Sprachlos in Moskau

Diplomaten tun sich mit der ost­slawischen Sprache schwer und in den Schulen gibt es immer weniger Russischunterricht: Nach Meinung der Linkspartei wird das Erlernen der russischen Sprache nicht ausreichend gefördert.

Immer weniger Menschen lernen die Sprache Puschkins und Dostojewskis. (Foto: yandex.ru)

Nur rund ein Drittel der in Russland tätigen deutschen Diplomaten beherrscht die Sprache ihres Gastlandes. Konkret verfügen genau 65 der 186 Auslandsvertreter über Russischkenntnisse. Etwas besser sieht es bei Moskaus slawischen Nachbarn aus. So sprechen an der deutschen Botschaft in Bela­rus 15 von 31 Vertretern des Auswärtigen Amtes Russisch. In der Ukraine sind es immerhin 34 von 54 akkreditierten Diplomaten. Diese Zahlen veröffentlichte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Die Partei hatte im vergangenen November einen Fragenkatalog aus 46 Punkten zur Situation der russischen Sprache in Deutschland eingereicht. Anlass für die von Europasprecher Andrej Hunko initiierte Aktion war die Diskussion um drohende Kürzungen beim Russisch-Lehrangebot am Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie der Universität Leipzig.

Zu wenig Unterstützung für Russisch-Unterricht

Dem Dokument zufolge schwächelt die Sprache Puschkins und Dostojewskis nicht nur unter Diplomaten. Russisch werde an deutschen Schulen zu wenig angeboten und von den Kultusministerien nur unzureichend unterstützt, zitiert die Linke Fachverbände in einer Vorbemerkung zu ihrer Anfrage. Im Schuljahr 2014/2015 hätten deutschlandweit rund 109 000 Schüler am Russischunterricht teilgenommen. Damit liege die Sprache hinter Englisch, Französisch, Latein und Spanisch an fünfter Stelle. Im Schuljahr 2002/2003 lernten in Deutschland noch mehr als 145 000 Schüler Russisch, schreibt die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“.

Zahl der Russischlernenden hat sich halbiert

Auch die Zahlen der Bundesregierung belegen ein schwaches Interesse an der Sprache. So waren im Wintersemester 2018/2019 nur 1061 Studierende im Fach Russisch eingeschrieben. Im selben Zeitraum strebten 269 Studenten einen Abschluss als Lehrer für Russisch an. Laut Statistik haben im Jahr 2018 insgesamt 43 Personen die Prüfung für das Lehramt bestanden. Die Zahlen entsprächen einem weltweiten Trend, urteilt der „Kommersant“. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion habe sich die Zahl der Russischlerner von 74 Millionen auf 38 Millionen Sprachschüler im Jahr 2018 halbiert.

Birger Schütz

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