Deutsch in Russland wieder im Kommen

Deutsche Sprache, beliebte Sprache: In Russland ist die Zahl der Deutschlernenden im Vergleich zu 2015 um 16 Prozent auf fast 1,8 Millionen gewachsen. Das geht aus einer Datenerhebung unter Federführung des Auswärtigen Amts hervor.

An russischen Schulen erlebt Deutsch eine Renaissance. (Foto: ZfA/Deutsche Schule St. Petersburg)

Allein schon die Artikel. Und der Satzbau. Die Groß- und Kleinschreibung nicht zu vergessen. Deutsch ist eine ziemlich harte Nuss, die zu knacken nach Mark Twain einige Ausdauer erfordert. 1880 schrieb der amerikanische Schriftsteller halb im Scherz, halb im Ernst, Englisch könne in 30 Stunden und Französisch in 30 Tagen erlernt werden, für „Die schreckliche deutsche Sprache“ – so der Titel des Essays – seien 30 Jahre nötig. Trotzdem nehmen heute 15,4 Millionen Menschen auf der Welt Unterricht in Deutsch als Fremdsprache, davon allein knapp 1,8 Millionen in Russland – also fast jeder Neunte – in Russland. Hier genießt die deutsche Sprache trotz der Entfernung zu Deutschland einen hohen Stellenwert. Im internationalen Vergleich ist die Gesamtzahl der Deutschlernenden nur in Polen höher (1,95 Millionen), dort jedoch rückläufig. Dem polnischen Minus von 15 Prozent seit 2015 steht ein russisches Plus von 16 Prozent gegenüber. Es könnte also nur eine Frage der Zeit sein, bis Russland die Weltspitze übernimmt.

Die Zahlen stammen aus einer aktuellen Datenerhebung des „Netzwerks Deutsch“, koordiniert vom Goethe-Institut und vorgelegt vom Auswärtigen Amt. Demnach entfällt der Löwenanteil der Deutschlernenden in Russland auf Schule und Studium (96 Prozent). Während an den Hochschulen in den letzten fünf Jahren ein moderater Rückgang von etwa zehn Prozent auf 360.000 zu verzeichnen ist, legten die Schülerzahlen im Deutsch­unterricht fast 22 Prozent auf beinahe 1,4 Millionen zu. Die Autoren der Studie führen das auf den neuen Bildungsstandard von 2015 zurück, mit dem eine zweite Fremdsprache als Pflichtfach eingeführt wurde. Im vorhergehenden Fünf-Jahres-Zeitraum hatte Deutsch in Russland deutlich an Attraktivität verloren, erlebte seitdem jedoch als zweite Fremdsprache einen neuerlichen Aufschwung. Derzeit wird es an 40 Prozent aller Schulen unterrichtet. Eine diskutierte Revidierung des Bildungsstandards könnte die Entwicklung allerdings konterkarieren.

Dass die alles andere als einfache deutsche Sprache in Russland auf so großes Interesse stößt, dazu leisten auch die Russlanddeutschen einen wichtigen Beitrag, etwa mit dem Wettbewerb „Freunde der deutschen Sprache“ oder der Aktion „Tolles Diktat“, beide ausgerichtet vom Internationalen Verband der deutschen Kultur (IVDK). Deutsch lernen – das geht im Übrigen auch mit der MDZ, die in jeder Ausgabe mit einer Deutsch-Sprachseite erscheint. Zu finden ist sie jeweils am Ende des russischsprachigen Mittelteils. 

Tino Künzel                                                   

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