Verrückt nach Werbung

Ein Hauch französischer Lebensart im rauen Moskau: Das Puschkin-Museum zeigt in einer Ausstellung kunstvoll gestaltete Werbeplakate aus dem Frankreich des  vergangenen Jahrhunderts.

Schöne Frauen sollten die Kunden sogar für Zahnpasta begeistern./Foto: Puschkin-Museum

Sie kleben auf riesigen Schildern an dicht befahrenen Straßen und lenken auch in der Metro die Blicke auf sich: Bunte Reklameplakate sind aus dem Alltag der Moskauer nicht mehr wegzudenken. Viele Menschen ärgern sich über den ständigen Aufruf zum Konsum. Nur die Wenigsten würden wohl vorsichtig die farbenfrohen Anzeigen abkratzen und für die eigene Sammlung mit nach Hause nehmen.

Kriminelle Sammler kaufen Hunderte Plakate

Vor 100 Jahren war das noch ganz anders. Im Paris der Jahrhundertwende waren die Bilder und Anschläge oft so kunstvoll und attraktiv gestaltet, dass sie den Plakatklebern während der Arbeit schon mal aus den Taschen gestohlen wurden. Zeitungen schrieben gar über kriminelle Sammler, die unter der Hand mehrere Hundert Aushänge aufkauften, bevor diese an die Wände und Litfaßsäulen der Stadt kommen konnten.

Auch in Russland ließen sich der Kulturwissenschaftler Pawel Ettinger und der Unternehmer Fjodor Fjodorow von der Sammelwut anstecken und ersteigerten viele der detailreich verzierten Plakate. Eine Auswahl ihrer schönsten Exponate ist nun in der Ausstellung „Afischemanija“ im Puschkin-Museum zu sehen.

Griechische Göttinnen überzeugen mit Zahnpasta

Die Entstehung der Reklame-Industrie ist eng mit der sogenannten Belle Époque an der Wende zum 20. Jahrhundert verknüpft, als sich in Frankreich stürmisch Technik und Industrie entwickelten. Von Anzeigen für praktische Haushaltsgeräte bis zur Ankündigung von Theaterstücken: Es gab fast kein Produkt, das damals nicht beworben wurde. Viele Werbesymbole, wie das noch heute bekannte Michelin-Männchen „Bibendum“ entstanden genau zu dieser Zeit.

Auch der gezielte Einsatz von weiblichen Formen in der Reklame wurde um die Jahrhundertwende bereits erprobt. Die Firmen setzten oft auf die besten und fähigsten Künstler, um mit ihren Plakaten die Kunden für elegante Weine, aromatische Zigaretten oder auch einfach die neueste Zahnpastasorte zu begeistern.

Die Muse aus dem Cabaret

In diesen Jahren erblühte auch das Talent des tschechischen Plakatkünstlers Alfons Mucha, einem der wichtigsten Vertreter des Jugendstils. In seinen Bildern und Anschlägen huldigte der Künstler der weiblichen Schönheit. Oft stellte er seine Modelle in der Pose griechischer Göttinnen dar, was dafür sorgte, dass die begeisterten Werbekunden bei ihm Schlange standen. Vor allem bei den Produzenten hochprozentiger Getränke und Spirituosen waren die anmutigen Damen als Werbeträger besonders beliebt.

Auch auf den Plakaten seines Kollegen Henri de Toulouse-Lautrec stand meist die holde Weiblichkeit im Zentrum. Allerdings hatte sich der Franzose keinen Göttinnen aus fernen Vorzeiten verschrieben. Stattdessen malte der Grafiker für seine Theaterankündigungen und Werbetafeln immer wieder die rothaarige Tänzerin Jane Avril. Die Muse des Künstlers trat damals im bekannten Cabaret Moulin Rouge auf.

Die Ausstellung im Puschkin-Museum kann noch bis zum 21. April besichtigt werden.

Ljubawa Winokurowa

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