Kriegsromantik in Öl

„Tschetschenien, Ossetien, Donbass“ nannte sich eine Ausstellung, die im September fast eher versteckt als präsentiert wurde. Die Bilder von Maxim Fajustow zeigen Szenen aus Kriegen der Gegenwart. Ohne Anklage, aber auch frei von Heroisierung.

Bilder von Maxim Fajustow
Zeichenstunde zwischen Kriegsbildern (Foto: Jiří Hönes)

Der Besuch der Ausstellung in der Sergej-Andrijaka-Kunstschule gestaltet sich skurril. Der Raum sei abgeschlossen, heißt es zunächst. Man müsse den Hausmeister mit dem Schlüssel suchen. Warten. Nach einer Weile sagt die Dame vom Empfang, es ginge nun. „Doch seien Sie bitte leise, in dem Raum findet gerade Unterricht statt.“

Da sitzt dann ein knappes Dutzend Jugendlicher bei Zeichenübungen unter Bildern mit Titeln wie „Die Patrouille kehrt zurück“. „Tschetschenien, Ossetien, Donbass“ hieß die Ausstellung, die Ölgemälde von Maxim Fajustow zeigte. Der 1974 in der Nähe von Pensa geborene Künstler war selbst an Kriegsschauplätzen in Tschetschenien, 2017 reiste er für eine Woche zu Studien an die Front im Donbass. „Sie müssen alles mit eigenen Augen sehen und vor Ort arbeiten“, sagte er damals gegenüber der Donezker Nachrichtenagentur DAN.

„Donezker Frühling“

Er wolle den modernen Krieg und seine Folgen anschaulich darstellen, so der Künstler. Auf seinen Bildern sind allerdings keine Kämpfe zu sehen, keine Verletzten und Gefallenen. Der Schrecken des Kriegs tritt kaum offen zutage. Die abgebildeten Kämpfer werden jedoch ebensowenig glorifiziert.

Die realistisch gehaltenen Gemälde zeigen Panzer auf einer Berg­straße, Soldaten in nachdenklicher Pose, einen Checkpoint im Gebirge. „Donezker Frühling“ ist der zy­­nische Titel eines der Bilder. Eine von abgestorbenen Bäumen und blühenden Wiesenblumen gesäumte, menschenleere Straße, ein zerschossener Industriebau im Hintergrund, darüber ein wolkenverhangener Himmel, der ein wenig Abendrot durchblicken lässt. In kaum einem anderen der Bilder wirkt der Krieg so bedrückend.

Jiří Hönes

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