„Das Größte, was ich je erlebt habe“

Wer ein Ticket hatte bei der Fußball-WM, der konnte sich glücklich schätzen. Doch einige waren noch näher dran am Geschehen. Am Ende des WM-Jahres ziehen Freiwillige aus Nischnij Nowgorod für die MDZ Bilanz, wie das Großereignis sie über den Turnierzeitraum hinaus verändert hat.

Gute Laune bei Freiwilligen im Stadion von Nischnij Nowgorod. © Privat

Dascha Suchankina, 22 Jahre, studiert Lehramt für Fremd­sprachen und Kultur

Dank der WM ist mir klar geworden, dass Freiwilligenarbeit echt cool ist und das Arbeiten im Team Spaß macht. Hinterher habe ich vor allem die Heiterkeit der vorangegangenen Wochen vermisst. Speziell bei der älteren Generation von Russen, die Ausländern eher distanziert begegnet, war das anfängliche Misstrauen schnell verflogen, zumal sie gesehen hat, dass diesen Ausländern Russland gefällt. Umgekehrt hat das Ausland sicher verstanden, dass Russen nicht nur finster dreinblicken und nie lächeln.

Arina Alymowa, 19 Jahre, studiert Internationale Beziehungen

Ich bin glücklich, Teil eines so großartigen Ereignisses gewesen zu sein! Ich habe mit einer riesigen Anzahl an Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und mit ganz unterschiedlichen Ansichten gesprochen. Ich bin offener geworden, kann heute besser kommunizieren. Sämtliche Anstrengungen haben sich hundertprozentig gelohnt. Ich habe unbezahlbare Erfahrungen gesammelt und unvergleichliche Emotionen erlebt, zum Beispiel als ich vor dem Spiel Argentinien – Kroatien gemeinsam mit Messi auf dem Spielfeld stand, während von tausenden Fans die argentinische Nationalhymne gesungen wurde. Ein magischer Moment!

Ich finde es gut, dass viele Vorurteile über Russland entkräftet wurden. Alle Fans, mit denen ich ins Gespräch gekommen bin, haben mir gesagt, sie hätten sich in Russland verliebt. Ich glaube sowieso, dass die Beziehungen zwischen einfachen Leuten wichtiger sind als die Politik. Es war unglaublich toll, dass meine Stadt von so vielen ausländischen Gästen besucht wurde wie nie zuvor – und dass uns alle so wohlgesinnt waren.

Artjom Najpak, 22 Jahre, studiert Lehramt für Englisch

Die Arbeit bei der WM hat mich, denke ich, verantwortungsbewusster gemacht. Nach so einem Ereignis versteht man erst, wozu man wirklich in der Lage ist. Außerdem habe ich viele neue Bekanntschaften geschlossen, die mein Leben bis heute zum Positiven verändern. Die WM war das Größte, was ich je erlebt habe, und ich bin sehr dankbar für die Momente und Kontakte, die sie mir geschenkt hat.

Kirill Galezkij, 21 Jahre, Industriedesigner

Die WM hat bei mir den Wunsch geweckt, Spanisch zu lernen, denn es gab viele spanischsprachige Fans und nicht alle verstanden Englisch. Zum Glück arbeitete ein Peruaner mit mir zusammen, der beide Sprachen beherrschte. Ansonsten hatte ich die Gelegenheit, mein Englisch zu trainieren, und einmal konnte ich sogar meine Kenntnisse der russischen Gebärdensprache einsetzen. Ich habe begriffen, dass die Menschen überall auf der Welt ungefähr gleich sind. Viele haben mir über ihr jeweiliges Land erzählt. So habe ich zum Beispiel Dinge über Indien erfahren, die für mich überraschend waren.

Zusammengestellt von Lena-Marie Euba.

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