Frikadellen aus Ablaufware: Gefährlicher Schwarzmarkt in Russland

In den Regalen der Geschäfte findet man hin und wieder Produkte mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum, die das Personal nicht rechtzeitig herausgenommen hat. Doch solche Waren können ein „zweites Leben“ bekommen. Großhändler bieten über geschlossene Telegram-Kanäle große Partien abgelaufener Produkte zu Schleuderpreisen an.

Im Geschäft kann man noch genau hinschauen — in der Kantine landet die Ware blind auf dem Teller. (Foto: Jaroslaw Tschingajew/AGN Moskwa)

In geschlossenen Messenger-Gruppen hat sich ein Markt für überlagerte Lebensmittel etabliert, berichten russische Medien. So wird ein Kilogramm Hähnchenfleisch, dessen Großhandelspreis zwischen 200 und 220 Rubel liegt, für 75 Rubel verkauft, Brie-Käse für 50 Rubel, ein Kilogramm anderer Käse ohne Namensbezeichnung für 170 Rubel, und Würstchen sind für 22 Rubel pro Kilogramm zu haben. Dabei werden die Waren in großen Partien gehandelt. Nach Angaben einer anonymen Quelle werden solche Produkte – einschließlich abgelaufener Mayonnaise und Hüttenkäse – in den meisten Fällen für kleine Imbissbuden oder Bäckereien eingekauft.

Teure Entsorgung, illegale Geschäfte

Eigentlich müssten diese Erzeugnisse entsorgt werden, doch Tonnen nicht mehr frischer Rohstoffe auf Mülldeponien zu fahren, ist teuer und erregt Aufmerksamkeit. Wie einige Käufer beteuern, nehmen sie solche Waren als Hundefutter oder Katzenfutter – obwohl das „Gesetz über Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln“ den Verkauf abgelaufener Produkte, auch als Tierfutter, strikt verbietet. In manchen Betrieben werden die Produkte wenige Tage vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums an die Mitarbeiter verteilt. Diese bieten sie dann ihrerseits zum Verkauf an.

Versteckte Gefahr in Fertigprodukten

Am gefährlichsten ist in diesem Fall die Verarbeitung abgelaufenen Fleisches zu Halbfertigprodukten. Um das Fleisch zu maskieren, werden Gewürze und Geschmacksverstärker hinzugefügt, bevor es zu Frikadellen, Pelmeni oder Nuggets in den Fertiggerichte-Abteilungen verarbeitet wird, warnt die Quelle. Seinen Worten nach ist dies besonders in Werkskantinen und Imbissstuben riskant, wo die Käufer das Haltbarkeitsdatum nicht überprüfen können, da die Produkte bereits in verzehrfertigem Zustand verkauft werden.

Schärfere Kontrollen durch Rospotrebnadsor

Für die Regulierung in diesem Bereich ist Rospotrebnadsor, die russische Verbraucherschutzbehörde, zuständig. Seit dem 1. März 2025 sind Änderungen der Sanitär- und Epidemiologischen Regeln und Normen (SanPiN) 2.3/2.4.3590-20 in Kraft getreten, wonach Begleitdokumente für Produkte bei Lieferung und Mitnahme für alle Vertriebskanäle verpflichtend wurden. Die Behörde überprüft Räumlichkeiten, Ausstattung, Rohstoffe, Hygiene, Dokumentation und das HACCP-System – ein obligatorisches internes Kontrollsystem.

Bußgelder ohne Abschreckungswirkung

Die Strafen für Verstöße sind bereits festgelegt. Für gewöhnliche Hygieneverstöße drohen juristischen Personen Bußgelder ab 10 000 Rubel, für Verstöße gegen technische Regulierungen mit Gesundheitsschäden bis zu 600 000 Rubel. Für Einzelunternehmer liegen die Strafen zwischen 30 000 und 40 000 Rubel mit Konfiszierung der Ware, für Unternehmen zwischen 300 000 und 600 000 Rubel. Bei Massenvergiftung, Tod eines Verbrauchers oder sonstigen schwerwiegenden Folgen ist strafrechtliche Haftung vorgesehen. Doch wie sich zeigt, schrecken solche Strafen jene, die abgelaufene Produkte in Umlauf bringen, nicht ab.

Xenija Melnikowa

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