Hör mal, wer da pfeift

Sie sind groß, schwer und in der orthodoxen Kirche nicht anzutreffen: Orgeln. Der Klang von tausenden von Pfeifen kann in Moskau daher eher in Konzerthallen und nicht-orthodoxen Kathedralen vernommen werden. Für Liebhaber der Orgelmusik hat die MDZ die opulentesten Instrumente der Stadt herausgesucht.

Frisch eingeweiht: die neue Orgel in der Sarjadje-Halle

Sarjadje-Halle

Seit anderthalb Jahren hat sich die Sarjadje-Halle in Moskau einen Ruf als hochmoderner Veranstaltungsort gemacht, der – bis auf Popkonzerte – fast jedes Event ausrichten kann. Hier treten Stars der klassischen Musik, des Balletts und des Jazz auf. Außerdem hält man hier kulturelle und politische Vorträge. Am 29. Februar 2020 fand im Konzertsaal eine ganz außergewöhnliche Veranstaltung statt: die Einweihung einer neuen und ganz besonderen Konzertorgel. Das Musikinstrument wurde von der französischen Orgelbaufirma Mühleisen aus Straßburg speziell für die Sarjadje-Halle gefertigt. Dies geschah unter Berücksichtigung von Lautstärke, Akustik und architektonischen Merkmalen. So bilden die vorderen Pfeifen der Orgel eine Art wellenförmiges Muster. Ein solches findet sich ebenfalls als Gestaltungselement in der Architektur der Halle wieder. Mit ihren 41 Tonnen und einer Wandbreite von 22 Metern ist die Orgel ein echter Hingucker. Ihre 5872 Pfeifen, 85 Register und zwei Konsolen machen sie zum größten Instrument der russischen Hauptstadt.

(www.zaryadehall.com)

Swetlanowskij-Saal

Beim Swetlanowskij-Saal des Moskauer Internationalen Musikhauses handelt es sich um ein 10-stöckiges Gebäude mit einer Gesamtfläche von mehr als 40 000 Quadratmetern. Auch hier kann man eine weitere, nicht weniger beeindruckende, deutsche Orgel finden. Im Jahr 2004 eingeweiht und von der deutschen Firma Klais und Glatter-Götz erbaut, steht sie in direkter Konkurrenz mit der französischen Orgel in der Sarjadje-Halle. Ihre 84 Register und 6  000 Pfeifen können sich hören lassen.

(www.mmdm.ru)

Tschajkowskij-Saal

Auch eine der größten und besten ist die Orgel im Hauptsaal der Moskauer Staatsphilharmonie. Sie wurde 1940 von der tschechischen Firma Rieger-Kloss erbaut und trägt heute ihre 81 Register und 7800 Pfeifen stolz zur Schau. Interessanterweise sollte ursprünglich eine andere, aus dem Jahr 1893 stammende Orgel aus St. Petersburg, die Konzerthalle schmücken. Diese konnte allerdings aufgrund von Transportschwierigkeiten nicht nach Moskau gebracht werden. Infolgedessen ließ man die aus Tschechien stammende Orgel neu für die Staatsphilharmonie konstruieren.

(www.meloman.ru)

Kathedrale St. Peter und Paul

Orgeln in Russland können nicht nur in ihrer Größe und Masse beeindruckend sein, sondern auch durch ihre Geschichtsträchtigkeit bestechen. Denn die evangelisch-lutherische Kathedrale der Heiligen Peter und Paul in der Starosadskij Gasse spielt nicht nur im religiösen, sondern auch im musikalischen Leben Moskaus eine große Rolle. Im Februar 1837 ertönte dort erstmals eine Orgel. 1862 erfolgte nach dem Plan des Architekten A. Meinhardt eine Rekonstruktion der Kirche im neugotischen Stil. 1918 wurde die Kathedrale zum Staatseigentum erklärt. Erbaut hatte man das Prachtstück bereits 1898. Ihr Hersteller, Wilhelm Sauer, zählt zu einem der größten Orgelbauunternehmen in Deutschland. Das Instrument ist eine der wenigen romantischen Orgeln des 19. Jahrhunderts, die in Russland überlebt hat. Somit gilt sie als eine der ältesten deutschen Orgeln der Föderation. Hier finden neben Gottesdiensten auch Konzerte statt, bei denen das historische Kulturstück in Aktion bestaunt werden kann.

(www.lutherancathedral.ru)

Lisa Petzold

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