezeit.
Tino Künzel


