Klassenfeinde: Solowjow genen Z-Blogger

Wer glaubt, dass nach der Schließung einer ganzen Reihe unabhängiger liberaler Medien und der Ausreise der antikriegsorientierten Opposition und Journalisten aus Russland die Medienlandschaft im Land homogen geworden ist, irrt sich. Der Skandal um den pro-militärischen Aktivisten und Blogger Roman Aljochin zeigt, dass der Wettbewerb um Zuschauer und insbesondere um deren Geldbörsen im Medienbereich unvermindert anhält.

Roman Aljochin
Aljochin wird verdächtigt, sich an Spenden bereichert zu haben.
(Foto: Alekhin_Telega/Telegram)

Who is Mr. Aljochin?

Roman Aljochin ist eine ziemlich bekannte Persönlichkeit. Diese Bekanntheit erlangte der bescheidene Unternehmer aus der Region Kursk mit Beginn der großangelegten Kriegshandlungen. Denn Krieg ist unter anderem auch ein Lieferant von Inhalten, die die Menschen gerne konsumieren, unter anderem in sozialen Netzwerken. Roman Aljochin wurde ein recht erfolgreicher Blogger und Aktivist, der Spenden für Soldaten an der Front sammelte, mit den gesammelten Mitteln das Notwendige und Gewünschte kaufte und es an die Empfänger brachte.

Es scheint, dass ein solcher Mensch keine Meinungsverschiedenheiten mit denen haben kann, die staatliche Narrative in großen Fernsehsendern verbreiten. Aber so einfach ist es nicht. Vor kurzem haben die Strafverfolgungsbehörden eine Überprüfung gegen Aljochin eingeleitet. Darüber berichteten TASS und „Iswestija“. Anlass für die Ermittlungen war ein im Internet veröffentlichtes Video, in dem Aljochin mit Unternehmern ein Beschaffungsprogramm für die Bedürfnisse der Front im Wert von 200 Millionen Rubel mit einer zu niedrigen Liefermenge und einer Belohnung von 50 Millionen Rubel für den Blogger selbst besprach. Aljochin erklärte gegenüber RBC, dass er Opfer einer Provokation geworden sei.

Der offensichtliche Nutznießer

Wenn Aljochin von Provokation spricht, nennt er faktisch deren Auftraggeber. Zumindest hält er, wie auch viele andere Kommentatoren, den bekannten Fernsehmoderator und einen der führenden Propagandisten des Landes, Wladimir Solowjow, für den Nutznießer dieser Geschichte. In seiner Morgensendung am 10. September kommentierte Solowjow den Skandal um Aljochin. Nach Angaben des Fernsehmoderators führen die Ermittler die Untersuchungen gegen Aljochin auf regionaler Ebene durch. Solowjow ist überzeugt, dass alle Machenschaften aufgedeckt werden, dank derer es Aljochin lange Zeit gelungen ist, nicht ins Visier der Strafverfolgungsbehörden zu geraten. „Wenn sie in der Region nichts finden, wird sich, da bin ich mir sicher, die Zentrale einschalten. Aljochin ist nicht nur ein Dieb, er ist ein Verräter seines Vaterlandes, ein Verräter. Das ist Hochverrat.“

Roman Aljochin
Wladimir Solowjew geht in die Offensive gegen Z-Blogger.
(Foto: Alexander Awilow/AGN Moskwa)

Es ist kein Zufall, dass Solowjew erwähnte, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt, sondern um ein System, das sich nicht erst heute entwickelt hat. Seit Langem schon üben die Mitglieder von Solowjews Medienteam Kritik an Aljochin. Eine der Episoden ist der Kauf eines Elektroautos Zeekr 001 im Wert von 6 Millionen Rubel durch Aljochin für sein Unternehmen.

Die anderen

Solche Skandale erschüttern von Zeit zu Zeit das Lager der Sammler von Hilfsgütern für die Front und der pro-militärischen Blogger (Z-Blogger). So erhielt die ukrainische Anwältin Tatjana Montjan, die auf russischer Seite auftritt, nicht nur die russische Staatsbürgerschaft, sondern auch eine Luxusimmobilie. Wladimir Solowjow, als er sich auf Aljochin stürzte, vergaß auch seine weitere „Klassenfeinde“ nicht: „Die anderen sollen warten, sie werden alle drankommen“, drohte der Fernsehmoderator.

Die Sammler von Hilfsgütern für die Front erklären Solowjows Engagement damit, dass er selbst Spenden sammelt und humanitäre und militärische Güter an die Front liefert. Der SVR Fond ist buchstäblich die Stiftung von Solowjow Wladimir Rudolfowitsch. Auf der Webseite dieser Organisation steht wörtlich: „Sie haben die Webseite des persönlichen Fonds von Wladimir Solowjow aufgerufen, auf der jeder sein Vaterland und diejenigen, die sich zu seiner Verteidigung erhoben haben, unterstützen kann.“ Darauf weisen Solowjows Gegner aus dem Kreis der Z-Blogger hin und vermuten, dass der Gründer des Fonds die finanziellen Einnahmen in seinen Händen konsolidieren will. Aber die Angelegenheit hat definitiv noch mindestens eine weitere Dimension.

Die Wahrheit aus dem Schützengraben Der aktuelle Angriff könnte auch die Medienlandschaft verändern. Unter anderem ist der Fall von Roman Aljochin auch ein Schlag gegen jene pro-militärischen Blogger, die versuchen, über die Realitäten an der Front zu schreiben. Aber die Wahrheit aus den Schützengräben weicht oft stark von dem ab, was das Verteidigungsministerium und die ihm nahestehen Frontberichterstatter verbreiten. Seit Langem verwenden einige Blogger wie Aljochin statt des Begriffs „russische Armee“ den Begriff „Armee von Laos“. Auf diese Weise versuchen sie, rechtliche Konsequenzen unvorsichtiger Äußerungen zu vermeiden. Jetzt müssen sie noch vorsichtiger schreiben.

Igor Beresin

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