Die Deutsche Schule Moskau stellt sich personell neu auf

An der Deutschen Schule Moskau sind deutsche Sommerferien. Sie dauern nicht drei Monate wie die russischen, sondern nur halb so lang. Wenn dann am 23. August das neue Schuljahr beginnt, wird so einiges anders sein. Das fängt schon beim Schulleiter an, der dann nicht mehr Uwe Beck heißt wie in den vergangenen sechs Jahren.

An der DSM herrscht diesen Sommer ein reges Kommen und Gehen. (Foto: Deutsche Schule Moskau)

Drei Fragen an meinen Vorgänger

Zwölf Mitarbeiter gehen, 18 kommen: An der Deutschen Schule Moskau wird in diesen Wochen kräftig durchrotiert. Zu denen, die sich verabschieden, gehört auch Schulleiter Uwe Beck. Nach sechs Jahren kehrt der Sachse nach Deutschland zurück, leitet künftig das Hans-Erlwein-Gymnasium in Dresden. Seinen Job an der DSM übernimmt zum neuen Schuljahr Peter Jigalin, zuletzt bei der Schulaufsicht der Bezirksregierung Düsseldorf tätig, Lehrer für Russisch und Geschichte. Aus diesem Anlass lässt die MDZ beide zu Wort kommen. Und weil auch wir Journalisten nicht alles selbst machen müssen, haben sie sich gegenseitig interviewt.

Peter Jigalin: Welches Erlebnis aus Ihrer Zeit als Schulleiter der DSM bleibt Ihnen in besonders schöner Erinnerung?

Uwe Beck: Da gibt es nicht nur eines. Ein absolutes Highlight war auf jeden Fall, dass wir zur Fußball-WM 2018 mit zwei Mannschaften an einem deutsch-russischen Turnier auf dem Roten Platz teilnehmen durften. So etwas ist einmalig, das gibt es nie wieder. Ich durfte mich da als Jugendtrainer betätigen, so wie früher in meiner Heimatstadt Freital. Wir haben nach vier Tagen Vorbereitung bei dem Turnier übrigens sehr gut abgeschnitten.

Auswärtsspiel auf dem Roten Platz: Zwei DSM-Schulteams kickten zur Fußball-WM auf historischem Boden. (Foto: Deutsche Schule Moskau)

Was natürlich ebenso im Gedächtnis bleibt, ist der Besuch Putins an der DSM 2016. Wir hatten ihn 75 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion eingeladen, unser Projekt „Erinnern, Gedenken, Versöhnen“ zur Schlacht von Rschew kennenzulernen. Niemand hat damit gerechnet, dass er tatsächlich kommt. Und dann war er da, sagte bei seiner Ansprache zur Begrüßung ein paar Worte auf Deutsch und erwies sich überhaupt als sehr aufmerksam. Das hat das Projekt noch einmal aufgewertet und auch unserer Schule einen anderen Stellenwert verliehen.

Gab es auch schwierige Momente?

Im Nachhinein betrachtet war das erste Jahr am schwierigsten. Es ist ein Riesenunterschied, ob man Schulleiter an der DSM oder an einer Schule in Deutschland ist. Der Entscheidungsspielraum in Moskau ist viel größer, man hat viel mehr Möglichkeiten, Akzente zu setzen und Dinge in relativ kurzer Zeit zu realisieren. Aber das ist auch eine große Herausforderung, für die man erst einmal die Leute auf seine Seite ziehen muss.

Zu nennen ist an der Stelle auch der 16. März 2020, an dem der Fern­unterricht aufgenommen wurde und von heute auf morgen nichts mehr war wie zuvor. Wir können stolz darauf sein, dass wir das zurückliegende Schuljahr überwiegend im Präsenzunterricht absolviert haben. Der Aufwand dafür war immens, doch der Erfolg hat uns Recht gegeben.

Was nehmen Sie aus Russland mit nach Deutschland, damit es Ihnen dort gute Dienste leistet?

Vor allem Erinnerungen an tolle Menschen. Die Arbeit an der DSM hat mir die Augen geöffnet, dass vieles auch anders geht, wenn man Mut zur Veränderung hat. Dieser Erfahrungsschatz ist wirklich ein Schatz.

Anfang des Jahres traf man sich bereits in Moskau: Uwe Beck, Peter Jigalin und Stephan Fittkau, der Vorstandsvorsitzende der Schule (von links nach rechts). (Foto: Deutsche Schule Moskau)

Drei Fragen an meinen Nachfolger

Uwe Beck: Warum Moskau als Ihr nächster Arbeitsplatz?

Peter Jigalin: Schon als Slawistik­student in Köln hatte ich den Wunsch, eine längere Zeit in Russland zu leben und zu arbeiten. Zunächst war ich dann im Schulbetrieb in Deutschland in verschiedenen Funktionen tätig, unter anderem als Lehrer, Ausbilder und Schulleiter. Der Gedanke, einmal in einer Schule in Russland zu arbeiten, blieb dabei immer erhalten. Nun ist der richtige Moment gekommen, um den Wunsch zu realisieren und die bisherige Berufserfahrung einzubringen.

Bei meinen bisherigen Reisen nach Moskau war ich jedes Mal fasziniert von den netten Menschen und der Stadt. Gern gehe ich ins Theater, daher bin ich von dem Angebot in Moskau natürlich begeistert.

Ich freue mich sehr auf die Chance, die Deutsche Schule in Moskau als Schulleiter mitgestalten zu können, und bin gespannt auf die neue Aufgabe.

