Die anderen Partner

Vor 15 Jahren unterzeichneten der IVDK und die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland eine Rahmenvereinbarung. Es folgten viele weitere. Wie geht es ihnen heute?

Jugendliche aus Marx in Gewändern aus der Zeit Katharinas II. (Kulturautonomie der Russlanddeutschen des Kreises Marx)

„Wir schreiben uns jeden Tag mit unseren Freunden aus Offenburg. Im April hatten wir noch die Hoffnung, dass sie gemeinsam mit ihren Stadtoberen im August zur 100-Jahr-Feier der Republik Komi zu uns kommen. Das hat sich aber bereits zerschlagen. Die Situation mit dem Coronavirus ist nicht besser geworden. Im Gegenteil sogar schlechter“, erzählt die Vorsitzende der Kulturautonomie der Russlanddeutschen in Komi Jelena Kopp und muss dabei ihre Tränen zurückhalten. Im Jahr 2007 war ihre Organisation eine der ersten, die einen Partnerschaftsvertrag unterzeichnete. Seitdem waren Hunderte Deutsche aus Komi in der baden-württembergischen Kleinstadt zu Gast. Und Hunderte Spätaussiedler scheuten sich nicht, in den Nordural zu reisen.

Jedes Jahr traf man sich bei städtischen oder regionalen Festen, bei Fotoausstellungen, Freiwilligenprojekten und Schüleraustauschen. Und diese Partnerschaft wollte von Anfang an mehr. So fanden die Spätaussiedler aus Offenburg kurz nach der Vertragsunterschrift in ihrer Stadt einen Partner für eine Schule mit Schwerpunkt Deutsch aus Syktywkar. Auch auf offizieller Ebene kamen immer mehr Verbindungen zwischen den Städten zustande.

Grundlagen vor knapp 15 Jahren

Der Grundstein für die Partnerschaften zwischen russlanddeutschen Organisationen und regionalen und lokalen Landsmannschaftsgruppen wurde im Mai 2007 in Wiesbaden gelegt. Dort unterzeichneten Vertreter des Internationalen Verbands der deutschen Kultur (IVDK) und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland eine Vereinbarung zur Partnerschaft. Später schlossen sich landesweite Jugendorganisationen der Russlanddeutschen aus Russland und Deutschland an. Die Wichtigkeit einer solchen Zusammenarbeit zwischen den Ländern wurde sogar 2009 im Koalitionsvertrag erwähnt. Die Partnerschaftsprogramme erhielten Unterstützung aus Bundesmitteln. Der IVDK-Vorsitzende Heinrich Martens nannte die Vereinbarung aus Wiesbaden einen Schlüsselmoment in der 30-jährigen Geschichte des Verbands.

In der ersten Zeit stieg die Zahl der Partnerschaften jedes Jahr an. Doch einige schliefen bald wieder ein, oft weil es an Geld und Ideen mangelte. Schließlich tragen die Teilnehmer einen Teil der Kosten selbst. Und „Freunde zu sein“, nur um den Partner zu besuchen, wird auch irgendwann langweilig. Heute sind vor allem Programme gefragt, die das besondere Extra haben.

Katharina II. immer noch das verbindende Element

„Wir haben ein deutschsprachiges Stück mit dem Namen ‚Die Große! Mit Liebe, Katharina‘ über die jungen Jahre der Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, die zukünftige Katharina II., vorbereitet. Eigentlich wollten wir schon im vergangenen Jahr zu unseren Partnern von der Vereinigung der Russlanddeutschen in Sachsen-Anhalt nach Halle fahren“, erzählt die Leitern der Kulturautonomie der Russlanddeutschen des Kreises Marx im Gebiet Saratow Jelena Geidt. „Dort wären noch 15 bis 20 junge Schauspieler aus den Reihen der Spätaussiedler dazugekommen. Gemeinsam hätten wir dann das Stück aufgeführt. Der Traum ist es, dass Stück im Rathaus von Zerbst aufzuführen, wo das Heimatschloss Katharinas steht. Wir haben große Pläne und unsere Beziehungen entwickeln sich prächtig. Wenn nur die Pandemie nicht wäre.“

Marx und Halle sind quasi frischgebackene Partner. Seit der Vertragsunterzeichnung 2017 hat man es aber nur zwei Mal geschafft, sich zu treffen. Und beide Male ging es um das 100. Jubiläum der deutschen Wolgaautonomie. Die gemeinsame Geschichte vereint die Russlanddeutschen aus beiden Ländern. Eigentlich wollte man im August gemeinsam dem 80. Jahrestag der Deportation der Russlanddeutschen gedenken, hat aber Abstand davon genommen. Für das Stück über Katharina wird die Zeit noch kommen. „Wir machen die Kostüme fertig und arbeiten noch am Ton“, sagt Geidt. „Das Wichtigste ist aber, dass die Grenzen wieder geöffnet werden.“

Olga Silantjewa

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