Selbstisolation: Moskau macht ernst

Eigentlich hatte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin keinen Anlass dazu gesehen, die Kontrollen zu verschärfen. Nun scheint doch einzutreten, worüber in den letzten Wochen spekuliert wurde.

Harte Zeiten für Moskauerinnen und Moskauer (Foto: Sofja Sandurskaja/AGN Moskau)

Anscheinend wollen die Moskauer Behörden nun doch härter durchgreifen. Bisher hielten sich die Auflagen der von Präsident Wladimir Putin verhängten Selbstisolation noch in Grenzen. Erst vor Kurzem hatte der Bürgermeister Sergej Sobjanin verlautbart, keine Notwendigkeit für eine Verschärfung der Maßnahmen zu sehen, solange man sich in der Bevölkerung an die Regeln halte.

In den letzten Tagen schien der langsam erwachende Frühling jedoch immer mehr Menschen auf die Straßen der Hauptstadt zu ziehen. Nun ist klar: Am kommendem Montag, den 13. April, soll ein neues Kontrollverfahren an den Start gehen. „Nächste Woche werden wir schrittweise ein Pass-System etablieren. In der ersten Phase werden wir es für den Weg zur Arbeit einführen. In der zweiten Stufe für Ausflüge und zu anderen Zwecken. Und in der dritten Phase – falls nötig – für den Aufenthalt im Distrikt“, erklärte Sobjanin am Freitag Abend.

Zu diesen genannten Einschränkungen werden sich noch weitere Maßnahmen mit dem Wochenbeginn hinzugesellen:

  • Die Carsharing-Dienste werden in Moskau ausgesetzt.
  • Jegliche Bauarbeiten werden unterbrochen. Eine Ausnahme bildet die Konstruktion medizinischer Einrichtungen.
  • Beinahe alle Organisationen in der Hauptstadt müssen ihre Tätigkeit ruhen lassen. Ausgenommen sind Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit, Bankenwesen, Kommunikation und Transport sowie Medien. Auch die Regierungs- und Strafverfolgungsbehörden werden ebenso weiterhin ihrer Arbeit nachgehen. Dasselbe gilt für die Rüstungs- und Verteidigungsindustrie.
  • Medizinische Dienste von nicht-systemrelevanten Organisationen werden ebenfalls kurzzeitig eingestellt.
  • Der Abschluss von Erwerbsverträgen wird, abgesehen von besonders dringlichen Fällen, vorübergehend unterbunden.

Lange hatte man in den russischen Medien darüber spekuliert, ob, wann und wie die Moskauer Regierung strengere Quarantäne- und Kontrollmaßnahmen einführen würde. Die Rede war unter anderem von QR-Codes gewesen, die das Verlassen der eigenen Wohnung legitimieren sollten. Darüber, in welchen Fällen ein Code im Einzelnen beantragt werden müsste und ob die technischen Voraussetzungen für solche Maßnahmen überhaupt gegeben sind, herrschte bis zuletzt Unklarheit.

Patrick Volknant

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