Seit dem 31. Juli findet in der Moskauer Ausstellungshalle „Gostiny Dwor“, in unmittelbarer Nähe zum Roten Platz, im Rahmen des großangelegten Stadtforum-Festivals „Territorium der Zukunft. Moskau 2030“ eine einzigartige interaktive Ausstellung mit dem Titel „Endlose Entwicklung mit ewigen Werten“ statt. Insgesamt sind es Dutzende Veranstaltungsorte in ganz Moskau, die ihren Besuchern verschiedene Aktivitätsformate rund um Zukunftsideen, Innovationen und Technologien bieten. Im Mittelpunkt aller steht der Mensch.
Als Hauptausstellungsraum gilt „Gostiny Dwor“ – eine futuristische Stadt mit zahlreichen interaktiven Installationen und Spielen. Das Thema des Jahres 2025 ist der „Mensch der Zukunft“. Um in die Halle zu gelangen, muss man mindestens 30 Minuten anstehen. Und das sogar unter der Woche, während viele noch auf der Arbeit sind. Die Ausstellung ist nämlich besonders unter Familien mit Kindern, Jugendlichen und Hauptstadt-Besuchern sehr beliebt.
Abends, so die Gerüchte, erstreckt sich die Schlange sogar bis zum Roten Platz. Wenn man es aber durchsteht und die Ausstellungshalle betritt, wird einem klar: Die Wartezeit hat sich definitiv gelohnt.
Grundlegende Werte im Mittelpunkt
Nach dem Erklimmen der Treppe werden die Besucher von zwei riesigen Händen begrüßt, die die Türen zum Raum der Zukunft – also zur Ausstellung selbst – öffnen. Dem Betrachter tut sich eine Plattform mit vier schneeweißen Skulpturen auf, die jeweils etwas in den Händen halten: ein Herz, ein DNA-Molekül, ein offenes Buch oder eine ganze Stadt. Jede von ihnen symbolisiert eines der Themen, die das Festival im Jahr 2025 behandelt. Es geht um die endlose Entwicklung grundlegender Werte.
Dieses Jahr wurden in der Ausstellungshalle zwei Meisterklassenbereiche eingerichtet: nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Hier können Besucher etwa ihren eigenen digitalen Avatar erstellen, Souvenirs herstellen, mit Lasergravuren arbeiten oder Kleidung individuell gestalten. Zu den Schlüsselzonen der Ausstellung gehören der Liebesbereich, der Gesundheitsbereich, der Wissensbereich sowie der Technologiebereich.
„Halle der Liebe“
Es ist den Besuchern selbst überlassen, mit welcher Zone sie beginnen. Roboter, Skulpturen, Animationen, 3D-Druck-Modelle, Behandlungs- und OP-Räume, Neurostimulatoren, Zukunftsmodelle von Krankenhäusern und Schulen, so weit das Auge reicht. Wenn man die „Halle der Liebe“ betritt, fällt einem sofort ein Baum mit roten Herzen auf, neben dem Gäste Fotos machen. In der Nähe blühen künstliche Blumen. Hier wird zudem ein Zeichentrickfilm gezeigt, der erklärt, warum sich Menschen verlieben und welche Hormone und Gehirnregionen dabei beteiligt sind.
Zur „Halle der Liebe“ gehört unter anderem eine ungewöhnliche Zone: Hinter den schwarzen Vorhängen befindet sich ein „neuronaler Wald“: Riesige animierte Zellen des Nervensystems sind so groß geworden, dass sie eine ganze Halle füllen. Nach dem Durchqueren des Waldes betritt man die Zone der emotionalen Intelligenz. Hier kann man sie auch sofort testen: Es gibt einen interaktiven Test oder man kann Fotos von seinem Gesicht in verschiedenen Gefühlszuständen machen und sich selbst mit Freude und Wut von außen betrachten.
