Klasse für die Masse: Melnikow und das etwas andere Sowjeterbe

Die sichtbarste städtebauliche Hinterlassenschaft der Sowjetzeit in Moskau sind die Plattenbaugebiete. Lange, bevor sie entstanden, und noch vor dem Stalinschen Neoklassizismus hinterließ aber auch Konstantin Melnikow (1890 – 1974) Spuren im Stadtbild. Wie viele andere suchte der Architekt in den 1920er und 1930er Jahren nach einer Formensprache für die neue Gesellschaft und entwarf Gebäude mit Charakter. Der „sowjetische Gaudi“ geriet alsbald ins Abseits, die Obrigkeit warf ihm „bürgerliche Fantastereien“ vor. Doch sein Erbe ist bis heute sehenswert. Am 3. August wäre Konstantin Melnikow 130 Jahre alt geworden.

Konstantin Melnikows wohl berühmteste Schöpfung ist ein experimentelles Turmhaus, das zwar nicht Schule machte, ihm aber vom Moment der Fertigstellung 1929 bis zu seinem Tode 1974 als Zuhause diente. Das Grundstück kann kostenlos besichtigt werden, im Haus selbst werden Führungen veranstaltet.
Bachmetjewskij-Busdepot (1926/27). Die ehemalige Einfahrt der Garage ist heute die Rückseite des Jüdischen Museums.
Russakow-Kulturpalast (1929). Das Aushängeschild der sowjetischen Avantgarde ist heute ein Theater.
Das Klubhaus des Kosmetikherstellers Swoboda
Intourist-Garage am dritten Stadtring
Die Garage von Gosplan, der staatlichen Plankommission der Sowjetunion
Klub der Gummiwaren-Fabrik Kautschuk mit Konzertsaal und Sporthalle. Typisch für Melnikow: große Fenster und damit viel Licht im Inneren.
Arbeiterklub Burewestnik in Sokolniki
Arbeiterklub des Chemiewerks Dorogomilowo mit Theatersaal, Bibliothek und Stolowaja

Fotos und Text: Tino Künzel

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