
Patriotismus und die Erziehung von Kindern und Jugendlichen in diesem Sinne steht in Russland in letzter Zeit ganz oben auf der Tagesordnung. Dies lässt sich inzwischen an mehreren Gesetzentwürfen des Bildungsministeriums feststellen: So soll für die Schüler der 5. bis 7. Klasse die Anzahl der Englischstunden auf zwei (statt drei, wenn es sich um eine normale, allgemeinbildende Schule handelt) Stunden pro Woche reduziert werden.
Stattdessen soll ab kommendem Schuljahr 2026 der neue Unterricht „Geistige und moralische Kultur Russlands“ eingeführt werden. Geplant ist, dass sich das Fach mit den Biografien und Taten „herausragender Staatsmänner und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“, ihren persönlichen Qualitäten und ihrer Rolle in der Entwicklung des Landes befasst.
2022 erschien an russischen Schulen „Gespräche über Wichtiges“ – ein außerschulisches Fach, das in den Lehrplan aller Schulen und Berufsschulen aufgenommen wurde. Es findet einmal wöchentlich als Unterrichtsstunde statt. Der Idee zufolge zielt das Fach darauf ab, „traditionelle russische geistige und moralische Werte zu stärken“ und „Patriotismus zu fördern“. Ab diesem Jahr finden solche Gespräche auch in Kindergärten in Form eines Pilotprojekts statt: für Drei- bis Siebenjährige.
Patriotische Lieder im Musikunterricht
Das Streben nach dem Vermitteln der in den letzten Jahren in Russland besonders wichtig gewordenen Werte an die jungen Generation ist auch in den Musikunterricht durchgedrungen: Das russische Bildungsministerium empfahl vor dem neuen Schuljahr konkrete patriotische Lieder russischer Künstler für den diesjährigen Schullehrplan.
So nahm die Behörde etwa Lieder der Sänger Jaroslaw Dronow (bekannt unter dem Künstlernamen „Shaman“), Oleg Gasmanow und Sergej Trofimow in die Liste auf. Shaman hat in den letzten Jahren durch seinen prägnanten Gesang die Popularitätsleiter erklommen.

Insgesamt sind es 37 Lieder, die der „patriotischen und geistig-moralischen Erziehung der Schüler“ dienen sollen. In den meisten russischen Schulen gibt es das Fach Musik bis zur 8. Klasse. Das Repertoire ist vielfältig. Altes wird mit Neuem kombiniert: bekannte Kriegslieder oder Militärlieder, die besonders in den letzten Jahren an Popularität gewonnen haben.
Die Namen sprechen für sich: „Mein Russland“ von Shaman, „Offiziere“, „Unsterbliches Regiment“ und „Russland, los geht’s“ von Oleg Gasmanow und etwa „Heimat“ von Sergej Trofimow.
Das Ministerium besteht allerdings nach eigenen Angaben nicht auf diesem Repertoire: Die Schulen dürfen frei über die Verwendung empfohlener Werke entscheiden.
Rolle des Musikunterrichts
Die Frage, welche Rolle der Musikunterricht spielen sollte, wurde schon in der Sowjetunion von Lehrkräften gestellt. Was die Menschen am meisten interessierte: Sollte das vielmehr ein Bildungs- oder Erziehungsfach sein?
Viele kamen letztlich zu dem Schluss, dass die Hauptaufgabe des Unterrichts nicht so sehr in der Vermittlung von Musik an sich besteht, sondern darin, durch Musik die geistige Welt der Schüler zu beeinflussen. Vor allem ihre Moral.
Laut einigen Experten spiegelt die Aufnahme von den empfohlenen patriotischen Werken zeitgenössischer Künstler den Trend wider, traditionelle und moderne Musikformen zu kombinieren, um Kindern die aktuelle Kultur des Landes näherzubringen. Einige Lehrkräfte meinen, dass moderne Musik den traditionellen Musikunterricht nicht ersetze, sondern dazu beitrage, bei Kindern ein Gefühl nationaler Identität zu entwickeln.
Viktoria Nedaschkowskaja




