Auf einen Tee in die Galerie

Überall stapeln sich Tassen, der Hutmacher stellt Alice absurde Fragen und das Murmeltier schläft immer wieder ein. Die Teeparty ist das wohl berühmteste Kapitel in „Alice im Wunderland“. Eine Ausstellung in Moskau nähert sich der Teeparty auf vielfältige Weise.

Alice

Shoeib Kashani und die chaotische Teerunde © Shoeib Kashani

„‚Ja, darum’, sagte der Hutmacher mit einem Seufzer, ‚Es ist immer Teestunde! Und wir haben keine Zeit, die Tassen dazwischen aufzuwaschen’“. Junge und alte Leser kennen sie, die berühmte Teeparty des verrückten Hutmachers, des Murmeltiers und des Faselhasen in Lewis Carolls Roman „Alice im Wunderland“. Auch Künstler fasziniert die Szene seit vielen Jahren. Zum 150. Geburtstag von „Alice im Wunderland“ im Jahr 2015 brachte die estnische Kuratorin Viive Noor Künstler aus verschiedenen Ländern zusammen. Mit ihnen gestaltete sie die Ausstellung „It’s always Tea-Time“. In ihren Bildern, Collagen und Figuren thematisieren sie das Teetrinken und erzählen die Geschichte von Alice phantasievoll weiter. Bis zum 16. Juni ist die Ausstellung in der Moskauer Galerie Na Kaschirke zu sehen. 

So stellt die italienische Illustratorin Alessia Bravo das Teetrinken als angenehmen Zeitvertreib dar. Auf einem Schachbrett sitzen Alice und der Hutmacher in großen Tassen und trinken genüsslich Tee, das Murmeltier schlummert in einer Teekanne. Aus dem Dampf einer anderen Kanne entspringen weiße Kaninchen und aus einer der Tassen wächst ein kleiner Baum an dessen Zweigen wiederum Teetassen hängen.

Zwischen Lust und Zwang

Bei Gundega Muzikante aus Lettland wird die Teeparty zum ewigen Zwang: In der Teetasse des Faselhasen befindet sich ein weiterer Hase, der wiederum eine Tasse mit einem Hasen darin in der Hand hält – es scheint sich endlos zu wiederholen. Chaos herrscht hingegen im Bild des iranischen Illustrators Shoeib Kashani, der als Figur selbst zum Teil der Teerunde wird.

Der Tee fliegt wie von selbst aus der Kanne in die Tasse und die Häuser im Hintergrund neigen sich zur Seite. Die Teeparty findet an einem surrealen Ort statt. Verwirrt schaut Alice in Richtung des Betrachters, während der Faselhase amüsiert auf seine Uhr blickt. Steht die Zeit im Wunderland still? Immerhin findet die Teeparty im Roman kein Ende, da die Uhr stets sechs – und somit Teestunde – anzeigt.

Und wer erinnert sich nicht an den Faselhasen, der stets in Eile ist, um nicht zu spät zu kommen? Die Grinsekatze flieht vor der Zeit und die böse Herzkönigin versinkt in einer riesigen Teetasse. Im Bild des Künstlers Mostafa Akbari sitzen die Figuren um eine Taschenuhr herum und nutzen sie als Tisch. In den Interpretationen der mehr als 80 Künstler werden Fans der Geschichte viele Szenen und Charaktere aus „Alice im Wunderland“ wiedererkennen.

Thoya Urbach

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