
Laut einem aktuellen Branchenbericht des deutschen Unternehmens BarthHaas, dem weltweit größten Händler für Hopfen und Braurohstoffe, ist Deutschland im weltweiten Ranking der Bierproduzenten vom fünften auf den sechsten Platz zurückgefallen. Damit hat es seinen Status als größter Bierproduzent Europas, den es seit 2013 innehatte, verloren.
Laut dem Bericht für das Jahr 2024 hat Deutschland die Produktion seines Nationalgetränks um ein Prozent auf 83,92 Millionen Hektoliter reduziert. Russland hingegen steigerte seine Produktion um neun Prozent. Das Volumen erreichte 90,83 Millionen Hektoliter. Damit verlor Deutschland seine Führungsposition in Europa und liegt auf dem fünften Platz in der weltweiten Rangliste. Die ersten Plätze belegen China, die USA, Brasilien und Mexiko.
Wie kam es dazu?
Die Bierproduktion in Russland verzeichnet seit fünf Jahren ein stabiles Wachstum und ist insgesamt um 14 Prozent gestiegen. Der Anstieg der Produktionsmengen russischer Unternehmen ist unter anderem auf den Rückzug globaler Hersteller aus dem russischen Markt zurückzuführen. Als internationale Giganten wie Carlsberg und Heineken den russischen Markt verließen, gingen ihre Aktiva in die Hände russischer Akteure über. Baltika und United Breweries entwickeln sich nun als eigenständige Unternehmen und verzeichnen ein beeindruckendes Wachstum. So steigerte Baltika seine Produktion um 15,6 Prozent und schaffte es erstmals unter die 15 weltweit führenden Brauereien.
Von starkem Alkohol zu Cider und Met
Auch die Art des Alkoholkonsums in Russland spielt eine Rolle. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier in Russland (weniger als 60 Liter pro Jahr) liegt derzeit noch hinter dem deutschen Verbrauch (88 Liter) zurück. Doch während dieser Wert in Deutschland seit den 1990er Jahren rückläufig ist, bleibt er in Russland stabil.
Die Daten der russischen Behörde für die Kontrolle von Alkohol- und Tabakprodukten zeigen das Gegenteil. Sie berichtet, dass der Einzelhandelsverkauf von Bier in Russland im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,3 Prozent auf 291 Millionen Deziliter zurückgegangen ist. Der Absatz von Biergetränken ging ebenfalls um 3,8 Prozent zurück. Möglicherweise handelt es sich hierbei um ein vorübergehendes Phänomen, aber wenn nicht, dann liegt die Ursache wohl in der Erhöhung der Alkoholsteuer.
Diese Marktentwicklung widerspricht jedoch einem seit Langem beobachteten Trend: Die Russen ändern allmählich ihre Konsumgewohnheiten in Bezug auf Alkohol und wechseln von starken alkoholischen Getränken zu alkoholarmen.
Die Russen wählen alternative Optionen: Apfelwein, Poiré und Met. Ihr Absatz stieg um fast zehn Prozent auf 5,66 Millionen Deziliter. Gleichzeitig geht der Absatz von hochprozentigem Alkohol, Wodka, Cognac und Likörprodukten zurück. Im Zeitraum von Januar bis Juni 2025 sank er je nach Kategorie um sechs bis 17 Prozent.
Das Problem der Produktpalette
Wenn man von quantitativen zu qualitativen Indikatoren übergeht, ist laut Branchenexperten mit russischem Bier alles in Ordnung. Roskachestvo erwägt die Schaffung eines speziellen Standards „Bier Russlands“ – analog zu „Wein Russlands“. Dabei weisen einige Experten auf ein Problem mit dem Sortiment hin: Die Auswahl an Sorten ist sehr begrenzt. Es ist seltsam, dies zu hören, wenn in den Medien lebhaft über den Anstieg der Verkäufe von Bier für Hunde diskutiert wird. Der Umsatz von solchem Bier hat seit Einführung der Anforderungen an dieses Produkt am 1. März innerhalb von drei Monaten 6500 Liter überschritten. Wenn es sogar Bier für Vierbeiner gibt, wie kann es dann einen Mangel an Sorten für Menschen geben?
Goscha Haimow


