Zwischen gestern und morgen: Ein Rundgang auf dem WDNCh-Gelände

Das Ausstellungsgelände WDNCh hat eine bewegte Geschichte. Als sowjetische Expo errichtet, verkam es nach dem Ende des sozialistischen Staates zu einem riesigen Marktplatz und galt lange Zeit als schmuddelig. Doch seit einigen Jahren wird das Gelände modernisiert und erstrahlt zum 80. Geburtstag in neuem Glanz. Die MDZ hat sich umgesehen, was es dort zu entdecken gibt.

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Sowjetischer Charme, moderner Inhalt: Das Ausstellungsgelände im Moskauer Norden ist ein vielfältiger Ort. © Pressedienst WDNCh

20 Jahre nach der Oktoberrevolution wollten sich die neuen Machthaber 1937 ein Denkmal setzen und stolz zeigen, was sie in ihrer Regierungszeit erreicht haben. Mit zwei Jahren Verspätung, am 1. August 1939, war es dann so weit. Im Moskauer Norden wurde die Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft, oder kurz WDNCh, eröffnet. Das riesige Gelände (heute sind es 240 Hek­tar) war eine Sowjetunion im Kleinformat.

Sowjetunion en miniature

Gefeiert wurden hier die erbrachten Leistungen in Industrie und Landwirtschaft und die Völkerfreundschaft innerhalb des multinationalen Landes. Und jeder Themenbereich bekamen einen eigenen Pavillon (heute gibt es rund 500 Gebäude, von denen 49 unter Denkmalschutz stehen). 

Das Ende der Sowjetunion ging auch am WDNCh nicht spurlos vorbei. Statt sozialistische Erfolge zu bestaunen, kamen die Menschen hierher, um auf den neu entstandenen Märkten kapitalistische Waren zu kaufen und in den Klubs die Nächte durchzufeiern. Seit mehreren Jahren besinnt sich das Gelände seiner Wurzeln und will für die Moskauer ein Ort sein, an dem sie sich erholen und weiterbilden können.

Und das in neuem Glanz. Denn zum 80. Jubiläum wurde das Gelände umfassend saniert. Und es wird ausgiebig gefeiert. So findet den ganzen August über das Festival „Rhythmus meiner Stadt“ (Ritm moego goroda) statt, bei dem Street-Art-Künstler und Tänzer ihr Können zeigen und bekannte russische Musiker ihre Hits zum Besten geben. Aber auch ohne Festival lohnt sich der Besuch. Die MDZ ist für einen Tag in die Welt des WDNCh eingetaucht. 

Vom Kreml dauert es nur 15 Minuten mit der Metro. Wer aus der gleichnamigen Metrostation aussteigt, kann das WDNCh-Gelände nicht verfehlen. Von Weitem ist das 32 Meter hohe Eingangsportal bereits zu erkennen. Gleich dahinter empfangen Rasenflächen und Blumen die Besucher. Auf beiden Seiten des Platzes laden Imbissbuden dazu ein, sich für den Tag auf dem WDNCh zu stärken.

Egal ob Street Food wie Hot Dogs und Wraps oder georgische Leckereien, Maiskolben, Zuckerwatte und Eis – die Auswahl ist groß. Dazu gibt es jede Menge kalter Getränke und verschiedene Kaffeesorten. Übrigens, wem nach dem Essen nicht nach einem Spaziergang ist, kann das Ausstellungsgelände auch mit Rollschuh oder Fahrrad erkunden.  Die Auswahl ist riesig. Gut 200 Fahrräder stehen zur Verfügung. Die erste Stunde kostet 300 Rubel, je weitere 150 Rubel. 

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Wasserkunst, die anzieht: die „Steinblume“ © Pressedienst WDNCh

Wasser- und Farbspektakel

Die ersten Highlights sind der „Brunnen der Völkerfreundschaft“ und die „Steinblume“. Beide Wasserspiele sind ein Muss bei jedem WDNCh-Besuch und dementsprechend von Menschen belagert, die ein Foto machen oder einfach den Anblick genießen. Der „Brunnen der Völkerfreundschaft“ wird von 16 weiblichen Goldfiguren umgeben, die die einzelnen Sowjetrepubliken verkörpern (Anm. d. Red.: Das nordrussische Karelien war bis 1956 eine eigenständige Sowjetrepublik). Nur ein paar Fußminuten entfernt befindet sich die „Steinblume“. Beide Brunnen wurden vor Kurzem restauriert und besonders die bunten Farben der „Steinblume“ glitzern fantastisch in der Mittagssonne.

