Parodie auf die Sowjetunion: Die Kunst von Ilja und Emilija Kabakow

Ilja und Emilija Kabakow sind aktuell die bekanntesten und teuersten russischen Künstler. Die Neue Tretjakow-Galerie zeigt ihre Ausstellung „Nicht alle werden in die Zukunft mitgenommen“, die zuvor bereits das Publikum in London und St. Petersburg begeisterte.

Kabakow

Die Installation „Nicht alle werden in die Zukunft mitgenommen“ /Foto: Tate/Andrew Dunkley

 

Ilja und Emilija Kabakow gehören zu den wenigen zeitgenössischen Künstlern, deren Arbeiten man auch ohne ausschweifende Erklärungen versteht. Der Betrachter nimmt die Werke so wahr, wie sie erdacht wurden. Das macht das magische Talent der Kabakows aus.

Das Ehepaar wohnt bereits seit Längerem in den USA und arbeitet seit 1989 gemeinsam. Die Werke der Kabakows sind auf der ganzen Welt verteilt. Für die Ausstellung „Nicht alle werden in die Zukunft mitgenommen“ konnte die Neue Tretjakow-Galerie gemeinsam mit der Tate Gallery of Modern Art in London und der Eremitage in St. Petersburg die bekanntesten Werke zusammenbringen.

Spiegelbild der sowjetischen Realität

In ihren Arbeiten setzen sich die Kabakows mit der sowjetischen Realität auseinander. Das Ehepaar hat einen ausgezeichneten Humor, viele ihrer Arbeiten sind eine Parodie auf den sowjetischen Lebensstil. Die Arbeiten der Kabakows ahmen sowjetische Plakate, Aushänge, dokumentarische Texte auf absurde Weise nach. So ist auf dem Bild „Am 25. Dezember 1979“ ein unfertiges Mehrfamilienhaus abgebildet, auf dem eine Schaufel und eine Liste mit Gebäuden angebracht sind, die zu diesem Datum übergeben werden sollen. Es lässt sich erahnen, dass das Gebäude zu diesem Zeitpunkt nicht fertiggestellt wurde. In der Ausstellung lassen sich mehrere Illustrationen solcher unerfüllten Versprechen finden.

Neben Bildern zeigt die Ausstellung auch Installationen. Ilja Kabakow hat das Genre der „totalen Installation“ erfunden, bei der das Werk den Betrachter in einen bestimmten Zustand versetzt. Vor seinem Umzug in den Westen dachte der Künstler darüber nach, wie er europäischen und amerikanischen Betrachtern erklären könne, was er mit seinen Arbeiten aussagen will. Denn das westliche Publikum kannte den sowjetischen Lebensstil nicht. So entstand die Idee, einen visuellen Kontext zu schaffen, damit der Betrachter die Arbeiten psychologisch nachempfinden kann.

Neues Genre der Installation

Zwei Installationen der Kabakows erlangten Berühmtheit: „Der Mensch, der aus seinem Zimmer in den Kosmos flog“ und „Nicht alle werden in die Zukunft mitgenommen“. Die erste könnte als Kulisse für einen futuristischen Film dienen. Der Betrachter sieht einen Raum, in dem ein einsamer Mensch lebte, der den Traum hatte, in den Kosmos zu fliegen. Und eines schönen Tages erfüllte er sich seinen Traum. Er baute sich ein Katapult und flog davon – davon zeugt das Loch in der Decke. Der Flug ist die Möglichkeit, dem Leben in der Gemeinschaftswohnung zu entfliehen.

Die zweite Installation besteht aus Gleisen, auf denen sich gerade ein Zug entfernt. Auf dem Zug leuchtet in roten Lettern „Nicht alle werden in die Zukunft mitgenommen“ auf und am Bahnsteig liegen Bilder herum. Es sind Bilder, die der Vergessenheit preisgegeben sind. Die Installation ist ein Versuch zu verstehen, was mit der modernen Kunst in Zukunft geschieht und an welchen Künstler man sich morgen noch erinnern wird. Ilja und Emilija Kabakow müssen sich keine Sorgen machen, vergessen zu werden. Sie wurden in die Zukunft mitgenommen.

Die Ausstellung „Nicht alle werden in die Zukunft mitgenommen“ ist noch bis zum 13. Januar 2019 in der Neuen Tretjakow-Galerie, uliza Krymskij Wal 10, zu sehen.

Ljubawa Winokurowa

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