Immer ein offenes Ohr

Mit welchen Problemen haben deutsche Unternehmen in Russland während der Coronakrise zu kämpfen? Wie kann die Deutsche Botschaft dabei helfen und vermitteln? Eine Diskussionsveranstaltung brachte beide Seiten zusammen.

Botschafter Géza Andreas von Geyr
Géza Andreas von Geyr (Foto: Auswärtiges Amt)

In schwierigen Zeiten sind verlässliche Partner ein Pfand. Daher lud die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) ihre Mitgliedsunternehmen zu einem Dialog mit dem deutschen Botschafter in Russland, Géza Andreas von Geyr, ein. Bedingt durch die Umstände fand die Diskussionsrunde nicht wie gewohnt im Festsaal der Deutschen Botschaft, sondern im virtuellen Raum statt, wie es mittlerweile überall zur Routine geworden ist.

Wenngleich Politik und Wirtschaft nicht unbedingt die gleichen Ansichten darüber haben, wie eng die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland derzeit geknüpft werden können, so hat der Botschafter stets ein Ohr für die Belange der Wirtschaft vor Ort.

Flexibilität von russischen Behörden erhofft

Und da wurden mehrere Problemfelder sichtbar, die durch die Covid-19-Pandemie entstanden sind. Führungspersonal deutscher Unternehmen saß in Deutschland fest und konnte nicht nach Russland zurückkehren, Lieferketten waren in Gefahr. Zudem galt es, deutschen Unternehmen dabei zu helfen, an den Unterstützungsmaßnahmen der russischen Regierung teilhaben zu können. Auf allen Feldern konnten im Zusammenspiel mit der AHK Erfolge erzielt werden. Medienwirksamstes Ereignis war der Lufthansa-Flug für deutsche Führungskräfte, der maßgeblich durch den Einsatz der Deutschen Botschaft ermöglicht wurde. Géza Andreas von Geyr gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass russische Behörden in der Krisensituation auch zukünftig ein hohes Maß an Flexibilität an den Tag legen werden.

Der Botschafter sprach eine weitere Tendenz im Rahmen der Pandemie an, die möglicherweise für in Russland operierende Unternehmen von Vorteil sein könne: Für das Management der Krise sind vor allem die Regionen verantwortlich. Es sei interessant zu beobachten, ob sich das verstetige, das heißt die Gouverneure vielleicht dauerhaft mehr Entscheidungsspielraum erhielten.

Umwelt und Gesundheit als Kooperationsfelder

Für den Ausbau der bilateralen Beziehungen sieht Botschafter von Geyr trotz der verhärteten politischen Bedingungen noch Spielraum: „Für die Zukunft könnten, gerade angesichts der aktuellen großen Zukunftsfragen Themen eines „Green Deal“, das heißt einer stärkeren Zusammenarbeit bei Klima- und Energiefragen, sowie ein „White Deal“ grenzüberschreitender Gesundheitskooperation eine wichtige Rolle spielen. Diese Themen sind auch zentrale Bereiche der Agenda im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, die in wenigen Tagen beginnt.“

Seitens der Wirtschaft drehten sich erwartungsgemäß viele Fragen um die Reisemöglichkeiten. So wie Manager in Deutschland festsitzen, warten auch russische Fachkräfte darauf, wieder ungehindert nach Deutschland einreisen zu können, zum Beispiel um in den deutschen Niederlassungen der Unternehmen weitere Expertise zu gewinnen. Noch ist unklar, wann das möglich sein wird. Und AHK-Chef Matthias Schepp wünschte sich und den im Verband vertretenen Unternehmen von der Bundesregierung eine Politik, die die Wirtschaft als Brücke sieht, um politische Lösungen zu finden.

Jiří Hönes

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