Bei einem Rundgang auf dem Gelände fällt dem Besucher auf, dass kein Pavillon wie der andere ist. Dank der liebevollen Details ist allen Gebäuden anzusehen, welche Republik oder welchen Industriezweig sie repräsentieren.  Die Vielfalt ist groß und dennoch fällt der Pavillon Nr. 67, der zwischen den Brunnen liegt, auf. Denn das für die Karelische Republik errichtete Gebäude hat eine dunkle Holzfassade mit Gesichtern und Ornamenten auf dem Dach und hebt sich damit von den ganzen Steinpavillons ab. 

Ganz am Ende der breiten zentralen Allee kann der Besucher von der Welt der Sowjetunion in die der Täuschung eintauchen. Im Museum für optische Illusionen betritt man wahlweise die Welt von Riesen oder ein Gruselkabinett. Oder man versucht sich beim Gefängnisausbruch mit engen Gängen, Stroboskoplicht und verkleideten Schaufensterpuppen. Um nach diesem Adrenalinschub wieder runterzukommen, sollte man unbedingt das Angebot wahrnehmen und in einem speziellen Raum drei Teller bemalen, um sie anschließend zu zerschmettern. Das ganze Abenteuer der Welt der Illusionen kostet 1500 Rubel.

Einmal Kosmos und zurück 

Wieder an der frischen Luft wird der Besucher von der Welt der Technik begrüßt. Genauer gesagt von einem Ensemble aus Rakete, Kampfflugzeug und -hubschrauber. Und dem Passagierflugzeug Jakowlew Jak-42, das einst den längsten Flug eines Jets dieser Größe absolvierte. Gleich dahinter ragt der Kosmos-Pavillon in den Himmel. Nach jahrelanger Sanierung wird hier seit 2018 Wissbegierigen alles über das Thema Weltall und Raumfahrt vermittelt. Die 500 Rubel Eintritt lohnen sich. Denn der Pavillon gilt als einer der schönsten auf dem gesamten Gelände und lässt auch das Herz von Architekturbegeisterten höher schlagen. 

Wer die Technik anfassen will, dem sei eine Führung in der sowjetischen Raumfähre „Buran“ empfohlen. Der Eintritt kostet 300 Rubel. Leider findet die Führung selbst auf Russisch statt, doch der Kurzfilm, der zu Beginn gezeigt wird, hat englische Untertitel.  Spannender ist die Möglichkeit, sich in das Cockpit zu setzen und in einer Flugsimulation den „Buran“ am Joystick zu steuern.

Moderne Technik gibt es hingegen in der Ausstellung „Robostanzija“. Hier werden Roboter aller Art ausgestellt. Von Fischen bis Fußballtorhütern, für jeden ist etwas dabei. Und das nicht nur zum Gucken. Denn die Roboter können Witze erzählen und gemeinsam mit den Besuchern malen. Die Interaktion mit dem Menschen soll die Reichweite künstlicher Intelligenz austesten und erweitern. Für 380 Rubel kann man dabei sein, wenn Zukunft gemacht wird. 

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Das „Moskwarium“ steht für das neue WDNCh. © Pressedienst WDNCh

Lichtspiele am Abend

Mit echter Intelligenz kann der Besucher im „Moskwarium“ in Berührung kommen, das sich gleich neben der Raumfähre „Buran“ befindet. Seit 2015 dreht sich hier alles um Meeresbewohner wie Delfine, Haie und Orcas. Zu bestimmten Zeiten bietet das Ozeaneum Vorführungen mit den Tieren an. So zeigen die Orcas Kunststücke und Besucher dürfen mit den Delfinen schwimmen.

Besonders für Kinder interessant sind die „Anfassbecken“. Dort können sie ellbogentief ins Wasser greifen und kleine Fische und andere Meeresbewohner berühren. Während der Beobachtungstour können die Besucher kleine Essenspausen im Café einlegen oder den Rundgang bei einer Kugel Eis genießen. Der Eintritt ins „Moskwarium“ kostet 900 Rubel.

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Eindrucksvoller Sonnenuntergang am Brunnen der Völkerfreundschaft © Pressedienst WDNCh

Nach so vielen Eindrücken sind die Brunnen der schönste Ort, um den Tag ausklingen zu lassen. Nachdem der Sonnenuntergang das Gelände in warmes Licht hüllt,  verwandeln LED-Lampen das sprudelnde Wasser in farbenfrohe Fontänen. Ein perfekter Abschluss für einen abwechslungsreichen Tag. 

Kristina Geldt

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