„Das ist keine Sache für Frauen“

Sie haben Tausende Zuschauer, bekommen Werbeverträge und haben aus dem Fischen einen Lifestyle gemacht: In Russland tragen immer mehr Angel-YouTuber ihr Hobby in die Öffentlichkeit. Die MDZ hat mit Szene-Star Dmitri Salapin gesprochen.


YouTuber Dmitri Salapin betreibt einen Kanal rund ums Angeln. (Foto:
facebook.com/dmitry.salapin)

Sie betreiben seit fast zehn Jahren den Kanal „Rybalka – Obras Schisni“ und gehören zu den dienstältesten Angel-YouTubern Russlands. Wie kamen Sie zu den Clips?

Ja, im mittlerweile sehr fernen Jahr 2011 habe ich zum ersten Mal ein Video am Gewässer aufgenommen. Damals hat mir das Schreiben von Angelartikeln und deren Veröffentlichung im Internet einfach nicht mehr genügt. Ich wollte meine Tipps und Informationen auch in Form von Videos vermitteln. Mir ist dann ziemlich schnell klar geworden, dass ich dafür eine andere Plattform als meine alte Webseite brauchen würde. Und so bin ich auf YouTube gekommen. Dass daraus mal ein ganzer Kanal werden würde, den ich auch immer weiter entwickele, habe ich damals noch überhaupt nicht geahnt.

Um welche Themen geht es in Ihren Videos? Was wollen Sie Ihren Zuschauern zeigen?

In dem überwiegenden Anteil geht es um Kniffs und Tricks. Wie fange ich bestimmte Fische? Welche Nuancen gibt es bei der Verwendung unterschiedlicher Techniken und Montagen zu beachten? Das sind im Prinzip Lehrvideos. Darin behandele ich die Details, von denen oft der Erfolg am Gewässer abhängt. Zusätzlich zeige ich aber auch Filme von meinen jüngsten Angeltouren. Und manchmal verrate ich auch Küchentricks zur richtigen und leckeren Zubereitung der Beute. Schließlich fangen wir die Fische nicht nur, sondern essen sie auch.

Wer schaut Ihren Kanal?

Gute Frage! (Lacht) Das ist schwer zu sagen. Aber der Statistik nach sind es wohl vor allem Männer im mittleren Alter, so ungefähr zwischen 25 und 60 Jahren. Und das ist auch ein bisschen mein Pro­blem. Denn der überwiegende Teil des Publikums von YouTube ist jugendlich – und wird von Jahr zu Jahr immer jünger. Aus deren Sicht gehöre ich schon zum alten Eisen. Ihr Interesse kann ich mit meinem Kanal nicht wecken.

In der deutschen Angelszene gibt es auch einige erfolgreiche Frauen, wie beispielsweise Barbara Kijewski, deren YouTube-Kanal Zehntausende Abonnenten hat. Gibt es das in Russland auch?

Oh je! (Lacht) Da gibt es nur sehr wenige, aber es gibt sie. Ich kenne zum Beispiel auf Facebook mehrere Frauen, die regelmäßig angeln gehen, an Wettkämpfen teilnehmen und sogar als Kampfrichter fungieren. Aber das sind sehr wenige. Das ist ja auch keine richtige Sache für Frauen. Auch auf YouTube gibt es einige Frauen, die aber nicht sehr erfolgreich sind. Ein Beispiel: Ich kenne einen Angelkanal, dessen Betreiber bekannter werden wollten. Die hatten dann ein spärlich bekleidetes Mädchen, das im Bikini durch die Videos führte und dabei zum Beispiel erklärte, wie man richtige Angelknoten macht. Ich hatte eigentlich erwartet, dass deren Kanal explodieren würde und Millionen und Milliarden sich die Clips anschauen würden. Doch das ist nicht passiert! Ich weiß ja auch nicht, was das für Zuschauer sind (lacht) und was die noch wollen. Das männliche Publikum ist da ein bisschen schwierig. Ich kenne auch einige Videobloggerinnen, die in ihren Clips leicht bekleidet angeln gehen. Aber ihrer Reichweite hilft das trotzdem nicht. Das sind halt die Besonderheiten unserer Zuschauer.

In Deutschland streiten Angler und Tierschützer leidenschaftlich über das Catch and Release, also darüber, ob man Fische nach dem Fang wieder zurücksetzen darf. Welche Rolle spielt diese Diskussion in Russland?

Ich kenne diese Diskussion durch Angler, die nach Deutschland ausgewandert sind und sich darüber in Foren austauschen. Bei uns ruft dieses Thema aber nicht so viel Emotionen hervor und wird weniger leidenschaftlich diskutiert. Leider ist die Mentalität noch so, dass anstelle von Fangen und Freilassen meist Fangen und Aufessen steht. In einem meiner populärsten Videos sieht man, wie ich einen 30 Kilo schweren Amurkarpfen nach dem Fang zurücksetze. Bis heute fragen mich täglich User, warum ich den Koloss nicht aufgegessen, gebraten oder mit den Nachbarn geteilt habe. Die Leute haben oft noch nicht verstanden, dass man mit Fischen dieser Größe nicht so umgehen sollte. Denn so ein 30-Kilo-Brocken sorgt für Unmengen an Nachwuchs – viel mehr als so eine 2-Kilo-Portions­größe. Ich und andere YouTuber praktizieren das Zurücksetzen, um der Konsumkultur der meisten Angler entgegenzuwirken. Der Erfolg ist bisher aber gering.

In Westeuropa haben bekannte YouTuber oft lukrative Werbeverträge und können von ihren Clips leben. Und in Russland?

So etwas gibt es in Russland auch, aber das sind absolute Ausnahmen. Ich gehöre da zum Beispiel nicht dazu. Ich produziere mittlerweile Mittel zum Anfüttern sowie Angelzubehör und nutze den Kanal auch, um meine Produkte zu bewerben. Zuvor hatte ich durch das Angeln aber keine Einnahmen.

Die Fragen stellte Birger Schütz.

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