Hymne an das Leben: Deinekas Werke in einer Ausstellung

Alexander Deineka ist ein herausragender Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung „Alexander Deineka. Hymne an das Leben“ in der Tretjakow-Galerie bietet die Möglichkeit, einen der Begründer des sozialistischen Realismus kennenzulernen.

In der Ausstellung „Alexander Deineka. Hymne an das Leben“ im neuen Flügel der Tretjakow-Galerie (Foto: Sergej Kisseljow/AGN Moskwa)

Jede Diskussion über das Schaffen von Alexander Deineka wäre unvollständig ohne die Bilder, die sich in der Staatlichen Kunstgalerie Kursk befinden, die über die größte Sammlung seiner Werke verfügt. Seit 1969 trägt die Galerie in Kursk den Namen „Alexander Deineka“. Das liegt daran, dass der Maler selbst den Grundstein für die Sammlung gelegt hat. Im Jahr 1935 schenkte er dem gerade gegründeten Museum zwei seiner Werke, „Fußballer“ (1932) und „Pionier“ (1934), später noch eine Reihe weiterer Bilder. In den 1960er und 1970er Jahren gelangten mehrere seiner bedeutenden Gemälde vom Kulturministerium in die Galerie. Zahlreiche grafische Blätter übergab seine Witwe Jelena Wolkowa-Deineka dem Museum.

In der Ausstellung „Alexander Deineka. Hymne an das Leben“ (Foto: Sergej Kisseljow/AGN Moskwa)

Die Ausstellung wurde von der Staatlichen Gemäldegalerie Kursk in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Tretjakow-Galerie vorbereitet. Darin werden über 200 Werke der Malerei, Grafik und Skulptur gezeigt. Offensichtlich haben die Kuratoren der Ausstellung den Fokus von dem „ehrgeizigen, brillanten, unversöhnlichen“ Darsteller des „Bewusstseins der Massen“, wie Zeitgenossen über Deineka schrieben, verschoben und stattdessen eher einen aufrichtigen, vom Leben begeisterten Künstler gezeigt.

Vom „radikalen Kubismus“ bis zur narrativen Bildform

Die Ausstellung folgt keiner strengen Chronologie, obwohl ihre Gesamtstruktur formal das Schaffen des Meisters in Jahrzehnte unterteilt. Dadurch können sich die Besucher einen Eindruck von der komplexen Entwicklung des Künstlers vom „radikalen Kubismus“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts über den Modernismus der 1920er und 1930er Jahre bis hin zur narrativen Bildform der 1950er und frühen 1960er Jahre verschaffen. Doch trotz des Wechsels der künstlerischen Techniken fällt es den Besuchern leichter, Deinekas Werke nach Themen zu betrachten: Luftfahrt, Sport, Architektur, Plakatkunst, Porträts, Kindheit, Kursk, Großer Vaterländischer Krieg, Auslandsreisen.

Die Ausstellung besteht aus elf Abschnitten. Darin sind Werke aus verschiedenen Jahren zusammengestellt. „Erinnerungen“ repräsentiert die frühen Erfahrungen des Meisters und umfasst Werke, die in Kursk und während seines Studiums an der WChUTEMAS (Höhere Künstlerisch-Technische Werkstätten) entstanden sind. „Linien eines neuen Lebens“ zeigt eine Periode, in der Deinekas Schaffen seinen unverwechselbaren Stil annimmt. Von besonderem Interesse sind die grafischen Blätter, die sich mit Design und Mode befassen – Skizzen von Innenräumen von Juweliergeschäften und Cafés sowie vom Künstler selbst bemalte Stühle. Diese Facette Deinekas dürfte der Öffentlichkeit am wenigsten bekannt sein.

Sport als Thema

Das dominierende Thema in den Werken des Künstlers ist jedoch „Sport“. Die starken und schönen Figuren seiner Gemälde spiegeln die Ideale des sozialistischen Realismus wider – hohe moralische Ansprüche, Wettkämpfe und  Siege, den Zeitgeist der 1930er Jahre mit seinem Fokus auf einen gesunden Lebensstil, der übrigens auch heute noch vorherrscht. Seine persönlichen sportlichen Erfahrungen halfen dem Künstler, geeignete Techniken zu finden, um die Dynamik und Plastizität der Sportler auf der Leinwand wiederzugeben. Der Maler stellte seine Helden mit monumentalem Pathos dar, orientierte sich an den antiken Idealen athletischer Schönheit.

Sport ist eines der Hauptthemen in den Deinekas Werken (Foto: Sergej Kisseljow/AGN Moskwa)

Deineka arbeitete mit vielen sowjetischen Zeitschriften zusammen, darunter beispielsweise den berühmten „Bezboschnik u Stanka“ (Der Gottlose an der Werkbank) und „Proschektor“ (Scheinwerfer). Er zeichnete bissige Karikaturen zu religiösen Themen und stellte den Arbeitsalltag von Fabrikarbeitern dar. Deineka reiste viel durch das Land und sammelte überall Material für seine Werke. Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist daher seinen witzigen Propagandaplakaten gewidmet. Diese Plakate sind in einem separaten, abgegrenzten Bereich in der Mitte der Ausstellung untergebracht, sodass man den Eindruck gewinnt, sie bilden ihren Kern.

Beim Betrachten der Ausstellung und beim Ziehen einer Parallele zur Gegenwart fragt sich der Betrachter unwillkürlich, ob es heutzutage einen ebenso talentierten Maler gibt, der in der Lage ist, Propaganda in Kunst zu verwandeln. Könnte heute jemand ein solches Vermächtnis hinterlassen, unter anderem beispielsweise bei der Gestaltung der modernen Moskauer U-Bahn-Stationen, wie es Alexander Deineka getan hat? Aber diese Frage ist eher rhetorisch. Derzeitige Propaganda kann  so ein hohes Niveau gar nicht erreichen.

Anna Braschnikowa

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