Fällt der Iran? Russen zum Krieg im Nahost

Nutzer sozialer Netzwerke scherzen darüber, dass Donald Trump, der vom Friedensnobelpreis träumte, nun alle der Reihe nach bombardieren werde, bis man ihm die Auszeichnung verleihe. Die ganze Welt ist angespannt, die Russen sowieso.

Iran
Blumen vor der iranischen diplomatischen vertretung in Moskau (Foto: Wassili Kusmitschonok/AGN Moskwa)

Noch vor Kurzem staunte die Welt über Bilder des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in Handschellen – und schon steht der Iran in Flammen, und der Rahbar Ali Chamenei ist tot. Jedes neue Ereignis dieser Art steigert die Nervosität derer, die das Geschehen verfolgen. Zumindest in Russland ist das so. Schon zuvor war die Lage angespannt, doch jetzt erst recht.

Empörung

Überhaupt weckt das Geschehen im Iran in der russischen Gesellschaft unterschiedliche Emotionen. Eine davon ist Empörung. Formulieren lässt sie sich mit einem Satz: „Man kann doch nicht einfach den legitimen Führer eines Landes liquidieren!“ An die Worte aus demBrief an die Römer glauben viele Russen: „Es gibt keine Gewalt, die nicht von Gott wäre.“

Angst

Eine andere Emotion ist die Angst. Wohin steuert diese Welt? Was wird nun geschehen? Alexander Dugin, den Medien als einen der Ideologen der aktuellen politischen Entwicklungen in Russland bezeichnen, hält das Geschehen für eine Bedrohung Russlands. „Für Russland hat die letzte Glocke geläutet“, schreibt er auf Telegram. „Wenn der Iran standhält, kann sich alles noch wenden. Wenn er fällt, sind wir als Nächstes dran.“

Verwunderung

Doch parallel dazu können die Russen ihre Verwunderung nicht verbergen. Der amerikanische Staatschef: „Kampfoperationen laufen derzeit mit voller Kraft und werden fortgesetzt, bis alle unsere Ziele erreicht sind.“ Der amerikanische Diplomat und ehemalige Russland-Botschafter Michael McFaul: „Sobald unser Präsident eine Entscheidung trifft, in den Krieg zu ziehen – selbst wenn ich mit der Entscheidung und dem Vorgehen nicht einverstanden bin, wie im Fall unseres aktuellen Krieges mit dem Iran –, wünsche ich dennoch, dass unsere Streitkräfte siegen. Bis heute habe ich jedoch keine Ahnung, was in diesem Krieg überhaupt als Sieg gilt.“ Der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth: „Wir haben diesen Krieg nicht begonnen, aber unter Präsident Trump werden wir ihn beenden.“ Erstaunlich, aber das ist beinahe Wort für Wort das, was Russen in russischen politischen Talkshows hören. Wer schreibt eigentlich die Reden für die amerikanischen Politiker?

Igor Beresin

Newsletter

    Wir bitten um Ihre E-Mail: