Moskauer Gespräche am 16.11.2021: Jugend, quo vadis?

Bei der letzten Auflage des Diskussionsforum wurde der richtige Umgang mit den Generationen Z und Alpha in Russland und Deutschland diskutiert.

junge Leute bei sonnigem Wetter in Moskau
Die Generation Z: Immer so unbeschwert wie hier? (Sergej Kiseljow/ Agentstwo „Moskwa“)

Das 21. Jahrhundert als eine Zeit der Veränderung zu beschreiben, wäre wohl untertrieben. Die voranschreitende Digitalisierung schafft nie dagewesene Möglichkeiten der Kommunikation. Arbeitswelten verändern sich durch sie permanent. Gleichzeitig sehen wir uns durch die Coronapandemie mit Herausforderungen globaler Tragweite konfrontiert. Diese Entwicklungen schlagen sich auch im Verhältnis zwischen den Generationen nieder. Generation Z (in etwa die Jahrgänge von 1997 bis 2010) und die auf sie folgende Generation Alpha sind von klein auf eine Realität gewöhnt, die für Ältere keine Normalität ist.

Wer ist die Jugend?

Wer ist also die heutige Jugend und wie ist ein sinnvolles Verständnis zwischen den Generationen möglich? Wie unterscheiden sich junge Menschen in Russland von ihren deutschen Altersgenossen? Diese Fragen stellte sich de Expertenrunde der letzten Auflage der Moskauer Gespräche mit dem Titel „Die Generation Z & Alpha in Russland und Deutschland“. Es diskutierten Dina Sokolowa, Leiterin des Russischen Koordinierungsbüros für die Jugendzusammenarbeit mit der BRD, Elena Zloteanu von der Hochland SE, Franziska Metzbaur von Jugend Gründet und der russische Journalist Stepan Kostetzky. Die Online-Veranstaltung moderierte Jan David Ott vom Deutsch-Russischen Forum.

Veränderung und unsicher Zukunft

Einen wichtigen Teil der Diskussion machte die Frage nach der Veränderung der Arbeitswelt aus. Elena Zloteanu teilte ihre Beobachtung, dass sich die Erwartungen junger Menschen in Deutschland und Russland enorm unterscheiden. Junge Russen seien vor allem daran interessiert, ihr eigener Chef zu sein und ihre persönlichen Vorstellungen unabhängig umzusetzen. In Deutschland beobachtet sie zwar gleichermaßen den Wunsch, eigene Ideen zu realisieren. Allerdings ist jungen Menschen dort auch das sichere Dach eines verlässlichen Arbeitgebers wichtig.

Was die Generation in Deutschland und Russland teilt, sind Sorgen um eine ungewisse Zukunft. Die will sie aktiv angehen. Das geschieht zum Beispiel in Form von sozialem Unternehmertum, das bei Jugend Gründet mittlerweile eine Hauptrolle spielt.

Streit zwischen Generationen?

Auch Coronapandemie und Digitalisierung haben viel verändert. Bereits jetzt fordern viele Bewerber die Arbeit im Homeoffice ein. Stepan Kostetzky erwartet, dass diese Entwicklung zunehmen wird. Durch die Pandemie sei Arbeit von zu Hause aus für jüngere mittlerweile Standard. Gleichzeitig nimmt die digitale Welt eine immer wichtigere Rolle in der Lebenswelt junger Menschen ein. Physische Anwesenheit wird zunehmend unwichtiger.

Angesprochen auf die Möglichkeit eines Generationenkonflikts wegen der Überalterung der Gesellschaft, zeigten sich die Teilnehmer optimistisch. Dina Sokolowa machte eine große Bereitschaft unter jungen Russen aus, für ihre Mitbürger Verantwortung zu übernehmen und sich zu kümmern. Wichtig ist vor allem, einander offen zu begegnen. „Viele Entwicklungen werden aktuell von der Jugend getrieben und ältere Leute müssen sich dem auch anpassen. Wir müssen lernen, dauerhaft zu lernen“, meinte Metzbaur. Gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, einander zuzuhören werden in Zukunft das Fundament für ein gesundes Verhältnis zwischen den Generationen bilden.

Thomas Fritz Maier

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