Matwijenko kritisiert, Mordaschow geht in die Defensive

In der am 23. April veröffentlichten Milliardärsliste von „Forbes“ finden sich selbstverständlich auch russische Namen. Für manche erwies sich solche Bekanntheit als Bumerang. Doch scheint es, dass die Vorsitzende des Föderationsrats, Walentina Matwijenko, und der Chef von „Severstal“, Alexej Mordaschow, ihre Differenzen bereits geklärt haben.

Matwijenko - Mordaschow
Walentina Matwijenko freut sich über Mordaschows Erfolg aber gleichueitig kritisiert den Milliarder. (Foto: Jaroslaw Tschingajew/AGN Moskwa)

Im Jahr 2026 erweiterte sich die von der Zeitschrift „Forbes“ erstellte Milliardärsliste auf 155 Personen – gegenüber 146 im Vorjahr. Der Chef von „Severstal“, Alexej Mordaschow, erwies sich als der vermögendste Russe auf der Liste. Sein Vermögen beläuft sich auf über 30 Milliarden US-Dollar. Möglich wurde dies durch den mehrfachen Anstieg der Bewertung von Nordgold, einem Unternehmen im Besitz der Familie Morda­schow: Innerhalb eines Jahres stieg der Goldpreis um fast 80 Prozent. Den zweiten Platz unter den Russen in der „Forbes“-Liste belegte Wladimir Potanin, Präsident der Holding „Interros“ und von GMK „Norilsk Nickel“. Sein Vermögen wird auf 29,7 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die dritte Position nahm Wagit Alekperow, Vorsitzender des öffentlichen Beirats der Stiftung „Nasche buduschtscheje“ („Unsere Zukunft“), mit einem Vermögen von 29,5 Milliarden US-Dollar ein.

An die „Forbes“-Rankings und die darin vertretenen Russen scheint man sich längst gewöhnt zu haben. Doch gelegentlich regt sich dennoch Kritik – und zwar von solcher Art, dass eine Reaktion erforderlich wird. Am 29. April kommentierte die Vorsitzende des Föderationsrats, Walentina Matwijenko, den Erfolg des „Severstal“-Chefs wie folgt: „Alexej Mordaschow hat den ersten Platz in der „Forbes“-Liste erobert, worüber wir uns sehr freuen. Es ist gut, dass unsere Landsleute wohlhabend werden. Vielleicht sollte man in dieser Situation die Möglichkeiten abwägen und eventuell etwas aus den Offshore-Zonen zurück in die Russische Föderation holen?“

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Alexej Mordaschow ging in die Defensive und konterte die Vorsitzende der oberen Kammer mit Zahlen in der Hand. Genauer gesagt antwortete der Pressedienst des Unternehmens. So beliefen sich die Steuerabgaben von „Severstal“ in den Haushalt der Region Wologda im Jahr 2025 auf 13,4 Milliarden Rubel. Hinzu kommen Sozialinvestitionen in die Region, die „Severstal“ als systemrelevantes Unternehmen tätigt: 5,76 Milliarden Rubel. Nach Angaben des Unternehmens selbst hat „Severstal“ 2025 in ganz Russland über 25 Milliarden Rubel in ökologische, soziale und technologische Projekte investiert.

Erst am 21. April veröffentlichte „Severstal“ einen Bericht, der einen drastischen Gewinnrückgang ausweist. Der Gewinn fiel um das 370-Fache und belief sich auf lediglich 57 Millionen Rubel. Gleichzeitig sank die Rentabilität auf 12 Prozent, und der freie Cashflow wurde negativ – mit einem Minus von über 40 Milliarden Rubel.

Goscha Haimow

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