Moskaus Metro: Weiter, immer weiter

Mitten in der Coronakrise wurde in Moskau ein neuer Metro-Abschnitt eröffnet. Momentan endet die Strecke etwas verloren in einem Vorort. Doch sie ist Teil eines größeren Plans, der eine weitere Ringlinie für die Hauptstadt vorsieht. Ein Überblick.

Moskaus Metro wächst: Okskaja, eine der neuen Stationen an der Nekrasowskaja-Linie
Okskaja, eine der neuen Stationen an der Nekrasowskaja-Linie (Foto: mosmetro.ru)

Eröffnungen neuer Metrostationen gehören in Moskau beinahe zum Alltag. Allein im vergangenen Jahr kamen acht hinzu: vier an der neuen Nekrasowskaja-Linie (pink) im Südosten und vier an der Erweiterung der Sokolnitscheskaja-Linie (rot) im Süden, dazu die ersten beiden Linien der neuen S-Bahn Moskowskije Zentralnye Diametry (MZD). Nun wurde die Nekrasowskaja-Linie noch einmal erweitert. Vom Lermontowskij Prospekt, wo sie mit der Tagansko-Krasnopresnenskaja-Linie (lila) verknüpft ist, führt sie in nordwestlicher Richtung über die Station Nischegorodskaja nach Lefortowo.

Viel los war dort in den ersten Tagen nicht. Ein paar Enthusiasten kamen, um die begehrten Sondereditionen der Troika-Karte zu besorgen, die es zu jeder neu eröffneten Station in limitierter Auflage gibt. Ansonsten blieb es wegen des Coronavirus’ ruhig. Aber auch unter Normalbedingungen wäre der neue Abschnitt für sich genommen keine Revolution. Er soll vor allem die oft überfüllte Tagansko-Krasnopresnenskaja-Linie entlasten. Seit der erste Abschnitt der Nekrasowskaja-Linie in Betrieb ist, ist die lila Linie durch Umsteiger ab Kosino am Limit. Jetzt besteht an der Station Nischegorodskaja eine weitere Umsteigemöglichkeit, nämlich zur Ring-S-Bahn Moskowskoje Zentralnoje Kolzo (MZK).

Schritt für Schritt zur neuen Ringlinie

Ein Provisorium ist dagegen die Verlängerung nach Lefortowo. Dort endet die Strecke derzeit und stellt für die Bewohner des Bezirks allenfalls eine Verbindung zum MZK her. Doch dieser Abschnitt soll später Teil einer neuen Ringlinie werden, der Bolschaja Kolzewaja Linie (Große Ringlinie). An dieser wird schon seit fast zehn Jahren gebaut. Bis dieser Ring komplett fertig ist, werden Teilabschnitte von anderen Linien befahren. Das ist jetzt schon im Nordwesten der Fall. Dort wird seit 2018 der Abschnitt von der Station Sawjolowskaja bis zur Choroschewskaja von der Solnzewskaja-Linie (gelb) befahren, welche noch weiter bis zur derzeitigen Endstation Rasskasowka im Südwesten führt.

In den kommenden zwei Jahren soll nun der Nordostabschnitt fertiggestellt werden. Zunächst geht es von Lefortowo weiter zur Station Rubzowskaja, wo es eine Verbindung zur Station Elektrosawodskaja an der Arbatsko-Pokrowskaja-Linie (dunkelblau) geben wird. Dann wird Sokolniki mit Übergang zur Sokolnitscheskaja-Linie (rot) erreicht. Für das Jahr 2022 ist der Lückenschluss bis zur Station Sawjolowskaja geplant. Dann entsteht für eine Übergangszeit Europas längste Metrolinie. Bis zur Fertigstellung des südlichen Ringabschnitts wird die Solnzewskaja mit der Nekrasowskaja-Linie verbunden. Von der Station Rasskasowka im Südwesten bis zur Nekrasowka im Südosten werden es fast 70 Kilometer sein.

Die längste Metrolinie Europas als Provisorium

Der lange Südabschnitt des großen Rings soll nach derzeitiger Planung 2023 fertig werden. Dann kann die Ringlinie komplett in Betrieb gehen. Die Nekrasowskaja-Linie wird auf den Abschnitt von der Nekrasowka bis zur Nischegorodskaja verkürzt.

Die schon lange geplante Verbindung der Solnzewskaja-Linie mit der Kalininskaja-Linie im Osten der Stadt bleibt dagegen vorerst Zukunftsmusik. Die Linien sind beide gelb in den Plänen verzeichnet und sollten eigentlich als Kalininsko-Solnzewskaja-Linie einst eine Ost-West-Verbindung herstellen. Die Idee wurde zurückgestellt und die Planungen sollen nun frühestens nach Fertigstellung des großen Rings beginnen. Da hier viele historische Gebäude zu untertunneln sind, gilt der Bau als schwierig.

Neue Verbindung nach Neu-Moskau

Greifbarer ist dagegen die komplett neue Kommunarskaja-Linie. Deren Bau hat im letzten Jahr begonnen und sie soll ebenfalls 2023 in Betrieb gehen. Sie wird von der neuen Station Uliza Nowatorow am neuen großen Ring nach Kommunarka führen, dem Ort in Neu-Moskau am Südende der roten Linie. Später soll sie bis nach Troizk verlängert werden, das seit 2012 ein Stadtteil von Moskau ist.

Ende 2019 wurden Pläne bekannt, diese neue Linie perspektivisch durch das Zentrum mit der Nekrasowskaja-Linie zu verbinden. Wenn das irgendwann realisiert ist, dann wird es wohl endlich eine echte Entlastung für die Tagansko-Krasnopresnenskaja-Linie geben.

Die bisherige und zukünftige Entwicklung des Moskauer Metronetzes lässt sich hervorragend auf dieser interaktiven Karte verfolgen. Das einzige Manko: Sie ist nur auf Russisch verfügbar.

Jiří Hönes

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