Moskau am 9. Mai 1945: Die glücklichste Stadt der Welt

Zeitgenössische Fotos vermitteln einen Eindruck davon, wie Moskau den ersten Tag des Friedens feierte.

Der Rote Platz am frühen Nachmittag des 9. Mai 1945: Was in diesen Menschen wohl vorging an so einem historischen Tag, nach fast vier Jahren Krieg? (Foto: pastvu.com/222016)

Wenn die Moskauer im Krieg nach oben blickten, dann oft mit Sorge. Bis zum Schluss blieb unvergessen, wie deutsche Fliegergeschwader zwischen 1941 und 1943 die Stadt ins Visier genommen hatten, das erste Mal nur einen Monat nach dem Überfall auf die Sowjetunion. Damals schien das Undenkbare denkbar zu sein: dass Moskau dem Feind in die Hände fallen würde, vielleicht sogar schon bald.

Wie man weiß, kam die Wehrmacht letztlich nur bis zu dem Vororten und musste nach erbitterten Kämpfen umkehren. Das Kräfteverhältnis hatte sich innerhalb weniger Wochen so geändert, dass der Krieg für Deutschland schon damals verloren war, wie zumindest viele Historiker glauben. Doch er ging noch dreieinhalb Jahre weiter. Und erst kurz vor der deutschen Kapitulation fühlte sich Moskau sicher genug, um die Verdunklung und die Tarnung aufzuheben. Am 30. April 1945 erging ein entsprechender Erlass.

Ein Mittwoch, der zum Feiertag erklärt wurde

Die Hauptstadt der Sowjet­union hatte damals 3,3 Millionen Einwohner. Am 9. Mai 1945 schienen sie alle gleichzeitig auf den Beinen zu sein. Dieser Tag, an dem Deutschland um 1.01 Uhr Moskauer Zeit die Kapitulationsurkunde unterzeichnete, ein Mittwoch, war zum Feier­tag erklärt worden. Und nun gab es kein Halten mehr. Moskau tanzte, Moskau zog durch die Straßen, Moskau freute sich des Lebens. Die Innenstadt war voller Musik. Bekannte Künstler traten auf größeren Plätzen auf, mit portablen Grammophonen sorgten die Leute auch selbst für Stimmung.

Ein Ehrensalut mit Feuerwerk um 22 Uhr beschloss die Feierlichkeiten. Jetzt, wo endlich Frieden war, schauten die Menschen nicht mehr bang, sondern begeistert in den Himmel über Moskau, der von 160 Projektions­scheinwerfern erhellt wurde.

Und die Deutschen? Rund zehn Monate vorher waren sie tatsächlich durch Moskau marschiert. 57.600 Soldaten und Offiziere liefen unter den Augen der Moskauer über den breiten Gartenring – als Kriegsgefangene, festgenommen beim Vormarsch der Roten Armee im Westen, auf dem Gebiet des heutigen Weißrusslands. Sie wurden nach Osten abtransportiert und erlebten den 9. Mai im Lager.

Tino Künzel

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