Russische Athleten starten in den Olympiawinter

Das russische Olympia-Team hat gute Chancen, bei den Winterspielen so viele Podestplatzierungen zu erreichen wie noch nie. Eine Auswahl der vielversprechendsten Athleten.

Die russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa bei einem Wettbewerb.
15 Jahre alt und schon Weltklasse: Kamila Walijewa (Wladimir Pesnja/ RIA Novosti)


Das Olympische Feuer ist bereits in China eingetroffen, in weniger als 100 Tagen beginnen in Peking die Olympischen Winterspiele. Im Februar 2022 werden dort 109 Wettkämpfe in 15 Sportarten ausgetragen. Bereits im November starten die meisten russischen Athleten in den Olympiawinter und tragen die ersten Weltcups aus. Wie bei den Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang tritt Russland erneut nicht unter eigener Flagge, sondern als sogenanntes Russisches Olympisches Komitee (ROC) an. Der Russland-Schriftzug ist auf der offiziellen Kleidung verboten und bei Siegerehrungen wird statt der Nationalhymne ein Stück von Petr Tschaikowskij gespielt. Grund dafür ist die Manipulation von Daten über systematisches Doping.

In Pyeongchang haben russische Athleten und Athletinnen vor vier Jahren unerwartet schlecht abgeschnitten. Insgesamt gewannen sie nur 17 Medaillen, davon zwei Mal Gold. Laut einer Erhebung des Datenanalysten Gracenote soll sich das in Peking ändern.

Für die kommenden Wettbewerbe werden dem russischen Team insgesamt 38 Mal Edelmetall in Aussicht gestellt. Das sind so viele wie nie zuvor bei olympischen Winterspielen. Wer sind Russlands größte Medaillenhoffnungen?

Natalja Woronina (Eisschnelllauf)

Sie gilt als Favoritin für den Eisschnelllauf bei den Frauen. Laut Prognose von Gracenote soll diese Sportart den Russen in Peking die meisten Medaillen bescheren. Bei den Winterspielen vor vier Jahren tat sich das russische Team in der Sportart allerdings wenig hervor. Woronina war die Einzige, die mit Bronze über 5000 Meter überhaupt eine Medaille holte.

Woronina ist definitiv in der Lage, diese Leistung in Peking zu übertreffen, denn ihre Karriere nahm seit 2018 deutlich Fahrt auf. Bishe­riger Höhepunkt war die Weltmeisterschaft im Jahr 2020, wo sie auf der Distanz über 5000 Meter zum ersten Mal Gold gewann. Den Titel musste Woronina in diesem Jahr an die Niederländerin Irene Schouten abgeben, doch sie selbst schaffte es immerhin auf Rang zwei. In Peking wird es wieder zum Konkurrenzkampf zwischen den zwei Athletinnen kommen, die alles dafür geben werden, ihr erstes Olympiagold nach Hause zu holen.

Kamila Walijewa (Eiskunstlauf)

Der russische Eiskunstlauf hat ein neues Wunderkind: Im Herbst 2021 wechselte Kamila Walijewa mit nur 15 Jahren in den internationalen Erwachsenenwettbewerb im Eiskunstlauf. Gleich bei ihrem ersten Turnier auf Weltniveau im Oktober kam es zur Sensation. Sie brach in der Kür und in der Gesamtwertung zwei Weltrekorde und ging phänomenal als Siegerin hervor. Bei ihrem nächsten Turnier legte sie noch einmal zu und verbesserte ihre eigenen Rekorde.

Walijewa tritt in große Fußstapfen. Alina Sagitowa und Jewgenija Medwedjewa heißen die Vorbilder, die 2018 Gold und Silber gewannen und der Welt unmissverständlich zeigten, auf welchem Niveau die russischen Eiskunstläuferinnen stehen. Doch Beide werden in dieser Saison nicht bei Wettbewerben antreten. Sagitowa hat ihre Karriere sogar vorerst unterbrochen. Das ist die große Chance für die junge Walijewa, die die besten Voraussetzungen hat, die russische Erfolgsgeschichte im Eiskunstlauf fortzuschreiben.

Alexander Bolschunow (Skilanglauf)

Er ist der russische Starathlet im Skilanglauf. Seit der Weltmeisterschaft Anfang des Jahres trägt Alexander Bolschunow den Weltmeistertitel im Skiathlon. Es hätte für ihn auch eine zweite Goldmedaille geben können, wäre da nicht ein dramatischer Zwischenfall mit seinem größten Konkurrenten gewesen, dem Norweger Johannes Klæbo.

Im letzten Rennen der Weltmeisterschaft kämpften beide um den Sieg über die Marathondistanz von 50 Kilometern. Kurz vor dem Ziel lag Bolschunow vorn, als der von hinten aufrückende Norweger den Stock seines russischen Rivalen zerbrach und ihn knapp überholte. Der abgeschlagene Bolschunow ging unter Tränen zu Boden. Im russischen Lager war die Empörung daraufhin groß.

Klæbo wurde zwar disqualifiziert, aber Bolschunow war um seinen WM-Sieg gebracht. In Peking werden beide wieder aufeinandertreffen. Dann wird Klæbo seine drei Goldmedaillen aus Pyeong­chang gegen Bolschunow verteidigen müssen, der 2018 immerhin drei Mal Silber gewonnen hat und den Sieg nicht noch einmal dem Norweger überlassen will.

Maxim Burow (Freestyle-Skiing)

Die Disziplinen haben abenteuerliche Namen wie Halfpipe und Slopestyle. Maxim Burow ist Russlands Medaillenhoffnung im Freestyle-Skiing, einer recht neuen Sportart bei den Winterspielen. Sein Spezialgebiet sind die sogenannten Aerials. Die Athleten springen von einer steilen, fast senkrecht abfallenden Schanze und vollführen waghalsige Saltos und Drehungen.
2019 wurde Burow zum ersten Mal Weltmeister, dieses Jahr konnte er seinen Titel verteidigen.

Enttäuschend lief es für ihn dagegen bei den Winterspielen 2018. Dort war er mit dem 15. Platz weit von einer Medaille entfernt. Er musste sich gegen seinen Bruder Ilja geschlagen geben, der in derselben Disziplin in Südkorea eine Bronzemedaille gewann. Der sieben Jahre ältere Ilja hat zwar bei Olympia gewonnen, konnte aber verglichen mit Maxim insgesamt weniger Erfolge verzeichnen. Dieser will seiner Karriere mit dem Olympiasieg nun die Krone aufsetzen.

Anna Finkenzeller

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