Herr MDZ ist 80

1998 ging sie (wieder) an den Start: Mit der „Moskauer Deutsche Zeitung“ erscheint seitdem alle zwei Wochen eine Zeitung auf Deutsch über Russland. Maßgeblich geprägt hat sie ihr erster Chefredakteur Michail Podwigin. Jetzt wurde er 80 Jahre alt.

Michail Podwigin 2006 bei seiner Verabschiedung. Rechts MDZ-Gründer Heinrich Martens und MDZ-Herausgeberin Olga Martens. (Foto: Tino Künzel)

Die Nachricht erreichte uns dieser Tage: Michail Podwigin feiert seinen 80. Geburtstag. Der erste Chefredakteur der MDZ baute die Zeitung auf und hielt den Laden zusammen, bis er 2006, nach acht Jahren, fand, dass es genug ist. Wir haben uns seitdem nicht oft gesehen und nun schon längere Zeit gar nicht mehr. Aber ich hoffe sehr, dass er seine MDZ in guten Händen glaubt und dass er sich, wenn er uns liest, öfter freut als ärgert, wie sein Werk fortgesetzt wird. Nicht alles, was er sich für die Zeitung erträumte, ist wahr geworden, dafür manches, wovon er nicht zu träumen wagte. Das Grundanliegen ist unverändert: Der frühere TASS-Korrespondent in Bonn wollte, dass die „Moskauer Deutsche Zeitung“ deutschsprachigen Lesern ein differenziertes Russlandbild vermittelt. Dieser Anspruch bleibt.

Der untenstehende launige Text entstand 2006 zum Abschied von Michail Podwigin für den internen Gebrauch. Doch heute eignet er sich gut dazu, mit einem Lächeln auf jene Zeit zurückzublicken, aber dann auch gleich wieder nach vorn. Die Ansage steht übrigens immer noch: Kommen Sie uns doch wieder mal besuchen, Herr MDZ!

Ein herzlicher Demokrat

Die Russen wissen, was es bedeutet, wenn einem von heute auf morgen der Chef abhandenkommt. Am Silvesterabend 1999 brummte Boris Jelzin in die Kamera: „Ich gehe.“ Man stelle sich also vor, wie konsterniert die Redaktion der „Moskauer Deutschen Zeitung“ war, als ihr Michail Podwigin Mitte Februar 2006 aus heiterem Himmel eröffnete: „Ich gehe.“ Und zwar zum 1.  März. Also sozusagen jetzt. Gleich. Sofort. Dabei war der Chefredakteur der MDZ die Kontinuität in Person gewesen. Die Redakteure kamen und gingen – er blieb. Und nun? Wie immer wird es weitergehen. Zunächst mit viel Ungewissheit.

Michail Jewgenjewitsch war als Redaktionsleiter manchmal Kommunist, manchmal Autokrat, meist aber Liberaler, Demokrat. Er hielt die Journalisten an der langen Leine und pflegte einen geradezu zärtlichen Umgang mit ihnen. Beispiele gefällig? Über Dana Ritzmann sagte er: „Eine hervorragende Journalistin, leider mit schrecklichem Charakter.“ Über Tino Künzel: „Wir alle haben Schwächen, von Tino ganz zu schweigen.“ Kein Wunder, dass die jungen Spunde für ihn durchs Feuer gegangen wären.

Podwigin kommt ja von Podwig, der Großtat. Michail Jewgenjewitsch hat hier viel und viele bewegt. Die Redaktion sagt Danke. Tschüs. Und – dies ist ein Prikas, den wir uns ausnahmsweise erlauben – vergessen Sie ja nicht, uns regelmäßig zu besuchen!

Tino Künzel

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