Katharina Leinwandstar: Die Zarin in Film und Serie

Mit „The Great“ ist Mitte Mai die wohl beste Serie über Katharina die Große erschienen. Immer wieder zieht die Zarin Regisseure in ihren Bann.

Elle Fanning als Katharina die Große: Für Kritiker bisher die beste Darstellung der Zarin. (Foto: more.tv)

Sie ist wieder zurück. Nicht ein- mal ein Jahr nach der HBO-Serie „Catherine the Great“ hat der Streamingdienst Hulu Katharina die Große zurück auf die Bildschirme gebracht. Mitte Mai startete die zehnteilige Serie „The Great“ und wurde von Kritikern positiv aufgenommen.

Fast könnte man annehmen, dass den großen Unterhaltungskonzernen so langsam die Themen aus- gehen. Warum sonst sollte Hulu die altbekannte Geschichte der deutschen Prinzessin Katharina erzählen, die zu einer der bedeutendsten Herrscherinnen der Weltgeschichte aufstieg. In Deutschland und Russland zumindest kennt fast jedes Kind die Wandlung vom schüchternen Mädchen zur Powerfrau. 

McNamara mit der besten Verfilmung 

Schon das Werbeplakat der Serie zeigt, dass Produzent Tony McNamara Katharinas Leben freier interpretieren wollte. Dort zeigt die Zarin (gespielt von Elle Fanning) den potentiellen Zuschauern den Mittelfinger. Ob Katharina diese archaische Geste wirklich nutzte, ist nicht bekannt. Aber sie passt zu dem, was McNamara aus dem Stoff gemacht hat.

Denn histori-sche Fakten interessieren ihn nur am Rand (etwa, dass der Ehemann Peter III. zum Sohn Peters des Großen wird). Auch sonst passt so manches nicht zusammen. Wie etwa in der Szene, in der die Tante mit Blick auf das Denkmal für Peter den Großen masturbiert. Denn der berühmte Eherne Reiter zeigt Peter den Großen nicht auf einem Pferd sitzend, sondern auf einem Bären.

McNamara bedient sich auch noch weiterer Klischees. Bären, Wodka und Idioten – all das zeigt die Serie. Allerdings, so schreibt die „Nesawissimaja gaseta“, schafft es „The Great“, nicht zu sehr zu übertreiben und die Russen nicht zu beleidigen. In heutigen Zeiten gleicht dieses Lob fast einem Ritterschlag. Es sei einfach eine großartige Serie über Russland, meint die „Nesawissimaja gaseta“.

Auch weil es nicht so sehr um die Zarin an sich, sondern um ihre Liebe zu Russland gehe. McNamara scheint es gelungen zu sein, den besten Katharinen-Streifen zu produzieren.

Seit 100 Jahren auf der Leinwand 

Katharina die Große gehört zu den Lieblingsherrschern der Regisseure. Sie sind fasziniert von ihrer Emanzipationsgeschichte, der Art, wie sie über ihre Kleidung kommunizierte, und sind sicherlich auch angetan von den Sexmythen, die sich um die Zarin ranken. Die Internet Movie Database listet bis heute 54 Filme und Serien auf, in denen sich viele berühmte Schauspielerinnen an der Rolle versuchten.

Vor genau 100 Jahren wagte sich Reinhard Schünzel an den Stoff, damals noch ohne Ton. Vier Jahre später schneiderte Ernst Lubitsch in „Das verbotene Paradies“ Pola Negri die Katharina auf den Leib. Bei den Kritikern kam das nicht gut an. Stammten doch die Kostüme aus den 20ern und nicht aus dem 18. Jahrhundert.

Auch Marlene Dietrichs Auftritt in „Die scharlachrote Kaiserin“ war nicht ihr bester. Der realitätsferne Streifen wurde vor allem wegen der glitzernden Ausstattung gelobt. Als schließlich Catherine Zeta-Jones 1995 in „Catherine the Great“ in Katharinas Rolle schlüpfte, sprach das deutsche Fachblatt „Cinema“ von einem „glanzvollen Historienstück“, das „geschichtstreu, gut besetzt und inszeniert“ sei.

Das russische Magazin „Zima“ merkte allerdings an, dass der Film die Zarin schablonenhaft darstelle und die Beschreibung sich lese, als ob es um die französische Königin Marie Antoinette ginge.

In der Sowjetunion war Katharina tabu 

In der Sowjetunion indes scheute man Katharina. Obwohl in Filmen wie „Die Laune Katharinas II.“ von 1927 die Zarin immer wieder mal Anklang fand, widmeten ihr die Filmstudios keinen eigenen Streifen. Der Staatsmacht schien die Figur einfach zu widersprüchlich, meint etwa die Tageszeitung „Argumenty i fakty“.

Zwar galt sie auch im sozialistischen Staat als Reformerin. Aber sie schlug auch Bauernaufstände nieder und schickte progressive Denker in die Verbannung.

Das erste Mal, dass die Sowjetbürger Katharina in einer eigenen Rolle zu sehen bekamen, war 1962 in „Die Nacht vor Weihnachten“. Erst 1978 verkörperte Natalja Gundarewa die Zarin in „Die Hauptmannstochter“. Das ging, weil die Rolle Katharina nur als Frau und nicht als Herrscherin zeigte. Erst während der Perestroika wurde Katharina in „Zarenjagd“ eine tragende Rolle zugeschrieben. Für viele Kritiker ist die Leistung Swetlana Krjutschkowas eine der besten Katharinen-Interpretationen.

Später durften sich auch Schlagersängerin Kristina Orbakaite als junge Prinzessin und Marina Vlady (in einer japanisch-russischen Co-Produktion) versuchen.

Der Trailer zur russisch-japanischen Co-Produktion „Träume von Russland“ verspricht ein ungewöhnliches Sehvergnügen

In den Jahren 2014 und 2015 versuchten sich auch die Russen mit „Jekaterina“ und „Die Große“ eher mäßig an der Serienumsetzung. 

Mit „The Great“ hat Tony McNamara den vorläufigen Höhepunkt in Sachen Katharinen-Verfilmung vorgelegt. Nicht ausgeschlossen, dass bald die 55. Interpretation des Lebens der Zarin folgt. Es scheint unvermeidbar. Zu hoffen ist, dass der nächste Regisseur in den Namen genauso viel Kreativität steckt, wie in den Film.

Daniel Säwert

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