Schwebend über die Moskwa

720 Meter lang, insgesamt 35 Kabinen und ein traumhafter Blick über die russische Hauptstadt: In den Sperlingsbergen gibt es eine neue Seilbahn. Doch der Weg zur Eröffnung der Strecke war äußerst steinig und langwierig.

Was lange währt, wird gut: Die neue Seilbahn in den Moskauer Sperlingsbergen. /Foto: moscow.sm-news.ruwp

Eigentlich sollte sie pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft in Betrieb gehen, dann wurde die erste Fahrt in den September verschoben und schließlich konnte Bürgermeister Sergej Sobjanin erst in den letzten Novembertagen Vollzug melden: Die schleppenden Bauarbeiten an der neuen Seilbahn in den Sperlingsbergen hat die Geduld der Moskauer  2018 auf eine gehörige Geduldsprobe gestellt.

Cyberangriff auf Seilbahn

Auch nach der Eröffnung der rund 720 Meter langen Strecke ging die unendliche Geschichte noch einmal in eine weitere Runde. Nach gerade mal einem Tag standen die 35 Gondeln über der Moskwa schon wieder still. Schuld war eine Cyber-Attacke. Ein Hacker hatte den Hauptserver der Bahn geknackt, alle Daten verschlüsselt und forderte eine größere Summe Bitcoins für das Deblockieren des Systems. Ob das digitale Lösegeld tatsächlich geflossen ist oder der Internet-Kriminelle dingfest gemacht wurde, bleibt bis heute im Dunkeln. Fest steht nur, dass die Kabinen mit den getönten Scheiben nach einer gründlichen Überprüfung seit dem 7. Dezember regelmäßig ihre Runden über die Hänge drehen.

Drei Stationen für Wintersportler

Bereits 1953 wurde die erste Seilbahn in der Parkanlage eröffnet. Allerdings war die Strecke damals nur etwas über 300 Meter lang und diente dem Transport von Wintersportlern zur großen Skisprungschanze in den Sperlingsbergen. Nach Jahren intensiver Nutzung verfiel die Bahn jedoch zusehends. Im Jahr 2016 musste sie schließlich abgerissen werden.

Die neue Strecke verfügt insgesamt über drei Stationen. Die höchstgelegene Haltestelle „Kossygin-Straße“ befindet sich direkt auf dem Rücken der Sperlingsberge, wo auch eine bekannte Abfahrtstrecke durch den Höhenzug beginnt. Nächster Stopp ist dann direkt am Moskwa-Ufer. Von der Station „Neue Liga“ können Snowboarder und Skifahrer direkt in die Berge einfahren. Völlig neu ist die letzte Station „Luschniki“ am anderen Ufer der Moskwa, nur wenige Meter vom gleichnamigen Stadion entfernt.

Schneller als ein Auto

Insgesamt benötigt die Seilbahn für die Strecke fünf Minuten Fahrzeit. Mit dem Auto würde für die Distanz drei Mal so viel Zeit fällig, wird in der Moskauer Stadtverwaltung stolz vorgerechnet. Zudem könne die Bahn bis zu 1600 Passagiere pro Stunde befördern und solle über das ganze Jahr laufen – unabhängig von Stürmen, Regen oder Eis. Unterwegs müssen die Passagiere auf keinen Komfort verzichten: Die Kabinen sind mit Bildschirmen, LED-Lampen und Halterungen für Fahrräder und Snowboards ausgerüstet. Audioguides auf Deutsch, Russisch und Englisch erläutern die Sehenswürdigkeiten, die unterwegs bestaunt werden können.

Wer neugierig geworden ist und selbst mal über die Sperlingsberge schweben möchte, muss 200 Rubel für ein Ticket hinlegen. Kinder zahlen fünfzig Rubel weniger. Am Wochenende werden 50 Rubel auf die Preise aufgeschlagen. Geöffnet ist täglich von 12 bis 20 Uhr.

Birger Schütz

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