
Das GES-2-Gemeindezentrum im Zentrum Moskaus, das sich im Gebäude eines ehemaligen Kraftwerks befindet, veranstaltete vom 4. bis 20. Juli das Festival „Kläglicher Herbst“. Das Programm war in drei Themenblöcke gegliedert: „Schade um dich“, „Schade drum“ und „Schade um mich“.
Laut den Organisatoren ging es bei der Veranstaltung um experimentelle Aktionen, die darauf abzielten, sich bemitleidenswert zu fühlen oder Mitleid mit jemand anderem zu erzeugen, Mitleid, Selbstmitleid oder Mitleid mit etwas oder jemandem öffentlich zu zeigen.
Der Bereich „Schade um dich“ zielte darauf ab, Mitgefühl und Empathie für andere zu entwickeln. Bei „Schade drum“ konnte man die Tiefe der Verbundenheit mit Dingen und Erinnerungen erforschen. Zu „Schade um mich“ schrieben die Veranstalter: „Wir versinken im Selbstmitleid und kommen wieder daraus hervor.“
Die Idee hinter einer der eher ungewöhnlichen Veranstaltungen des Festivals, der „Miserable Dates“, war es, eine neue Erfahrung zu ermöglichen, bei der man nicht prahlen oder eine Aura des Erfolgs bewahren muss, sondern sein Gegenüber mit düsteren Gedanken beladen, keine Angst davor haben muss, es zu enttäuschen, und erklären kann, warum man Mitleid verdient.
Alle Dates verliefen anonym, sodass das Aussehen des Partners keinen Einfluss auf das Ergebnis hatte. So befanden sich Männer und Frauen in verschiedenen Teilen des Raumes, durch einen Vorhang getrennt, und unterhalten sich, ohne sich zu sehen. Die Treffen fanden wie am Fließband statt, sodass jeder mit jedem sprechen konnte.
Dann folgte eine Analyse des Gejammers. Der Vorhang wurde entfernt, und die Teilnehmer tauschten mit Unterstützung der Moderatoren ihre Eindrücke aus. Auch „elendes Buffet“ gab es: „Ein trauriger Anschein eines festlichen Tisches und freie Kommunikation mit oder ohne traurige Musik“, hieß es.
Der unbestrittene Höhepunkt des gesamten Festivals war das sogenannte „Jammer-Turnier“, bei die besten Jammerlappen im Selbtsmitleid ermittelte. Die ersten drei Plätze erhielten Trostpreise, der Gewinner des letzten Platztes aber einen Ermutigungspreis.
Die Jury bewertete die Beschwerdeführer in drei Phasen: Kür, Beschwerden über Prüfungsaufgaben und Beschwerden über die Jurymitglieder. Zuerst nutzten die Teilnehmer die vorgegebene Zeit, um sich über das Leben zu beschweren.
Dann zog ein Teilnehmer ein Ticket und beschwerte sich über das darauf angegebene Thema. Sollte das Thema nicht gepasst haben, konnte er ein neues Ticket ziehen. Dafür musste er aber eine Strafe hinnehmen.
Am Ende mussten die Teilnehmer bewerten, ob ihr Platz in der Tabelle fair war. Die Besten mussten ihren Status begründen. Die Letztplatzierten beschwerten sich über die Bewertungskriterien, und jeder verglich sich generell mit den anderen Teilnehmern.
Viktoria Nedaschkowskaja