Mit welchen Erwartungen treten Sie die Stelle an?

Ich habe die Erwartung, dass die Schülerinnen und Schüler an der DSM, die Lehrkräfte, Eltern und der Schulvorstand sich sehr für die Schule interessieren und über das gewöhnliche Maß hinaus engagiert sind. Diesen Eindruck habe ich schon in den ersten Gesprächen gewinnen können. Ich erwarte, dass wir neue Elemente in der Schule gemeinsam ausprobieren und bewerten, zum Beispiel ein verlängertes Angebot am Nachmittag. Ich erwarte viele Gespräche zu Beginn, um zu erfahren, was für alle Beteiligten wichtig ist. Mir ist zum Beispiel wichtig, dass die DSM ein Ort ist, an dem man sehr gut gemeinsam lernen kann. Ebenso wichtig ist es aber, dass die DSM eine Schule ist, an der man auch außerhalb des Unterrichts gern zusammen ist. Ungewöhnlich wird sein, dass häufig Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte neu ankommen oder sich verabschieden. Wichtig ist, dies gut zu begleiten.

Was nehmen Sie aus Deutschland mit nach Russland, damit es Ihnen dort gute Dienste leistet?

Offenheit, Neugier und die besonderen Abschiedstassen meiner bisherigen Kolleginnen und Kollegen sind auf jeden Fall mit im Gepäck.

Meilensteine aus sechs Schuljahren unter Uwe Beck

Im August 2015 trat Uwe Beck als Schulleiter der DSM an, um die Schule auch unter den Bedingungen einer schwindenden Zahl deutscher Expats in Moskau fit für die Zukunft zu machen. Zusammen mit Geschäftsführer Markus Mayer bildete er fortan eine „Doppelspitze“, wie die MDZ damals schrieb. Was war in den sechs Schuljahren, die seitdem vergangen sind, besonders denkwürdig?

2015–2016

Mehr Prominenz geht eigentlich nicht: Präsident Putin und der damalige deutsche Botschafter von Fritsch an der Deutschen Schule. Beim Fototermin herrschte sichtlich gute Laune. (Foto: Deutsche Schule Moskau)

Einen solchen Medienauflauf hat die Deutsche Schule Moskau noch nie erlebt. Verantwortlich dafür: Wladimir Putin. Einst gingen seine Töchter an der DSM zur Schule, nun folgt der Kremlchef Ende Juni 2016 völlig überraschend der Einladung zu einer Veranstaltung im Rahmen eines deutsch-russischen Erinnerungsprojekts. In der Aula spricht er zu den jungen Projektteilnehmern aus Moskau, Rschew und Bad Salzungen, hebt die Gemeinsamkeiten von Deutschland und Russland hervor, ruft zur Zusammenarbeit auf. Ein besonderer Moment.

2016–2017

Das Außengelände der Schule wird einer aufwendigen Rekonstruktion unterzogen. Auch die Schule selbst präsentiert sich anschließend mit frischer Farbe. Premiere haben im Februar der Winterball für Schüler der 9. bis 12. Klassen und im April das Festival der internationalen Poesie.

2017–2018

Das Schuljahr hat noch gar nicht begonnen, da gibt es schon gute Nachrichten für die naturwissenschaftlichen Fächer. In den Sommerferien werden sieben Unterrichts-, Vorbereitungs- und Seminarräume für Biologie, Chemie, Physik und Informatik von Grund auf modernisiert.

Nur wenige Wochen später steigt das Dr. Haass-Festival mit Straßenfest und Inklusionskonferenz. Es steht im Kontext der Einweihung der Dr. Haass-Straße, die an Friedrich Joseph Haass erinnert, einen deutschstämmigen Arzt im Moskau des 19. Jahrhunderts. Die Deutsche Schule trägt seinen Namen.

Höhepunkte am Ende des Schuljahrs gibt es reichlich: Zur Fußball-WM in Russland besucht eine DFB-Delegation die DSM. 100 Schul- und Kindergartenkinder sind zum einzigen öffentlichen Training der deutschen Nationalmannschaft eingeladen. Ex-Nationalspieler Philipp Lahm stellt sich einer Kinderpressekonferenz den Fragen.

2018–2019

Der Jugendclub_103 wird mit einer Reopening-Party wiedereröffnet. Der Ausbau des Schulkellers schafft mehr Platz für die Oberstufe.

Im Februar sind die Weltraumflieger Alexander Gerst, Serena Auñón-Chancellor und Sergej Prokopjew an der DSM zu Gast. Sie hatten zuvor 197 Tage im All verbracht und waren mit einer Sojus-Kapsel zur Erde zurückgekehrt.

Zum Ende des Schuljahres gewinnt die deutsche Mannschaft erstmals den World Flags Junior Cup in Chimki. An dem von der Deutschen Botschaft initiierten internationalen Fußballturnier für Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren nehmen diesmal 18 Mannschaften teil. Im Finale setzt sich das DSM-Team vor 3000 Zuschauern im Siebenmeterschießen gegen Malta durch.

2019–2020

30 Jahre Mauerfall werden an der Schule mit einer Themenwoche gewürdigt. Im Frühjahr muss wegen Corona auf Fernunterricht umgestellt werden.

2020–2021

Am 3. Oktober feiert die DSM ihr 30-jähriges Bestehen. Der traditionelle Weihnachtsbasar an der DSM kann im November erstmals nur online stattfinden.

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