Fast Food à la Russie

Der Rückzug von McDonald’s war für viele Russen ein Schock. Zu sehr hatten sich die Menschen in den großen Städten des Landes daran gewöhnt, an fast jeder Ecke einen schnellen Burger für kleines Geld zu bekommen. Die neue Realität ist aber nicht wirklich ein Grund, traurig zu sein. Gibt es doch Alternativen mit russischer Speisekarte.

Fast Food
Kiewer Kotelett mal anders: gefüllt mit Cheddar und Jalapeño (Foto: Kotleta po-kijewski)

Kotleta po-kijewski

Vor gut einem halben Jahr machte unter den Moskauer Food-Freunden die Eröffnung eines neuen Lokals die Runde. Das Besondere an dem Laden: Auf der Karte gibt es nur ein Gericht – „Café mit Monoprodukt“ tauften es die Hauptstadtjournalisten. Was leicht sowjetisch klingt, verkauft auch einen sowjetischen Klassiker – das Kiewer Kotelett. Das allerdings in vielen Variationen und ziemlich lecker.

Die noch junge Geschichte des „Kotleta po-kijewski“ klingt ein wenig nach migrantischer Erfolgsgeschichte aus der Provinz. Vor vielen Jahren machte sich Mirona Tatosjan in Wolgograd Gedanken, wie man die Panade der mit Butter gefüllten Hähnchenfleischrolle verbessern kann. Und welche Füllungen den Klassiker abwechslungsreicher machen. Nachdem ihre Söhne bereits die Wolgastadt damit erobert hatten, kam Mironas Idee schließlich im vergangenen November über Umwege nach Moskau.
Die Karte ist, wie bei einem „Monoprodukt“ zu erwarten, recht übersichtlich. Das Kotelett gibt es mit sechs verschiedenen Füllungen.

Vom Klassiker mit Butter bis zu ausgefallenen Zutaten wie Cheddar mit Jalapeño oder Mozzarella mit Ananas. Jedes Kotelett kostet zwischen 250 und 300 Rubel. Wirklich groß sind die Koteletts nicht, dafür aber außerordentlich lecker, vielleicht sogar die besten in Moskau. Auch bei der Pilz-Käse-Variante wird mit Butter nicht gespart, sodass ein Kotelett schon ausreicht. Als Beilage gibt es verschiedene Pommes-Variationen, unter anderem auch aus Süßkartoffeln. Eine Einschränkung gibt es beim „Kotleta po-kijewski“ aber: So richtig Fast Food ist es nicht. Bis das Kotelett fertig ist, können schon mal 15 bis 20 Minuten vergehen. Die kann man aber mit einem Glas Mors oder einem frisch gezapften Bier (ab 200 Rubel) überbrücken.

Seit Februar empfangen die Kotelett-Meister ihre Gäste täglich zwischen 12 und 22 Uhr an der Sadowaja-Samotjotschnaja uliza 6/1 unweit der Metrostation Zwetnoj bulwar. Man sollte jedoch nicht zu spät kommen, denn es ist gut möglich, dass es gegen Abend keine Kiewer Koteletts mehr gibt.

Fast Food
Bei „Teremok“ geht es hauptsächlich um Pfannkuchen. Die gibt es jetzt auch als große Portion. (Foto: Teremok)

Teremok

Ein bisschen Monocafé ist das „Teremok“ auch. Schließlich geht es hier vor allem um Bliny, die russischen Pfannkuchen. Und das mit allen möglichen Füllungen. Szene-Beobachter glauben, dass „Teremok“ am meisten vom Wegfall McDonald’s profitieren könnte. Das wissen auch die Pfannkuchenbrater und distanzieren sich trotzdem. „‚Teremok‘ ist kein Fast-Food“ heißt es ganz groß auf der Homepage. Dennoch: Sehr lange muss man auf seine Bestellung nicht warten.

Wenn man sich denn erst mal entschieden hat. Denn die Auswahl bei „Teremok“ ist groß. Allein zwei Dutzend herzhafte Bliny-Variationen gibt es. Wie wäre es mit dem „E-Mail“ (Pilze in Sahnesoße mit Käse) oder dem „Ilja Muromez“ (Schweinebraten, Pilze, Käse, Grünzeug und Soße), benannt nach einer Märchenfigur? Natürlich gibt es auch Pfannkuchen mit Kaviar, der scheint aber in St. Petersburg beliebter zu sein, als in Moskau. Wer sehr großen Hunger hat, dem reicht ein Pfannkuchen meist nicht aus. Das sorgt zwar für ein wenig Abwechslung auf den Papptellern im „Teremok“, geht aber schnell ins Geld. Kostet doch ein Pfannkuchen gerne 250 Rubel und mehr.

Oder man greift einfach zu einer sättigenden Suppe oder zu Buchweizengrütze. „Teremok“ bietet so ziemlich alle Klassiker der russischen Küche an. Und auch das beliebte Business-Lunch steht auf der Karte. In der Osterzeit gibt es zudem ein spezielles Fasten-Menü. Und für alle, die so richtig reinhauen wollen, hat „Teremok“ gerade erst XL-Portionen seiner Bliny angekündigt. Die wiegen locker mal 600 Gramm. Die Riesenpfannkuchen kann man sich allerdings nur liefern lassen. Wer sich sonst durch die russische Küche essen will: Der nächste „Teremok“ ist meist nicht weit. Wo genau, kann man unter teremok.ru herausfinden.

Kroschka-kartoschka

„Wir sind russisches Fast Food“, schreibt „Kroschka-kartoschka“ offensiv auf seiner Homepage. Tatsächlich könnte die Kette einer der Gewinner der neuen Realität sein. Die Grundidee ist relativ einfach: Man nehme eine Kartoffel und haue alle möglichen Toppings drauf. Am besten gehen Würstchen in Senfsoße, Schinken-Käse und Krabbenfleisch. Mindestens 350 Rubel sollte man für eine Kartoffel einplanen. Dafür ist man in der Regel danach auch ziemlich satt. Wiegt doch alleine die Kartoffel 300 Gramm.

Lange Zeit haftete „Kroschka-kartoschka“ ein Schmuddel-Image an. Das lag weniger am Essen, als an den Restaurants. Denn die befinden sich oft an Bahnhöfen oder halbverlassenen Ecken und ziehen vor allem in der Nacht Partygänger wie Menschen auf der Suche nach einem warmen Platz an. Mittlerweile gibt es eigentlich in jedem Food-Court einen Ableger. Sie bieten neben Kartoffeln auch Salate, Suppen und Sandwiches. Runterspülen kann man all das mit einem Bier oder gesünder mit einem Glas Mors. Wo sich der nächste „Kroschka-kartoschka“ befindet und was dort gerade im Angebot ist, erfährt man auf kartoshka.com.

Daniel Säwert

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