Raus ins Grüne! Vier Ideen für Ausflüge rund um Moskau

Moskau ist bekannt für seine ausgedehnten Parks. Doch es gibt im Stadtgebiet auch einige andere grüne Oasen, die zu Spaziergängen einladen. Die MDZ hat vier ganz unterschiedliche davon näher angeschaut.

Die Kirche in Krylatskoje entstand zwischen 1862 und 1877. © Jiří Hönes

Einfach mal eine Runde über die Felder drehen – in einer Metropole wie Moskau ist das gar nicht so einfach. Da jedoch die Metro mittlerweile bis in die entlegensten Ecken fährt, findet sich doch hier und da eine Ausflucht in den Wald oder in eine malerische Datschensiedlung. Wir haben vier Tipps für Ausflüge ins Grüne, ohne die Stadt zu verlassen.

Krylatskoje

Spaziergänge in einer Hügellandschaft mit Blick auf die Großstadt, das verspricht das einstige Dorf Krylatskoje im Nordwesten Moskaus. Das Dorf selbst musste im Vorfeld der Olympischen Spiele 1980 mehreren Sportanlagen weichen. Neben einem Ruderkanal und dem Velodrom entstand seinerzeit eine 13 Kilometer lange Radrennstrecke, die sich durch die Hügel schlängelt.

Hier erstreckt sich heute ein herrliches Naherholungsgebiet. Kommt man von der Metrostation Kyrlatskoje, führt ein Weg zunächst hinab in eine schattige Senke mit der Quelle der Gottesmutter von Rudnja. Ihr Wasser soll wundertätig sein. Der Legende nach fanden hier Bauern beim Heumachen die Ikone von Rudnja auf der Wiese, woraufhin eine Kapelle errichtet wurde.

Kapelle und Ikone sind heute verschwunden, doch das kühle, klare Wasser lockt noch immer zahlreiche Leute mit Kanistern an. Vom benachbarten Hügel grüßt die Kirche der Geburt der Jungfrau Maria aus dem 19. Jahrhundert, ein Relikt des alten Krylatskoje. Im Hof gibt es eingemachte Gurken und Marmelade in einem kleinen Naturkostladen. In der Ferne sind die Wolkenkratzer von Moskau City zu sehen. Die Radrennstrecke eignet sich ideal für Familienspaziergänge mit Kinderwagen.

Mitino

Wer lieber durch schattige Wälder spaziert, fährt einige Stationen weiter nach Mitino. Auch das war einst ein Dorf, bis es 1985 zu Moskau kam und in den 1990ern zugunsten einer Wohnblocksiedlung eingeebnet wurde. Diese muss man von der Metrostation aus ein Stück weit durchqueren, um hinter dem Gebäude Uliza Baryschicha 17 unvermittelt in den Wald einzutreten.

So grün kann Moskau sein: der Stausee am Flüsschen Sinitschka. © Jiří Hönes

Schon nach wenigen Minuten ist vergessen, dass gerade noch Straßenschluchten zwischen 17-stöckigen Wohntürmen das Bild bestimmten. Der Duft der Waldkräuter entrückt die Besucher der Großstadt. Nach einer Weile trifft man auf die dörfliche Siedlung Sadowod-Sad-3 mit einem kleinen Stausee am Flüsschen Sinitschka.

Der Damm wird gerade saniert, weshalb der Badestrand etwas surreal abseits des Ufers liegt. Ein kleiner Unterstand lädt zur Versperpause ein. Wegweiser des Schwarzwaldvereins sucht man hier allerdings vergeblich. Wer sich nicht im Labyrinth der zahlreichen Waldwege verirren möchte, findet auf der Seite rutrail.org/trails/52 einen GPS-Track für eine 15 Kilometer lange Wanderung quer durch den Wald bis zur Bahnstation Krasnogorskaja.

Kurjanowo

Es wirkt wie ein Dorf inmitten der Metropole, umzingelt von Eisenbahnanlagen und Industrie: Steinhäuser aus der Stalinzeit, Vorgärten mit Lattenzäunen und Blumen, die Straßen üppig von Bäumen gesäumt. Kurjanowo entstand in den 1950ern als Siedlung für die Angestellten des Moskauer Klärwerks und hat sich seither wenig verändert. Angeblich waren es deutsche Kriegsgefangene, die beim Bau der schmucken zweistöckigen Häuser Hand anlegen mussten. Auf  dem zentralen Platz steht inmitten gepflegter Blumenbeete ein kleines Lenin-Denkmal.

Fremde verirren sich höchstens hierher, wenn sie eine dörfliche Filmkulisse suchen. Erreichbar ist das Idyll mit dem Vorortzug ab dem Kursker Bahnhof, ab der Station Pererwa sind es noch ein paar Meter zu Fuß oder zwei Haltestellen mit dem Bus.

Vielleicht die dörflichste Ecke Moskaus: die Siedlung Kurjanowo © Jiří Hönes

Prokschino

Seit der jüngsten Erweiterung der Sokolnitscheskaja-Metrolinie im Süden ist eine recht ländliche Gegend in greifbare Nähe gerückt. Die Fahrt dorthin geht vorbei an Wäldern und Äckern, die Haltestelle Prokschino steht auf der grünen Wiese. Ein Weg führt in das gleichnamige Dorf, das vor allem als Sommerresidenz vieler Moskauer dient.

Mit seinem Dorfweiher, den engen Sträßchen und den grasbewachsenen Parkstreifen vor den Grundstücken wirkt es geradzu idyllisch. Die Millionenstadt scheint in ewiger Ferne zu liegen. Auf der anderen Seite der Metrolinie lohnt ein Spaziergang zur mitten im Wald gelegenen Kirche der Neumärtyrer und Bekenner. Bisweilen wird schon gespottet, Moskau habe ein paar Datschen mit der Metro erschlossen.

Mit der Tour sollte man sich aber wohl beeilen. Wie lange die Idylle bleibt, ist fraglich. An den benachbarten Metrostationen Filatow Lug und Olchowaja sind schon Baukräne zu sehen.

Jiří Hönes

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