Deutsche Moderne in Russland: Das Museum Garage widmet sich dem Bauhaus

Bauhaus

Arbeiten Philipp Tolziners in der Bauhaus-Ausstellung 1931 /Foto: Bauhaus Archiv

Das Bauhaus bereitet sich auf sein großes Jubiläum vor. Im nächsten Jahr feiert die berühmte Schule für Architektur, Kunst und Design ihren 100. Geburtstag. Die Ideen, die in Weimar und später in Dessau entstanden, prägten das 20. Jahrhundert nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Mit dem Einfluss des Bauhauses in verschiedenen Ländern befasst sich das Projekt „Bauhaus imaginista“, das in Zusammenarbeit von der Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar und dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin entstanden ist.

Am 12. September eröffnete das Museum für Zeitgenössische Kunst Garage in Kooperation mit dem Goethe-Institut den Moskauer Teil der Ausstellung unter dem Titel „Moving Away: The Internationalist Architect“.

Die Ausstellung geht am Beispiel von Leben und Werk ehemaliger Bauhaus-Lehrer und Studenten in Moskau den komplexen Zusammenhängen zwischen dem Bauhaus und der Sowjetunion, insbesondere des hier existierenden Konstruktivismus, nach.

Der Einfluss auf die Sowjetunion war groß

Auf kaum ein Land hatte das Bauhaus so einen großen Einfluss wie auf die Sowjetunion. Bis zu 800 Deutsche waren zeitweise Mitglied der Vereinigung der Architekten der Sowjetunion und die Lingua franca des sowjetischen Städtebaus war Deutsch. Die Ausstellung „Moving Away: The Internationalist Architect“ ist eine Archivausstellung.

Anhand von Fotografien, Briefen, Collagen, Architekturzeichnungen und Stadtplänen aus privaten Nachlässen und staatlichen Archiven zeigen die Kuratoren und beteiligten Wissenschaftler die Geschichte von vier Deutschen, die ihren Weg in die Sowjetunion fanden, und wollen ergründen, wie das Land auf die Menschen gewirkt hat.

Zu den in der Ausstellung präsentierten Personen gehört der Mitbegründer des Bauhauses Hannes Meyer, der zu Beginn der 1930er in die Sowjetunion kam in der Hoffnung, in dem neuen Staat seine utopischen Ideen umsetzen zu können. Meyers Ideen spiegelten sich unter anderem im, nur teilweise umgesetzten, Generalbebauungsplan der Stadt Birobidschan wider. Neben Hannes Meyer werden der Architekt Philipp Tolziner, der Stadtplaner Konrad Püschel und die Architektin Lotte Stam-Beese, die als erste Frau am Bauhaus studierte, vorgestellt.

Bekannte Geschichten werden neu erzählt

Viele Geschichten erscheinen auf den ersten Blick bekannt, werden nun aber neu erzählt. Wie die von Konrad Püschel. Nach seiner Rückkehr aus der Sowjetunion in die DDR wurde der Stadtplaner mit dem Wiederaufbau der nordkoreanischen Stadt Hamhung beauftragt.

Die Ausstellung zeigt, dass es sich hier nicht um eine reine Entwicklungs- und Aufbauhilfe für ein sozialistisches Bruderland handelt. Hamhung diente vielmehr als Versuchslabor. Denn dort wurde die Industrialisierung des Bauens getestet, bevor der Plattenbau Einzug in die DDR hielt.

Im nächsten Jahr werden die weltweiten Ausstellungen zu einer großen Gesamtschau im Berliner Haus der Kulturen der Welt vereint, die wiederum in einer kleinen Reiseversion in die Welt geschickt wird.

Die Ausstellung „Moving Away: The Internationalist Architect“ ist noch bis zum 30. November im Museum für Zeitgenössische Kunst Garage, ul. Krymskij Wal 9, zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos. 

Daniel Säwert

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