„SILART“: Fünf Stockwerke zeitgenössische Kunst

In Moskau wurde ein neues Museum eröffnet – „SILART“. Es handelt sich um ein privates Museums- und Ausstellungszentrum, das sich im gleichnamigen Moskauer Stadtteil SIL befindet. Es beeindruckt durch seine Größe und seine Ausstellungsmöglichkeiten. Einen solchen Kulturraum gab es in Moskau bisher noch nicht.

Das Museum ist mit Kupferplatten verkleidet (Foto: AGN Moskwa)

Viele Jahrzehnte lang wurde die Abkürzung SIL (ZIL) nur mit einer Sache in Verbindung gebracht – mit dem Automobilwerk namens Lichatschow. Im Jahr 2013 stellte das Unternehmen die Montage von Fahrzeugen ein und wurde 2020 vollständig liquidiert. An seiner Stelle entstand ein riesiges Wohnviertel, in dem sich nun das große Museum „SILART“ befindet, das von den privaten Investoren, den Sammlern Andrej und Elisaweta Moltschanow ins Leben gerufen wurde.

Ein Gebäude als Denkmal für SIL

Besonders beeindruckend ist das Museumsgebäude, das vom Architekten Sergej Tschoban entworfen wurde, dem Urheber eines weiteren angesagten Museumsprojekts, dem Zentrum „Sotov“ („Zotov“), und des neuen Gebäudes der Tretjakow-Galerie in Samoskworetschje. Das über 13.000 m² große Gebäude „SILART“ mit seinem riesigen Atrium ist außen und innen mit Platten aus unbehandeltem Kupfer verkleidet. Heute glänzen sie in der Sonne leuchtend rot, aber mit der Zeit werden sie unter dem Einfluss der Witterung ihre Farbe verändern. Ein ähnliches Konzept wurde übrigens beim Gebäude des Gulag-Museums umgesetzt, dessen Kupferfassade mit der Zeit ebenfalls ihre Farbe verändert hat.

Eine weitere interessante Idee des Projekts: Das Gebäude erinnert an die industrielle Vergangenheit des Stadtteils der Hauptstadt – an das Werk „SIL“. Darauf deutet die Installation am Eingang hin – eine originale 10 Meter lange Maschine aus Erfurt, die zur Herstellung von Lkw-Karosserien für SIL verwendet wurde. Unmittelbar hinter den Eingangstüren des Museums empfängt die Besucher eine glänzend polierte Regierungslimousine SIL-41047, in der Michail Gorbatschow fuhr. Es handelt sich um die letzte Limousine aus der Sowjetzeit.

Drei Ausstellungen

Das neue Museum wurde mit drei Ausstellungen eröffnet, die ebenso groß angelegt sind wie sein architektonisches Konzept: „Der Schritt vom Sockel: Skulptur im realen Raum“, „Afrikanische Kunst: Götter, Ahnen, Leben“ und die Installation „Dies Illa“ von Grisha Bruskin (es gibt noch eine weitere verlockende Installation von Alexander Brodsky, „Zuflucht der Unschuldigen“, auf der Terrasse im fünften Stock des Gebäudes, die jedoch nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden kann). Jede Ausstellung nimmt eine ganze Etage ein. Grundlage aller Ausstellungen ist die Privatsammlung von Andrej und Elisaweta Moltschanow, die in 25 Jahren mehr als 8000 Werke zusammengetragen haben: von der russischen Avantgarde und der inoffiziellen sowjetischen Kunst bis hin zu aktueller Malerei, Skulpturen, Installationen, Fotografien und einer einzigartigen Sammlung traditioneller Kunst aus tropischen Regionen Afrikas.

Hier werden Gemälde mit Skulpturen kombiniert. (Foto: AGN Moskwa)

Kuratorenstimme: Großformat braucht Großraum

Kurator der Ausstellungen ist der bekannte Kunsthistoriker Alexander Borowski, Leiter der Abteilung für moderne Kunst des Staatlichen Russischen Museums. Bei der Eröffnung des Museums erklärte er, dass ihm kein vergleichbares Gebäude wie das „SILART“ einfalle, das sich in gleichem Maße für die Ausstellung großformatiger Kunstwerke eignen würde.

„Es mangelt sehr an privaten Museen in Russland, denn in dem Netz, mit dem staatliche Museen Kunst einfangen, gibt es immer Lücken: Es mangelt an Möglichkeiten, Mitteln“, erklärte Borowski bei der Vorstellung der Ausstellungen. „Private und Unternehmensmuseen müssen all dies ausgleichen. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Projekt so groß werden würde. Dieses Gebäude bietet enorme Möglichkeiten für die Präsentation zeitgenössischer Kunst, die zur Dreidimensionalität tendiert“.

Die Ausstellungslandschaft der oberen Etagen

Die Konzepte der Ausstellungen im zweiten und dritten Stock basieren auf der Begleitung von Skulpturen durch Gemälde. In der Ausstellung „Ein Schritt vom Sockel: Skulpturen im realen Raum“ stehen Moskauer und Petersburger Werke aus Stein und Gips aus der zweiten Hälfte des 20. und dem Beginn des 21. Jahrhunderts neben Gemälden und Grafiken der inoffiziellen und aktuellen Kunst. Die abstrakte Malerei wird in dieser Ausstellung durch eine monografische Auswahl eines der führenden Vertreter der inoffiziellen Kunst, Elia Beljutina, repräsentiert, neben ihm sind die „Signale” von Jurij Zlotnikow zu sehen, der in Linien und Farbflecken versuchte, den Rhythmus unsichtbarer mechanischer und digitaler Prozesse zu verkörpern. Ein besonderer Schwerpunkt dieser Ausstellung liegt auf den Werken des kürzlich verstorbenen Erik Bulatow.

In der vierten Etage des Museums befindet sich derzeit die beeindruckende Ausstellung „Afrikanische Kunst: Götter, Ahnen, Leben“, die auf der Grundlage der Sammlung des Künstlers Michail Zvyagin zusammengestellt wurde, dieser über 30 Jahre lang zusammengetragen hat. Diese afrikanische Sammlung ist in ihrer Größe in russischen Museen einzigartig. Die 840 Exponate der Ausstellung machen nur ein Drittel der phänomenalen Sammlung aus.

Die Gründer des Museums versprechen, nach und nach zu zeigen, was sie haben. Das bedeutet, man wird noch mehrmals hierher zurückkehren müssen.

Ljubawa Winokurowa

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