Der einzig sichere Ort zum Trainieren

Aufregung in Moskaus Radsport-Community: Die Radrennstrecke in Krylatskoje, einst für die Olympischen Spiele 1980 gebaut, ist in Gefahr. Für viele ist es der einzige Ort, an dem sie sicher trainieren können. Daher regte sich im Sommer Protest. Der könnte nun Wirkung zeigen.

Jurij Lewinson (links) bei der Kundgebung am 25. Juli (Foto: privat)

Es ist ein Relikt der Olympischen Sommerspiele 1980: In zahlreichen Windungen schlängelt sich die asphaltierte Radrennbahn durch die Hügel von Krylatskoje im Nordwesten Moskaus. Über 13 Kilometer lang ist die Trasse, die für viele Radsportler unersetzlich ist. „Das ist wirklich der einzige Ort in der Region Moskau, wo man sicher trainieren kann, ohne die Gefahr, im Straßenverkehr ums Leben zu kommen. Wir haben hier keine Radwege wie in Europa. Es geht für uns um Leben und Tod“, sagt der Profiradsportler und Trainer Jurij Lewinson.

Die Trasse gehört seit dem Jahr 2002 der Firma Lata Track, die hier einen Skikomplex betreibt. Der Stadtverwaltung ist sie offenbar schon länger ein Dorn im Auge. Adam Eldarchanow, stellvertetender Direktor von Lata Track, berichtete gegenüber dem Magazin „The Village“ von Schikanen seitens der Stadt. Allein schon wenn man das Gras in den Kurven mähe, käme die Polizei und berufe sich auf Umweltschutzauflagen. In der Tat liegt die Trasse in einem Naturschutzgebiet.

Ein Bauprojekt gefährdet die Radrennstrecke

Ein Bauvorhaben in direkter Nachbarschaft brachte nun den Stein ins Rollen, der die Rennstrecke in ernste Gefahr bringt. Laut der Firma Lata Track kam es bei der Katastervermessung vor 13 Jahren zu einem Fehler, weshalb ein Teil der Trasse im Grundbuch auf Grundstücken der Stadt liege. Es geht um einen Abschnitt von zwei Kilometern.

Das Immobilienamt der Stadt hat nun 2017 eines dieser Grundstücke an die Firma Medical Estate vermietet. Es sind ein Schwimmbad und ein Parkhaus an der Trasse geplant. Ob diese dadurch direkt beeinträchtigt wird, ist umstritten. Jurij Lewinson ist der Ansicht, der Bau werde die Trasse selbst nicht stören. Maria Ostrowskaja, Direktorin von Lata Track, ist dagegen skeptischer. Der Bau des Parkhauses zerreiße die Rennbahn. Und das sei erst der Anfang einer Entwicklung, an deren Ende die völlige Zerstörung der Trasse stehen könnte.

Radsportler organisieren Protestkundgebung

„Die Stadt versucht, der Trasse den Status als Immobilie zu entziehen“, sagt Maria Ostrowskaja. Dann könnte sie Teile derselben legal abreißen. Sie befürchtet zudem, dass am Ende auf den Hügeln von Krylatskoje deutlich mehr gebaut werde, als nur das Parkhaus. „Es gibt ein Projekt für einen ‚Sport-Cluster‘ mit 300 bis 400 Hektar auf dem Gelände der Sportanlagen von Krylatskoje. Unsere Erfahrung zeigt, dass sie erst mit Sport werben, am Ende dann aber Wohnungen bauen“, so Maria Ostrowskaja.

Über 13 Kilometer windet sich die Trasse durch die Hügel. (Foto: AGN Moskwa)

Um die Rennstrecke zu retten, organisierte Jurij Lewinson Ende Juli eine Kundgebung. „Wir wollten als Moskauer Radsport-Community einfach Präsenz zeigen. Es ging nicht darum, gegen irgendwen einen Streit vom Zaun zu brechen. Doch wir wollten zeigen: Wer die Rennbahn anrührt, wird sich mit uns auseinandersetzen müssen“, sagt er. Mit der Resonanz war er sehr zufrieden. In der Tat fanden sich über tausend Radrennsportler und Unterstützer in den Hügeln von Krylatskoje ein. Verschiedene Medien berichteten, das Thema wurde zum Stadtgespräch.

Sowohl Maria Ostrowskaja als auch Jurij Lewinson hegen nun die Hoffnung, die Stadtverwaltung noch umzustimmen. „Vielleicht wird die Trasse dann sogar neu asphaltiert und renoviert“, träumt Jurij Lewinson. Wer die Rennbahn in Zukunft betreibt, ist für ihn und viele andere Radsportler zweitranging. Hauptsache sie können sicher trainieren, ohne die Gefahren des Straßenverkehrs.

Jiří Hönes

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