Batman gegen Breschnew

Was, wenn Batman ein Sowjetbürger wäre? Ein skurriles Stück im Theater an der Malaja Bronnaja versetzt den beliebten Superhelden kurzerhand ins spätsowjetische Moskau.

Eine Szene aus "Batman gegen Breschnew" im Theater an der Malaja Bronnaja
Der sowjetische Batman Dudotschkin und ein Staatsdiener (Kirill Sykow/ AGN Moskwa)

Anatolij Dudotschkin geht scheinbar friedlich seiner Arbeit als regimetreuer Journalist im Moskau der frühen 1980er Jahre nach. Zu Hause liegt ihm seine Frau mit ihrem Wunsch, nach Frankreich zu verreisen, in den Ohren. Gleichzeitig muss er sich mit der Erziehung seiner Tochter beschäftigen und seine schrullige Schwiegermutter ertragen. Am Wochenende schreibt er an einem großen Roman über seine Epoche, der aber unter den politischen Verhältnissen keine Chance auf Publikation hat.

Ein Dissident als Batman-Kopie

Der ganz normale Alltag eines ganz normalen verhinderten Dissidenten scheinbar. Doch Dudotschkin führt ein Doppelleben. Der unscheinbare Familienvater verschlingt heimlich importierte Batman-Hefte und schlüpft nachts selbst in ein Kostüm seines Lieblings-Superhelden, das er gemeinsam mit seinem permanent betrunkenen Schwager in der Garage gebastelt hat. Als sowjetischer Batman durchstreift er die Stadt und bewahrt die einfachen Bürger des Landes vor der ihnen wenig wohlgesonnenen Obrigkeit.

Der Comic-Held Batman wurde schon in verschiedensten Adaptionen für Film, Fernsehen oder auch Videospiele in den Kampf gegen das Verbrechen geschickt. Doch „Batman gegen Breschnew“ von Regisseurin und Dramaturgin Sascha Denisowa dürfte zu den skurrilsten zählen. Mit viel Klamauk inszeniert sie den Autoren Dudotschkin als unwahrscheinlichen Superhelden, der es bald mit dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei aufnehmen muss.

Vereint im Feindbild Breschnew

Denn nicht einmal Leonid Iljitsch Breschnew kommt darum herum, sich mit dem Schreiberling im Fledermauskostüm herumzuschlagen. Dabei hat er darauf eigentlich so gar keine Lust. Breschnew wird im Stück als absolute Witzfigur dargestellt. Über die Bühne watschelt da ein lächerlich unbeholfener älterer Herr, der sich für Politik kein Stück interessiert. Eigentlich möchte er doch nichts anderes, als von seinem Politbüro in Ruhe gelassen zu werden und auf Entenjagd zu gehen.

Und so hadern Batman und das Politbüro gleichermaßen mit dem Staatschef. Ersterer wünscht sich mehr gesellschaftliche Freiheiten, möchte endlich seinen Roman veröffentlichen können. Letztere hingegen ärgern sich über Breschnews Unwillen, strengere Einschränkungen zu erheben und wollen einmal sogar das Militärrecht verhängen. „Ich bin nicht Stalin“, bekommen sie da nur zu hören. Schließlich kommt es zu einer unwahrscheinlichen Allianz. Batman wird von Regierungsmitgliedern kontaktiert und bekommt den Auftrag, Breschnew zu beseitigen.

Goldene Zeit der Stagnation?

Denisowas ungewöhnliche Adaption greift Motive auf, die bis heute die russische Erinnerung an die Breschnew-Ära bestimmen, allen voran die Stagnation während dessen Regierungszeit. Bis heute nimmt das Thema meist die zentrale Rolle in der Bewertung der Jahre 1964 bis 1982 ein. Denn unter Breschnew gelang es zwar, das wirtschaftliche Leben in der Sowjetunion einigermaßen zu stabilisieren. Lebensmittelknappheiten, die man aus früheren Jahren kannte, gab es kaum.

Doch gleichermaßen fehlten Reformen, die das Land weiter hätten vorantreiben können. Entsprechend läuft im Stück eine klare Trennlinie zwischen den Generationen. Dudotschkin wünscht sich bessere Zukunftsaussichten für seine Tochter, die er von Breschnew blockiert sieht. Die Großmutter der Familie andererseits erinnert sich noch zu gut an die Jahre des Mangels und verehrt Leonid Iljitsch regelrecht für die relative Stabilität unter seiner Führung.

Etwas biederer Klamauk

Die Fronten zwischen Batman und Breschnew scheinen also denkbar klar. Doch Denisowas „sowjetischer Thriller“ hat so einiges an skurrilen Wendungen zu bieten, die man so kaum hätte vorhersagen können. Teilweise geschieht das auf eher unangenehm klamaukige Art und Weise. Dass die Schwiegermutter als unschöner älterer Mann in Frauenklamotten gespielt wird, wirkt wie ein wenig zeitgemäßer, eher biederer Witz. Doch teilweise geht die groteske Überspitzung auch auf. Batman und Breschnew gemeinsam zu dem Song „Daddy Cool“ Polonaise tanzen zu sehen, ist immerhin ein Erlebnis, für das sich der Besuch lohnt.

Das Theater an der Malaja Bronnaja spielt derzeit im Jausa-Palast in Nähe der Metrostation Elektrosawodskaja. Tickets gibt es schon ab 300 Rubel (etwa 3,60 Euro).

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