Mal in die Rolle eines Arztes schlüpfen
Im nächsten Bereich kann man die Modelle der größten Moskauer Krankenhäuser, Kollegs und Schulen im Detail betrachten. Wie Vertreter eines der Krankenhäuser berichteten, seien es Modelle der Zukunft – wie soziale Einrichtungen in einigen Jahren planmäßig aussehen müssten.
Der nächste Bereich, der lauteste und mit Kindern gefüllte, ist der Gesundheitsbereich. Hier schweifen die Augen über die Fülle an interaktiven Exponaten. Auf dem Boden liegt beispielsweise eine Puppe, an der Kinder eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. In der Nähe befindet sich ein Ultraschallgerät und weiter eine endoskopische Abteilung, in der man in den Magen des Patienten „schauen“ kann.
Alle Geräte hier sind exakt dieselben, die auch in der Ausbildung zukünftiger Ärzte verwendet werden. Außerdem ist jedes Exponat praktizierenden Ärzten eines bestimmten Fachgebiets zugeordnet – ich konnte zum Beispiel mit einem Gastroenterologen sprechen und ihm sogar ein paar Fragen zu Themen stellen, die mich beschäftigen.
So kann jeder Besucher selbst in die Rolle etwa eines Therapeuten, Ultraschallspezialisten und Rettungssanitäters schlüpfen. Es gibt sogar ein endoskopisches Gerät, mit dem sich ein Tumor in der Gebärmutter entfernen lässt. Darüber hinaus kann man lernen, Blut richtig abzunehmen oder etwa Injektionen zu geben – natürlich nicht einem echten Menschen, sondern einem Trainingsgerät in Form einer menschlichen Puppe.
Technologiebereich
Die nächste Zone, der Technologiebereich, ist mit Monitoren ausgestattet – an einem davon können die Gäste als Lokführer in einem Zugsimulator agieren. In der Mitte der Halle steht ein rotes Moskwitsch-Auto, und der Mitarbeiter erklärt die Funktionsweise elektrischer Maschinen. Das Auto steht bereits für ca. drei Millionen Rubel zum Verkauf (umgerechnet ca. 32.297 Euro).
Hier kann man zudem eine Feuerwehruniform anprobieren, was besonders bei Kindern Anklang findet. Von großem Interesse erweisen sich für die Besucher unterschiedliche Roboter oder ihre Teile: So gibt es in dieser Zone eine Hand, die schöne Bilder von alleine malt, oder etwa einen Roboter, mit dem man in der Geschwindigkeit wetteifern kann.
Die Mitarbeiter der Ausstellung zeigen hier unter anderem, wie Neuromediatoren funktionieren oder zum Beispiel 3D-Druckfiguren erstellt werden. Diese Technik wird laut dem jungen Mitarbeiter inzwischen aktiv in Moskau in verschiedenen Bereichen angewendet, auch im Wohnbau.
Besucherrekord in erster Woche
Wenn man der Reizüberflutung etwas entfliehen will, kann man sich in einer der kleinen Entspannungszonen der Halle zurücklehnen und sich erholen. Sollten aber Hunger oder Durst zuschlagen, gibt es für die Gäste ein geräumiges, gemütliches Literatur-Café, das einer Bibliothek ähnelt – mit deckenhohen Regalen voller Bücher und animierter Einblendungen von russischen Schriftstellern.
Die Ausstellung in „Gostiny Dwor“ ist zwar erst seit einer Woche eröffnet, die Besucherzahl überrascht allerdings schon: Über 100.000 Menschen besuchten laut den Veranstaltern das Forum-Festival. Man spricht bereits von einem Besucherrekord in der ersten Woche. Der Bereich „Gesundheit“ soll der am meisten besuchte sein. Mehr als 85.000 Menschen kamen im „Museum des Körpers“ vorbei und versuchten sich in der Rolle eines Arztes.
Die Ausstellung läuft bis 14. September.
Viktoria Nedaschkowskaja






