Lada: Der Kult lebt wieder auf

Er hat Wurzeln in Italien, ist billig und robust und war auf sowjetischen Straßen einst die Nummer 1. Doch im kapitalistischen Russland war der Lada nicht besonders populär. Doch nun entdecken immer mehr junge Leute den Volkswagen aus Sowjetzeiten wieder für sich.

Begeistert von der Robustheit und dem klassischen Design: Der junge Moskauer Roman liebt seinen Lada. /Foto: privat

Überall BMW, Mercedes oder Volkswagen: Wer durch Moskaus Zentrum spaziert, erblickt im Strom der ausländischen Automarken nur noch selten einen Lada. Dabei war der Pkw mit den kantigen Formen einst ein Klassiker der sowjetischen Autoindustrie und rollte in Massen über die Straßen des Riesenreiches. In Zeiten der Mangelwirtschaft galt der Besitz eines Ladas als etwas Besonderes und sogar Luxuriöses.

Am Anfang war ein Fiat

Nach dem Start der Produktion im Jahr 1970 standen die Menschen Schlange, um sich für den Kauf einen WAS-2101 – so die offizielle Bezeichnung des robusten Wagens  – anzumelden. Produziert wurde das Fahrzeug für die Massen in der Wolga-Stadt Toljatti, welche nicht nur durch ihren Namensgeber, den Kommunisten Palmiro Togliatti, mit Italien verbunden ist. Denn in dem südeuropäischen Land kauften die Sowjets in den 60er Jahren auch die Lizenz für den Fiat 124, auf dessen Grundlage der Lada konstruiert wurde. Auch wenn der Sowjetklassiker auf den Straßen scheinbar immer seltener geworden ist: Viele junge Russen entdecken den unverwüstlichen Wagen wieder für sich. Zu diesen Enthusiasten gehört auch Roman aus Moskau. Der junge Mann mit der blauen Jacke ist Teil einer ständig wachsenden Szene von Schraubern und Technik­freaks, die sich leidenschafltlich dem Kult um den im Volksmund kurz Shiguli genannten Lada verschrieben haben. Sein aktuelles Modell – einen WAS-2105 – erwarb der Lada-Fan 2014 nach dem Besuch eines sogenannten Drifter-Treffens.

Er hat Wurzeln in Italien, ist billig und robust und war auf sowjetischen Straßen einst die Nummer 1. Doch im kapitalistischen Russland war der Lada nicht besonders populär. Doch nun entdecken immer mehr junge Leute den Volkswagen aus Sowjetzeiten wieder für sich.
Robuste und einfache Technik: Federung, Bremse oder Getriebe können versierte Schrauber beim Lada auch selbst austauschen /Foto: privat

Mit Sowjettechnik auf das Eis

Bei dieser speziellen Motorsportart wird der Wagen gezielt übersteuert, sodass er bei hohen Geschwindigkeiten möglichst elegant – oder besonders aufsehenerregend – über den Boden gleitet. „Für das Driften in der Wintersaison ist dieses Modell sehr populär und gut geeignet“, erklärt Roman, der sich auch für das einfache Design seines Wagens begeistert. „Es gibt keine andere sowjetische Automarke. Der Hinterradantrieb macht den Unterschied! Warum? Er ist ausschließlich hinten – ideal zum Driften.“ Doch bevor es zum ersten Mal richtig aufs Eis gehen konnte, musste Roman erst mal kräftig investieren und die Ärmel hochkrempeln. Denn der Gebrauchtwagen war kaputt und nicht mehr fahrtüchtig. Also musste der Schrauber Federung, Bremsen und Getriebe austauschen. Anschließend rüstete er das Auto für das Driften um und investierte umgerechnet mehr als 2000 Euro. Die Ersatzteile erwarb er günstig bei offiziellen Händlern, auf Auto-Flohmärkten außerhalb Moskaus, im Internet und in auf Drifter spezialisierten Geschäften. „Die Modifizierung des Ladas für das Driften ist keine Investition, die auf einmal gemacht werden sollte“, erklärt der Enthusiast. „Es ist ein Prozess, welcher nach und nach geschieht. Es ist ein Schritt für Schritt auf Erfahrung basierendes Ereignis – man muss den Lada und das Driften verstehen, um zu wissen, wie zu modifizieren ist und welche Investition wann gemacht werden muss.“ Zum Driften fährt Roman ausschließlich im Winter. Dann kommt die eingeschworene Szene bei Kälte und Schnee auf zugefrorenen Seen zusammen, um dem gemeinsamen Hobby zu frönen. Ein beliebter Ort dafür ist beispielsweise das sibirische Krasnojarsk im Osten Russlands. Im Umkreis der sibirischen Metropole hält sich das Eis auf den Gewässern besonders lange. Denn die Winter in diesem Landesteil sind noch lang und rau.

Auf Treffen tauschen sich die Lada-Fans über ihr Hobby aus und organisieren gemeinsame Ausfahrten – im Winter auch gern mal auf dem Eis großer Seen. / Foto: privat

„Es kann gefährlich sein, aber mir ist selber noch nichts passiert“, erzählt der Autobegeisterte und erläutert mit leuchtenden Augen den Ablauf der frostigen Treffen aus dem Eis. „Es gibt einen Leiter, welcher das Driften anführt und der Rest zieht nach, gewöhnlich in einer Linie.“ Ein klassisches Rennen mit Überholmanövern gebe es aber nicht. Stattdessen folge man sich vorsichtig gegenseitig über die zuweilen spiegelglatte Oberfläche und versuche möglichst, keine anderen Drifter anzufahren und größeren Schaden zu verursachen. Denn in der kurzen Saison, in der das Eis meist nur drei Monate lang trägt, möchten die Liebhaber nicht ihre Wagen reparieren müssen – sondern ausschließlich Spaß mit ihnen erleben.

Lisa Petzold

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