Sicherheit und Völkerverständigung

Die Vorbereitungen auf die Fußballweltmeisterschaft in Russland laufen auf Hochtouren. So fand in Moskau im Rahmen einer deutsch-russischen Fußballwoche ein Gespräch zwischen dem Präsidenten des Deutschen Fußballbundes, Reinhard Grindel, und Beate Grzeski als Vertreterin der Botschaft statt.

Fußball verbindet (v.l.n.r.): Ekaterina Fedyschina, stellvertretende Generalsekretärin des Russischen Fußballverbandes, Beate Grzeski, Vertreterin der Deutschen Botschaft Moskau und Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußballbundes. /Foto: Kim Hornickel.

„Russland ist ein Land, das vom Terrorismus in besonderer Weise betroffen ist“, sagte Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußballbundes, im Gespräch mit Beate Grzeski, Vertreterin der Deutschen Botschaft Moskau. Er versteht, dass es ein intensives Sicherheitsbedürfnis gebe. Allerdings seien beim Confederations Cup die Sicherheitskontrollen in den Stadien so ausführlich gewesen, dass Fans nicht rechtzeitig zum Spiel gekommen seien. Der DFB-Chef empfiehlt den Fans deshalb, sich mindestens zwei Stunden vor Anpfiff im Bereich des Stadions aufzuhalten. Außerdem würde sich das „erhebliche Hooligan-Problem auf russischer Seite“ wie bei der Europameisterschaft 2016 so nicht mehr stellen, so eine Erkenntnis von Grindel. „Im Fußball geht es nicht um Leben und Tod, sondern um mehr“, zitiert Grindel einen berühmten Liverpool-Trainer und macht damit die gesellschaftliche Bedeutung des Ballsports deutlich. Die Weltmeisterschaft könne eine Plattform sein, die das Bild des Westens in Russland durch persönliche Kontakte verbessert. Und Russland könne sich als guter Organisator und herzlicher Gastgeber präsentieren, so Beate Grzeski.

Deshalb trafen sich die beiden mit Vertretern der deutschen und russischen Zivilgesellschaft. Während der WM werden zahlreiche Projekte von Stiftungen, Sportverbänden und Museen organisiert. Ein Beispiel deutsch-russischer Sportprojekte war ein Trainingscamp, in dem junge Russlanddeutsche vom 30. April bis zum 7. Mai deutsche Kultur erfahren konnten. Die Besten von ihnen werden an der Minderheiten-Europameisterschaft „Europiade“ 2020 teilnehmen. Spieler dieses Teams „RusDeutsch“ waren auch beim Treffen dabei, darunter der 24-jährige Iwan aus Omsk. Vor die Frage gestellt, welche Mannschaft der Sportstudent bei der Weltmeisterschaft anfeuern wird, antwortet er ganz klar: Deutschland. Im Gegensatz dazu favorisiert der 18-jährige Tourismusstudent Alexander die „Sbornaja“.

Ortswechsel nach Wolgograd

Wie es sich für eine Fußballwoche gehört, wurde auch gekickt. In Wolgograd, wo vor 75 Jahren die Großväter der Spieler kämpften, trafen die U-18-Nationalmannschaften von Deutschland und Russland aufeinander. Die Spieler liefen gemischt ein und ließen sich für ein gemeinsames Mannschaftsfoto fotografieren. Am Ende gewann die deutsche Elf mit 3:1. Begleitet war das Spiel von Gedenkveranstaltungen, unter anderem einer Kranzniederlegung an der „ewigen Flamme“ auf dem Mamajew-Hügel in Wolgograd.

Das alles sind kleine Schritte, der zunehmenden politischen Entfremdung Russlands und Deutschlands entgegenzuwirken. Auch wenn Grindel die WM als Chance sieht, über Werte zu diskutieren, bleiben seine Aussagen in Sachen demokratische Werte im Ungefähren. Zu den Verhaftungen bei Demonstrationen vor der Amtseinführung Wladimir Putins sagt er nur: „Was die allgemeine politische Lage angeht, wird der Fußball ja nicht ändern können, was die Mächtigen dieser Welt offensichtlich auch nicht ändern können.“

Simon Federer

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