Discounter: Gewinner der Pandemie?

Discounter sind in Russland bisher eine Nische. Doch das Geld wird bei vielen Menschen immer knapper. Die Billiganbieter sehen darin ihre Chance.

Discounter
Viele Russen müssen mittlerweile genauer auf den Preis schauen. (Igor Iwanko/ AGN Moskwa)

Das Kilogramm Frikadellen für nur 80 Cent, zwei Kilogramm Nudeln für einen Euro. Die Preise, mit denen der Discounter Swetofor Kunden anlockt, sucht man in russischen Supermärkten vergeblich. Swetofor ist einer der wenigen Harddiscounter Russlands, die kaum Wert auf Markenartikel und ansprechende Präsentation der Produkte legen, dafür umso mehr auf niedrigste Preise. Diese seien so günstig, dass es manchmal erschreckend sei, in einen Swetofor-Laden zu gehen, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Iwan Fedjakow vom Marktforscher Infoline.

Das Verkaufskonzept, mit dem in Deutschland Ketten wie Aldi oder Lidl zu Giganten wurden, steckt in Russland bis heute in den Kinderschuhen. Russische Verbraucher würden Discounter als etwas Schlechtes mit niedriger Qualität und wenig Service ansehen, erklärte der Präsident der Handelskette Magnit Jan Dunning der Wirtschaftszeitung „RBK“.

Discounter sind eine Nische

Bisher sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Nach Angaben der Marktforscher von GfK betrug der Marktanteil von Harddiscountern im Jahr 2019 lediglich 1,3 Prozent. Landesweit gab es 950 Filialen verschiedener Anbieter. Allerdings verzeichnete das Niedrigpreissegment bereits damals eine Wachstumsrate von 44 Prozent.

Und die aktuelle Situation lässt Ketten wie Swetofor von einer weiteren Expansion träumen. Denn viele Russen haben während des Corona-Lockdowns einen Teil ihres Gehaltes oder sogar ihre Arbeit verloren. Jeder Fünfte soll an der Armutsgrenze leben. Viel Geld für die in Russland relativ teuren Lebensmittel bleibt da nicht.

Swetofor ist mit seinen Plänen nicht allein. Auch das Unternehmen Komandor hat angekündigt, mehr Filialen zu eröffnen. 20 sollen es bis zum Jahresende werden. Selbst die großen russischen Lebensmittelhändler zeigen zunehmend Interesse an eigenen Discountern. Marktführer X5 Retail Group, bekannt für die Ketten Perekrjostok und Pjatorotschka, bekundete vor Kurzem nach vierjähriger Marktbeobachtung starkes Interesse am Einstieg in das Segment. Nicht zuletzt auch, weil die Expansion mit den bisherigen Supermärkten ins Stocken gerät.

Unklar, wie lange der Trend andauert

Konkurrent Magnit ist bereits einen Schritt weiter und möchte noch in diesem Jahr die Kette Moja zena (Mein Preis) starten. Dabei profitiert Magnit von der Erfahrung, bereits jetzt zu den günstigsten Anbietern von Lebensmitteln in Russland zu gehören. Bislang scheint die Rechnung aufzugehen.

Die im Sommer eröffneten Pilotfilialen werden von den Kunden gut angenommen. Und das obwohl die Märkte nicht immer, wie in Russland üblich, fußläufig erreichbar sind. Ob Discounter in Zukunft ein ähnliches Gewicht wie in Deutschland bekommen werden, bleibt abzuwarten. Oleg Sipetyj, Gründer von Komandor, glaubt jedenfalls nicht daran. Seiner Überzeugung nach werde der Trend maximal zwei Jahre anhalten. Wohl kaum genug Zeit für die Discounter, um aus der Nische herauszukommen.

Daniel Säwert

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