Rekordausschüttungen und hohes Risiko

An Moskaus Börse werden seit Jahren immer größere Gewinne an die Aktionäre ausgezahlt. Das lockt nach einer Phase der Unsicherheit wieder vermehrt ausländische Investoren an. Dennoch bleiben russische Aktien weiter risikobehaftet.

Börse

Moskaus Börse lockt mit trauhaften Renditen © Sergej Kusnezow/ RIA Novosti

Wertpapiere gelten als besonders anfällig auf äußere Einflüsse. Und gerade in Russland gab es in den letzten Jahren viele negative. Dies ließ die Kurse an der Moskauer Börse regelmäßig einbrechen. Gleichzeitig weisen russische Aktien bei der Dividendenrendite den höchsten Wert aller Schwellenländer aus. Seit 2014 bewegen sich die Werte stabil bei über vier Prozent, zuletzt waren es 4,8 Prozent. Dabei wächst die Gesamtsumme der Dividenden durchschnittlich pro Jahr.

Als Gründe für die wachsenden Auszahlungen führt die Wirtschaftszeitung „Forbes“ mehrere Ursachen an. So forderte das russische Finanzministerium 2015, dass staatliche Unternehmen 50 Prozent ihrer Gewinne an ihre Aktionäre auszahlen sollen. Dem kamen die meisten Unternehmen, bis auf den Stromversorger Rosseti und der weltweit größte Gasförderer Gasprom, nach. Wobei Gasprom im Februar ankündigte, ab 2020 nachzuziehen.

Außerdem haben zwischen 2013 und 2016 viele Unternehmen bei steigenden Einnahmen ihre Investitionen zurückgefahren oder ganz ausgesetzt. Dies führte zu einer Anhäufung von Geld, das seitdem als Dividende ausgezahlt wird. Zu beobachten ist das vor allem in der Eisen- und Stahlindustrie. So haben das Magnitogorsker Metallkombinat MMK, NLMK aus Lipezk und Severstal im Jahr 2014 insgesamt 80,1 Milliarden Rubel (eine Milliarde Euro) an ihre Aktionäre ausgeschüttet, drei Jahre später, 2017, waren es 207 Milliarden Rubel (2,8 Milliarden Euro).

Als weiteren Grund für die hohen Dividenden vermutet Iskander Luzko, Chief Investment Strategist beim Moskauer Börsenmakler ITI Capital, die Oligarchen. Dem „Handelsblatt“ sagte er, dass einige der Oligarchen, die unter Präsident Wladimir Putin ihr Unternehmen verloren oder sich ins Ausland abgesetzt haben, mittels der Dividenden aus ihren Firmen so viel wie möglich herausholen wollen.

Insgesamt haben sich die Auszahlungen börsennotierter  russischer Unternehmen seit 2017 verdoppelt. Wurden vor zwei Jahren noch 1,5 Billionen Rubel (20,5 Milliarden Euro) an die Anteileigner weitergereicht, könnten es 2019 bereits drei Billionen Rubel (41 Milliarden Euro) sein, so Luzko.

Während Bergbauunternehmen wie Mechel die höchsten Renditen versprechen, ließ sich das meiste Geld traditionell im Öl-und Gassektor verdienen, der über Jahre für 70 Prozent der Ausschüttungen verantwortlich war. Das änderte sich erst 2017, als der Finanzsektor zur auszahlungsstärksten Branche avancierte. Antreiber dieser Verschiebung ist in erster Linie die Sberbank. Im Jahr 2017 erzielte das größte Geldinstitut Osteuropas Einnahmen in Höhe von 748,7 Milliarden Rubel (10,2 Milliarden Euro), wovon es 36 Prozent an seine Aktionäre zahlte.

Sberbank löst Gasprom ab

Die 269 Milliarden Rubel (3,7 Milliarden Euro) bedeuteten mehr als der ehemalige Platzhirsch Gasprom, der im selben Jahr 262 Milliarden Rubel (3,6 Milliarden Euro) ausgab. Und in diesem Jahr können sich die Aktionäre auf noch mehr Geld einstellen. Denn die Sberbank plant, 49 Prozent ihrer Gewinne unter den Anteilseignern zu verteilen. Davon geht zumindest Ilja Peterskij von der Investmentank VTB Capital gegenüber dem „Handelsblatt“ aus.

Die Aussicht auf steigende Auszahlungen lockt auch vermehrt wieder ausländische Investoren an, die in den letzten Jahren viel Kapital aus Russland abgezogen hatten. Im Januar 2019 konnte sogar ein Rekord vermeldet werden, als Ausländer Aktien im Wert von 37,8 Milliarden Rubel (510 Millionen Euro) zeichneten. Das geht aus einer Übersicht der russischen Zentralbank hervor. Mehr noch waren Ausländer mit 50,6 Prozent erworbenerer Wertpapiere erstmals seit Beginn der statistischen Erfassung vor fünf Jahren aktiver auf dem Markt als die Russen selbst.

Die Zentralbank erklärt den Aufschwung dadurch, dass das Federal Reserve System der USA eine Lockerung seiner Geldpolitik in Aussicht gestellt hatte und die USA und China sich in ihrem Handelsstreit aufeinander zubewegten. Auch der Ölpreis spielte eine wichtige Rolle, so stieg der Preis für ein Barrel der Marke Brent auf über 60 US-Dollar. 

Russische Aktien bleiben dennoch Risikopapiere

Dennoch ist bei aller Euphorie Vorsicht geboten, denn russische Aktien bleiben nach wie vor eher etwas für risikofreudige Anleger. So sprach der Abteilungsleiter für Marktforschung und Analyse der Rosbank, Jurij Tutilow, gegenüber der Wirtschaftszeitung „RBK“ davon, dass das stete Sanktionsrisiko und der damit schwankende Rubelkurs im Laufe des Jahres einen eher negativen Einfluss auf die Einnahmen aus den Aktien für Ausländer haben werden.

Daniel Säwert

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