Das Jahr der roten Linien
Der 24. Februar ist seit 2022 nicht mehr „ein Tag“, sondern für immer „der Tag“. Vor einem Jahr hat ein anderes Leben auch für die MDZ begonnen.
Der 24. Februar ist seit 2022 nicht mehr „ein Tag“, sondern für immer „der Tag“. Vor einem Jahr hat ein anderes Leben auch für die MDZ begonnen.
Der Wehrdienst gilt vielen in Russland als Lebensschule. Anderen graut es davor. MDZ-Chefredakteur Igor Beresin hat seine Armeezeit einst relativ unbeschadet überstanden. Doch dass Eltern in Sorge um ihre Söhne sind, wenn die eine Uniform anziehen, kann er gut verstehen.
Russlands „Sonderoperation“ hat Präsident Putin unter anderem mit dem „Genozid“ an den Menschen im Donbass begründet. Nach acht Jahren Krieg wolle man „Frieden“ schaffen. Was war das für eine Zeit, seit sich zwei „Volksrepubliken“ von der Ukraine abgespalten haben? Tatjana, die inzwischen in Moskau lebt, lässt das Geschehen bis heute nicht los.
Die Nachbarländer Armenien und Aserbaidschan streiten seit Jahrzehnten um Bergkarabach. Was zu Sowjetzeiten eine autonome Provinz auf aserbaidschanischem Gebiet war, brachten Anfang der 1990er Jahre armenische Streitkräfte unter ihre Kontrolle. Außerdem besetzten sie sieben umliegende Regionen. Die verlor Armenien im Ergebnis eines neuerlichen Krieges vor einem Jahr wieder. Nun liegt die Gemeinde Shurnuch in den Kaukasusbergen mitten auf der neuen Grenze.
Wollte man die deutsch-russischen Beziehungen personalisieren, dann wäre Nikolai von Seela (64) ein idealer Kandidat. Der heutige Chef von Liebherr in Russland hat nicht nur familiäre Wurzeln in beiden Ländern, er kam auch schon 1983 nach Moskau – und will inzwischen nicht mehr weg. Ein Intermezzo in Nizza hat den Deutschen darin nur noch bestärkt. Über Russland kann der Manager leidenschaftlich sprechen, wie dieses Gespräch mit der MDZ – eines seiner seltenen Interviews – beweist.
Als Armenien und Aserbaidschan das letzte Mal Krieg um Bergkarabach führten, fiel die kleine Region auf aserbaidschanischem Staatsgebiet Anfang der 1990er Jahre in die Hände der Armenier, die auch noch angrenzende Gebiete unter ihre Kontrolle brachten. Jetzt hat Aserbaidschan in einem zweiten Krieg den alten Status quo zu großen Teilen wiederhergestellt. Hunderttausende Flüchtlinge hoffen auf eine baldige Rückkehr.
„Tschetschenien, Ossetien, Donbass“ nannte sich eine Ausstellung, die im September fast eher versteckt als präsentiert wurde. Die Bilder von Maxim Fajustow zeigen Szenen aus Kriegen der Gegenwart. Ohne Anklage, aber auch frei von Heroisierung.
Russen, Deutsche und Finnen kämpften im Krieg auf verschiedenen Seiten. Oder wurden wegen ihrer Nationalität praktisch über Nacht zu inneren Feinden erklärt. Die Autorin und Journalistin Katharina Martin-Virolainen trägt alle drei schon im Namen, denn ihre Familiengeschichte ist russisch-deutsch-finnisch. In einem Essay für die MDZ schreibt sie über ihren letzten 9. Mai in Russland, wo sie aufgewachsen ist, und ihr heutiges Verhältnis zu diesem Tag in Deutschland.
Geschichtliche Geschehnisse wie der Zweite Weltkrieg scheinen im Alltag unheimlich fern. Doch kulturelles Erbe zeigt uns, wer wir sind und wo wir herkommen. Für heranwachsende Generationen ist das Wissen über die eigene Vergangenheit zukunftsweisend.
Hermann Krause wird täglich an den Krieg erinnert. Dessen furchtbare Folgen für Millionen Schicksale sind seine Arbeit. Der 67-jährige frühere WDR-Hörfunkreporter, der seit 1989 aus Russland berichtete, ist heute Büroleiter des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Moskau. Für die MDZ hat er seine Gedanken zum 9. Mai aufgeschrieben.